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Artikel vom Mittwoch, 26. Juni 2019

Italiens Spiel mit dem Feuer

Bisher ist es nur eine Ankündigung – aber die hat es in sich: Die italienische Abgeordnetenkammer stimmte Anfang Juni dem Vorhaben der Regierung zu, Staatsanleihen in kleinen Stückelungen von 5 bis 500 Euro auszugeben: „Buoni ordinari del Tesoro“, auf Deutsch „Schatzanweisungen“ im Kleinformat – Mini-Bots. Damit plant die Regierung von Lega und 5-Sterne-Bewegung, ihre Schulden bei Unternehmen zu begleichen. Mini-Bots sind staatliche Gutscheine, die die Unternehmen wiederum dazu verwenden könnten, ihre Schulden – etwa Steuern – beim Staat zu zahlen.

Die geplanten Mini-Bots der Regierung von Lega und 5-Sterne-Bewegung bereiten der Wirtschaft in Italien Kopfschmerzen. - Foto: APA (Dpa)

Die geplanten Mini-Bots der Regierung von Lega und 5-Sterne-Bewegung bereiten der Wirtschaft in Italien Kopfschmerzen. - Foto: APA (Dpa)

„Das ist eigentlich eine Frechheit gegenüber einem Dienstleistungsunternehmen wie Markas“, sagt der Leiter von dessen Verwaltungs-, Finanz- und Controllingabteilung, Robert De Biasi. Markas bestreitet einen Großteil seines Umsatzes mit öffentlichen Aufträgen und wartet wie viele andere Unternehmen in Italien darauf, dass der Staat seine Rechnungen zahlt. Das Unternehmen müsse die Dienstleistung im Vorfeld erbringen, Mitarbeiter und Lieferanten bezahlen, erinnert De Biasi. „Obwohl wir an monatelange Zahlungsfristen unserer Kunden der öffentlichen Hand gewöhnt sind, sollten wir jetzt auch noch solche Schuldscheine annehmen. Wir würden auf einem Großteil der Mini-Bots sitzen bleiben.“

Auch die EU ist alarmiert: Denn würden solche Schuldscheine in  großen Mengen in Umlauf gebracht, könnten sie eine Art Parallelwährung zum Euro darstellen. Italien könnte damit die Sparvorgaben aus Brüssel unterlaufen. Und hätte im Falle eines Austrittes aus dem Euroraum eine eigene Währung parat. Inzwischen hat sich auch Staatssekretär Giancarlo Giorgetti, Nummer 2 der Lega, zur Aussage durchgerungen, dass die Mini-Bots nicht umsetzbar seien.

Der Südtiroler Christoph Kaserer, Leiter des Bereichs Financial Management and Capital Markets an der Technischen Universität München, erklärt: „Mini-Bots sind, wie auch Minister Giovanni Tria sagt, ein Instrument, das für sich genommen überflüssig ist – sofern man damit keine verborgene Agenda verfolgt. Und die kann nur mit dem Thema Euro-Austritt zu tun haben.“ Das sei ein Spiel mit dem Feuer. Das sieht auch Alex Weissensteiner, Professor für Finanzen an der Universität Bozen, ähnlich: „Mit den Mini-Bots schafft Italien ein potenzielles Druckmittel im Hinblick auf das Defizitverfahren.“

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des „WIKU“ am Mittwoch.

Den vollständigen Artikel und alle Hintergründe gibt es im WIKU, Beilage der Mittwochsausgabe des Tagblatts "Dolomiten".

Elmar Thaler, Tramin

Es geht nur darum, bereits in der Ausschreibung zu vermerken, dass mit Mini-Bots bezahlt wird. Dann kann der Unternehmer frei entscheiden ob er ein Angebot abgibt oder nicht. Ich möchte sehen welches in- oder ausländische Unternehmen dann an solchen Ausschreibungen noch teilnimmt. Im Nachhinein mit Mini-Bots zu bezahlen ist Betrug!!!

26.06.2019 08:52 Uhr

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