Freitag, 07. Januar 2022

10 Jahre nach Costa-Concordia-Drama: Insel Giglio trauert

10 Jahre sind seit der Costa Concordia-Katastrophe in Italien mit 32 Toten vergangen. Doch für die rund 2000 Bewohner der Insel Giglio im toskanischen Archipel ist die Erinnerung an die Unglücksnacht nach wie vor gegenwärtig.

Das Unglück der Costa Concordia jährt sich zum 10. Mal.
Das Unglück der Costa Concordia jährt sich zum 10. Mal. - Foto: © ANSA / ANSA
Kommenden Donnerstag, dem Jahrestag des Schiffsunglücks, ist eine Messe im Andenken an die Opfer geplant. An Bord befanden sich auch 77 Menschen aus Österreich, darunter der damalige Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden. Alle überlebten das Unglück.

13. Jänner 2012: Das Drama beginnt um 21.45 Uhr. Ein lauter Knall erschüttert die Costa Concordia auf der Fahrt vom Hafen Civitavecchia ins ligurische Savona. Der Kreuzfahrtriese mit seinen 290 Metern Länge und 4229 Menschen an Bord rammt einen Felsen vor der Insel Giglio. Der Ruck schüttelt die Passagiere durch, die zum Großteil gerade beim Dinner im Speisesaal sitzen.


Das Licht geht aus, die Costa Concordia neigt sich schnell zur Seite. Panik und Chaos bricht aus, als der Luxusliner um 80 Grad nach Steuerbord kippt. Doch über die Lautsprecher tönt die Nachricht, es handle sich lediglich um Probleme mit der Stromversorgung. Erst nach einer Stunde heulen die Schiffssirenen zur Evakuierung. Wegen der starken Schieflage können Rettungsboote nur mühsam ins Meer gelassen werden.

Schweigeminute geplant


In der Dunkelheit herrscht entsetzliches Durcheinander, einige Menschen springen ins eiskalte Wasser. In jenem Teil des Schiffes, der unter Wasser liegt, bleiben mehrere Passagiere eingeschlossen. Gegen 1 Uhr sind noch einige hundert Menschen an Bord. 5 Boote der Küstenwache eilen zu Hilfe. Rettungskräfte ziehen zahllose Schiffbrüchige aus dem Meer und bringen sie auf die Insel Giglio. Die Einwohner öffnen Schulen, Kindergärten, Kirchen und Privathäuser und versorgen die Menschen mit Decken, Mänteln und heißen Getränken.

Eine Messe zu Ehren der Toten ist am Donnerstag der kommenden Woche in der Kirche geplant, in der unzählige Schiffbrüchige in der Unglücksnacht Zuflucht gefunden hatten. Um 21.45 Uhr, dem Zeitpunkt an dem die Concordia den Felsen rammte, sollen auf der ganzen Insel die Sirenen heulen, gefolgt von einer Schweigeminute. Franco Gabrielli, der als Zivilschutzchef die Rettungsaktion der Costa Concordia koordinierte, wird erwartet. Er wird mehrere Überlebende und Einwohner treffen.


An der Gedenkmesse wird auch Sergio Ortelli, Bürgermeister der Insel, teilnehmen. Er hatte dieses Amt schon in der Unglücksnacht inne: „Es war fürchterlich, viele Überlebende waren verzweifelt, weil sie im Chaos ihre Angehörigen verloren hatten. Die Panik war enorm. So etwas kann man nie wieder vergessen. Für die Insel Giglio ist die Concordia-Tragödie eine Wunde, die nie heilen wird“, erzählte der 66-Jährige.

Schettino weiterhin in Haft

Nach dem Unglück gab es heftige Kritik an der Betreibergesellschaft Costa Crociere und an Kapitän Francesco Schettino. Das Schiff sei viel zu spät evakuiert worden, der Kapitän zu früh von Bord gegangen. Er habe Hunderte von Passagieren im Stich gelassen, hieß es. Der Kapitän wurde 2017 letztinstanzlich zu 16 Jahren Haft verurteilt worden und sitzt im römischen Gefängnis Rebibbia seine Strafe ab.


Das Wrack des Luxusliners wurde im Juli 2014 im Rahmen einer spektakulären Abschleppaktion in die Hafenstadt Genua überstellt. Der in Mitleidenschaft gezogene Meeresboden vor Giglio wurde wiederhergestellt. Dafür musste die Costa-Concordia-Betreiberin 85 Millionen Euro ausgeben.


Heute ist die Insel Giglio ein Urlaubsparadies wie vor der Katastrophe. Die Hotels sind in der schönen Jahreszeit ausgebucht, Touristen strömen zu den Stränden und genießen die Natur. Doch bei aller Heiterkeit ist die Erinnerung an die Unglücksnacht nicht auszulöschen.

apa/stol