Donnerstag, 10. Juni 2021

10 Schafe im Langental in Wolkenstein gerissen

Am Samstag wurde eine größere Herde Schafe in das Langental aufgetrieben, in der Nacht auf Dienstag schlugen ein oder mehrere Wölfe zu. Der Ärger und die Verbitterung in Gröden sind groß, wie das Tagblatt „Dolomiten“ am Donnerstag berichtet.

Von diesem Villnösser Brillenschaf ließen der oder die Wölfe nicht viel übrig.
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Von diesem Villnösser Brillenschaf ließen der oder die Wölfe nicht viel übrig. - Foto: © Leo Insam
„Der Wolf hat in Pra da Rì 5 Schafe gerissen und 5 schwer verletzt. Die 5 verletzten probieren wir zu retten, aber sie werden es wohl nicht schaffen“, sagte Hirte Leo Insam gestern den „Dolomiten“. Er hatte die Wolfsrisse in der Nacht auf Dienstag bemerkt.

Der Schafauftrieb hat im Langental eine lange Tradition. Jedes Jahr werden 300 bis 400 Schafe aus Gröden, Lajen, Kastelruth durch das Langental Richtung Puez aufgetrieben, so auch am Samstag.

Leo Insam schaut in der Regel jeden zweiten Tag nach den Tieren. „Künftig werde ich wohl jeden Tag schauen müssen“, sagt er. „Wir haben unten im Tal einen Zaun, dass die Schafe nicht herausgehen“, schildert er. Der Zaun wurde heuer mit Strom geladen – „damit der Wolf nicht hineingeht“, sagt Insam. Doch das nutzte nichts.

„Auf dem Schnee hat man die Spuren gesehen, wo er hinein ist“, schildert Insam, „hoffentlich ist er auch wieder heraus, die Spuren weisen darauf hin. Aber das muss nichts heißen.“Der Schafauftrieb hat im Langental eine lange Tradition. Jedes Jahr werden 300 bis 400 Schafe aus Gröden, Lajen, Kastelruth durch das Langental Richtung Puez aufgetrieben, so auch am Samstag.



Insam ist skeptisch für die Zukunft: „Wenn das noch einmal passiert, dann werden halt die Schafe abgetrieben und erst einmal zu Hause bleiben. Dann werden sie aber wohl auch versteigert werden, denn man kann nicht 20 bis 30 Schafe daheim halten, das geht einfach nicht.“

Einen Zaun um die Weidegegend herumzuziehen und die Schafe nachts hereinzuholen, wie es die Politiker wollten, sei unmöglich, sagt Insam. „Wie willst Du da einen Zaun machen? Das ist ja alles felsig. Von Bozen sind sie schon heraufgekommen, haben sich das angeschaut und dann gesagt, sie sehen schon ein, dass das nicht geht.“

Wie es in Zukunft mit Wolf und Bär in Südtirol weitergehen soll, hat STOL Landesrat Arnold Schuler im Interview gefragt.

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Sorge um Tourismus und Landwirtschaft

Auch Bürgermeister Roland Demetz versteht die Welt nicht mehr. „Ich rede ja mit den Leuten. Die haben Angst. Der Wolf ist für den Menschen vielleicht nicht gefährlich, aber die Leute haben trotzdem Angst“, schildert Demetz.

Aber ihm macht etwas anderes noch größeres Kopfzerbrechen: „Das viel größere Problem ist: Wenn die Urlauber draufkommen, dass hier Wölfe herumlaufen, dann geht hier keiner mehr spazieren. Wenn wir Wirtschaft und Tourismus aufs Spiel setzen wollen wegen ein paar Wölfen, dann sind wir arm dran. Das kann es nicht sein, dass die Wölfe wichtiger sind als die Menschen und das Leben und die Wirtschaft, die wir haben“, sagt Demetz.

Er sieht auf Gröden etwas zukommen: „Wir werden innerhalb von ein oder 2 Jahren ein riesiges Problem kriegen, mit dem wir nicht mehr fertig werden“, sagt Demetz und lässt seinem Zorn freien Lauf: „Wollen wir wirklich alles aufs Spiel setzen, nur weil ein paar Tierschützer für den Wolf eintreten? Und warum werden die Schafe nicht geschützt, das sind doch auch Tiere? Geht man nur eine Kategorie schützen und die andere nicht?“

Demetz fürchtet aber generell um die heutige Grödner Kulturlandschaft: „Wir haben schon so nur mehr wenige Bauern; nur wenige haben überhaupt noch Lust, Tierhaltung zu machen, und wenn das so weitergeht, werden wir schon sehen, wie die Almen bald ausschauen“, sagt er.

Deshalb ist der Wolkensteiner Bürgermeister der Meinung: „Wölfe gehören dorthin, wo sie Platz haben, und bei uns in den touristischen Zonen haben sie eben keinen Platz.“ Von Herdenschutz, Vorkehrungen, Zäunen hält Demetz nicht viel: „Es soll jemand einmal einen Zaun machen auf Puez, da wäre ich gespannt, wie man da tut; ich wüsste nicht wie. Seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten sind dort Schafe drin zum Weiden – und jetzt haben sie auf einmal keinen Platz mehr. Das kann es nicht sein.“

sch/stol