„Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich von Ihrer Anfrage gehört habe. Wer berichtet denn sowas?“ So die erste Reaktion von Graziola, der als Einkäufer für mehrere Supermärkte im Trentino und in Südtirol tätig ist und unter anderem die Filiale der COOP in Bozen beliefert.85 Prozent der Kunden kaufen NutellaMehrere deutsche Medien hatten am Wochenende berichtet, COOP habe beschlossen, Nutella aus den Regalen zu nehmen, da das verwendete Palmöl im beliebten Schoko-Brotaufstrich angeblich krebserregend sein soll. „Abgesehen davon, dass ich noch nie etwas davon gehört habe: Es ist schlicht unvorstellbar, Nutella aus den Regalen zu verbannen“, so Graziola. In Sachen Streichschokolade sei Nutella immer noch weitaus führend, 85 Prozent der Kunden würden sich für diese Marke entscheiden.„Die Verwendung von Palmöl ist in Italien keineswegs verboten. Außerdem ist es nicht unsere Aufgabe, den Kunden die Entscheidung abzunehmen: Wenn sich jemand wegen des Palmöls für Produkte ohne diesen Zusatz entscheidet, so kann er dies bereits heute tun. Wenn Kunden sich jedoch trotz des Palmöls weiterhin für Nutella entscheiden, dann sollen sie dies auch können.“EFSA hatte vor Palmöl gewarntUnter anderem hatte WELT.de davon berichtet, später den Artikel jedoch umformuliert. Das Schweizer Portal BLICK.ch hat ebenfalls davon berichtet. Auffallend war, dass die italienischen Medien sich ausschwiegen - weil die Nachricht eine digitale Zeitungsente war.„Supermarkt-Regale in Italien ohne Nutella? Das ist unvorstellbar“, betont Graziola noch einmal.Die Information, dass das in zahlreichen Lebensmitteln verwendete Palmöl krebserregend sei, stammt aus einer Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die im Mai vergangenen Jahres auf diese Gefahr aufmerksam machte. Nutella besteht zu einem hohen Anteil aus Palmöl, da es der Streichschokolade die cremige Textur und den Glanz verleiht.Wie WELT.de in ihrem (aktualisiertem) Artikel berichtet, würde die Supermarkt-Kette COOP künftig lediglich bei der Produktion ihrer eigenen Produkte auf Palmöl verzichten, ebenso wie Nudelhersteller Barilla.Ferrero reagiert auf Palmöl-VorwürfeFerrero selbst hat - da es nicht auf das Palmöl verzichten will - eine neue Werbekampagne gestartet: In Fernsehspots wirbt das Unternehmen für Palmöl und versichert, dass das vom Konzern verwendete Produkt sicher sei, „weil es aus frisch gepressten Früchten gewonnen und bei kontrollierten Temperaturen verarbeitet wird“, wie WELT.de zitiert.Laut Reuters setze Ferrero bei der Produktion zudem auf ein Verfahren mit niedrigeren Temperaturen, damit das Öl keine krebserregenden Stoffe entwickle. stol/liz