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Artikel vom Mittwoch, 13. September 2017

Air Berlin: Piloten ins Cockpit gebeten

Bei Air Berlin haben sich viele Piloten den zweiten Tag in Folge krankgemeldet, sie gefährden damit die Sanierung der insolventen Fluggesellschaft. Auch am Mittwoch musste der Konzern Flüge streichen und setzt erst für Donnerstag auf eine spürbare Besserung. Davor hatte es drastische Warnungen gesetzt.

Insolvente Air Berlin sorgt weiter für Schlagzeilen.

Insolvente Air Berlin sorgt weiter für Schlagzeilen.

Vorstandschef Thomas Winkelmann schlug Alarm: "Potenzielle Investoren werden durch die gestrige und heutige Performance verschreckt." Am Dienstag hatten sich kurzfristig rund 200 Piloten krank gemeldet. Nach jüngsten Zahlen der Air Berlin waren am Dienstag 164 Flüge ausgefallen. Hinzu kamen mehrere Ausfälle bei der Lufthansa-Tochter Eurowings, die üblicherweise mit Air Berlin-Flugzeugen durchgeführt werden.

Für Mittwoch gab das Unternehmen die Zahl der Krankmeldungen mit 149 an. Mindestens 32 Flüge wurden gestrichen, außerdem fielen 35 Eurowings-Verbindungen aus. Gegen Mittag gab es eine erste Entwarnung, viele Crews kehrten an ihre Arbeitsplätze zurück.

Stabiler Betrieb wichtig

Vertreter des Managements und der deutschen Bundesregierung hatten davor eindringlich an die Piloten appelliert. "Unterstützt uns in dieser für das Unternehmen existenzbedrohenden Situation", schrieb Winkelmann in einem offenen Brief. Ziel sei eine geordnete Überleitung möglichst vieler Arbeitsplätze.

Unabdingbar dafür sei, dass der Flugbetrieb kurzfristig stabilisiert werde, also schon morgen. "Meldet Euch aus dem Off freiwillig zurück." Auch die deutsche Bundesregierung redete den Piloten ins Gewissen. Von Arbeitgeberseite kam Kritik am "wilden Streik".

Organisation vermutet

Die "Süddeutsche Zeitung" vermutet, dass die vielen Krankmeldungen der Air-Berlin-Piloten aus deren Kreisen sorgfältig organisiert wurden. Demnach führten Piloten der insolventen Airline schon seit längerem eine sogenannte "Sick-out-Datei". In diese wurde bereits am Montag jeder Krankgemeldete eingetragen, um einen Überblick über die Teilnahme an der Aktion zu bekommen.

Die Verabredung dazu sei über eine vor kurzem gegründete Chat-Gruppe eines Messenger-Dienstes erfolgt. In vertraulichen Mails von Piloten an die "SZ" werde etwa auch argumentiert, zahlreiche in Bereitschaft stehende Piloten seien am Montag nicht aktiviert worden, ebenso wenig Piloten aus dem Management, oder solche, die frei hatten. "Wem nutzt das?", fragte einer, der an eine geheime Planung zugunsten des großen Konkurrenten Lufthansa glaubt. Air Berlin wies solche Verdächtigungen zurück.

apa/dpa/ag

 

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