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Artikel vom Freitag, 23. November 2018

Bozen: Flashmob gegen den Kaufrausch

Zeitgleich mit mehr als 200 Organisationen, sowohl in Delhi, Mailand, London, Washington DC, Zagreb als auch in Florenz, ist die oew-Organisation für Eine solidarische Welt am heutigen „Black Friday“ in Bozen auf die Straße gegangen.

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Mit einem Flashmob hat die oew Gerechtigkeit für die Arbeiter von H&M gefordert.

Mit einem Flashmob hat die oew Gerechtigkeit für die Arbeiter von H&M gefordert.

Vor dem Eingang des H&Ms in der Museumstraße machte sie mit einem Flashmob auf die fatalen Zustände im Textilsektor aufmerksam und klagten das Verhalten des Moderiesen H&M an, der bis Ende November 2018 bessere Arbeitsbedingungen in seinen wichtigsten Produktionsstätten versprochen hatte.

Da keine Verbesserungen in Sicht sind, forderte die oew im Zuge der Clean-Clothes-Kampagne alle Konsumenten in Südtirol dazu auf, sich mit den Arbeitern der Zulieferungsfirmen von H&M zu solidarisieren und durch das Unterschreiben der internationalen Petition „Turn around, H&M“ den Moderiese H&M zum „Umdrehen“ zu bewegen. 

Versprechen von vor 5 Jahren muss eingehalten werden

Mit übergroßen, weißen Taschen, auf denen Slogans wie  „Drahn um … und forder‘ menschenwürdige Orbeitsbedingungen!“, „Voltati … per una vita dignitosa di 850.000 lavoratori” und “Muda direzion … per n paiamënt rëidl” standen, schritten die Aktivisten am Freitag vor dem Eingang des H&M Ladens in Bozen auf und ab und sammelten unter den Passanten Unterschriften für die internationale Petition der Clean-Clothes-Kampagne „Turn around, H&M“. Die Forderungen der Petition, die bereits 140.000 Unterstützer zählt, sind einfach: existenzsichernde Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für 850.000 Arbeiter in Bulgarien, der Türkei, Indien und Kambodscha – so wie es der schwedische Konzern in seinem „Fahrplan in Richtung eines fairen Existenzlohns“ vor fünf Jahren versprochen hat.

„Die Arbeitsbedingungen und Löhne, die wir in den Fabriken entlang der Lieferkette vorgefunden haben, sind weiterhin schockierend“, betont Deborah Lucchetti von der internationalen Clean-Clothes-Kampagne, die im September 2018 einen Report zu den noch immer miserablen Zuständen in den Fabriken von H&M mit ausgearbeitet hatten: „Die Arbeiter berichten von Niedriglöhnen, massiven Überstunden und von der Angst, sich in Gewerkschaften zu organisieren. Arbeiter, die vor Übermüdung am Arbeitsplatz in Ohnmacht fallen, stehen an der Tagesordnung.“ 

Der Report zeigt auf, dass Arbeiter in Indien sowie in der Türkei nur ein Drittel, in Kambodscha weniger als die Hälfte des geschätzten Existenzlohnes und in Bulgarien nicht einmal 10 Prozent von dem, was sie brauchen würden, erhalten, um ein menschenwürdiges Leben zu führen. In allen vier Ländern reichen die Löhne nicht aus, um die Familie mit genügend Lebensmitteln zu versorgen, Wohnungsmieten zu bezahlen sowie die ärztliche Grundversorgung und die Schulbildung der Kinder zu gewährleisten. 

Auch Arbeiter in Italien berichten von schlechten Arbeitsbedingungen

Aber auch die Arbeiter in Italien sind von den schlechten Arbeitsbedingungen betroffen. Eine Arbeiterin, die im H&M-Logistikzentrum Stradella in Italien Kleidung verpackt, erzählt: „Im Magazin, in dem ich arbeite, beginnt der Turnus um 4.30 Uhr morgens. Dabei weiß ich nie, wann ich mit der Arbeit fertig sein werde, nach vier Stunden oder 12 Arbeitsstunden – da gibt es keine Sicherheit.“ Nachdem bereits 147 Arbeiter und der Anwalt, der sie im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen vertritt, angezeigt wurden, beschloss die Arbeiterin mit ihrer Kritik anonym zu bleiben. 

Diese Missstände vor Augen sind im vergangenen Monat mehrere junge Südtiroler aktiv geworden und haben sich auf den Social-Media-Plattformen Facebook und Instagram unter den Hashtags #TurnAroundHMChallenge und #TurnaroundHM für ein Einhalten des H&M Versprechens ausgesprochen. In Zusammenarbeit mit der Clean-Clothes Kampagne Italien drehte die oew zudem mit mehreren Jugendlichen ein Video, das heute, am Black Friday, das erste Mal weltweit auf dem Youtube-Kanal der Clean Clothes Campagne zu finden ist.

Die junge Filmemacherin und Aktivistin Magdalena Gschnitzer bringt den Inhalt des Kurzfilms auf den Punkt: „Firmen werben oft mit schönen Zukunftsversprechen, um ihre Marke als fair, grün oder nachhaltig zu verkaufen. Solch werbetechnischen ‚Zuckerlen‘ klingen auch sehr gut, besonders für Kunden, die nicht weiter nachhaken. Leider haben diese Versprechen oft nichts mit der Realität zu tun und genau deshalb haben wir den Film gedreht!“

stol

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