Donnerstag, 30. Juli 2015

1045 Automaten versus 38 spielfreie Gemeinden

Im Land gibt es mit 1045 Spielautomaten und nur 38 automatfreien Gemeinden noch viel zu viele Möglichkeiten der Spielsucht anheim zu fallen. So zumindest sieht es Andres Pöder, der auf eine Verschärfung der Gesetze gegen Spielhallen pocht und von einer "scheinheiligen Aktion" spricht. Denn Südtirol nimmt 40 Millionen Euro aus der Glücksspiel-Maschinerie ein, setzt aber nun 300.000 Euro zur Bekämpfung der Spielsucht ein.

1045 Spielautomaten stehen in Südtirols Gemeinden.
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1045 Spielautomaten stehen in Südtirols Gemeinden. - Foto: © shutterstock

„Spielsucht ist eine weit unterschätzte Gefahr für Südtirols Familien, welche Tausende Südtiroler aus der Bahn wirft und an den Rand der Gesellschaft drängt", so Pöder.

Die Landesregierung hatte am Dienstag beschlossen, 300.000 Euro an den Sanitätsbetrieb zur Bekämpfung der Spielsucht zu überweisen (STOL hat berichtet). "Das Land nimmt seit 2013 jährlich rund 40 Millionen Euro aus den Glücksspielsteuern ein und gibt grad mal 300.000 Euro für die Bekämpfung der Spielsucht aus", wettert nun der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion.

Allarmierend sei laut BürgerUnion auch die Anzahl der in Südtirol aufgestellten Spielautomaten.

1045 Automaten in 220 Stätten

Laut im März 2015 veröffentlichten Daten zum Glücksspielangebot in Südtirol, an der sich 109 von 116 Gemeinden beteiligten haben, stehen in den Gemeinden 1.045 Automaten, die an 220 einzelnen Spielstätten aufgestellt sind.

Dies seien 1.045 potenzielle Ausbeuter von Familien und Arbeitern. "Doch auch Jugendliche, speziell Schüler und Studenten sind immer mehr gefährdet. Darum sind die Automaten auch aus dem weiteren Umkreis von Schulen und Haltestellen für den öffentlichen Personennahverkehr zu verbannen, “ so Pöder weiter.

Gegen eine Verschärfung

Doch die Landesregierung habe den von vielen als positiv und durchdacht bezeichneten Gesetzentwurf der BürgerUnion zur Verschärfung des Gesetzes gegen die Spielhallen und Spielautomaten jüngst im Gesetzgebungsausschuss abgelehnt, kritisiert Pöder.

Lediglich SVP-Fraktionssprecher Dieter Steger, von dem das derzeit geltende Anti-Spielhallen-Gesetz stammt, hat sich nicht gegen den Gesetzentwurf zur Verstärkung der Maßnahmen gegen die Spielhallen gestimmt. Bereits 2010 wurden erste zielführende Maßnahmen zur Eindämmung der Aufstellung von Spielhallen und Spielgeräten eingeführt, wie die Vorschrift des Abstandes von 300 Metern von verschiedenen Einrichtungen. 

Höhere Steuern für Betreiber

"Wer den Südtirolern die Früchte ihres Fleißes durch dubiose Methoden aus den Taschen zieht, sollte zumindest stärker zur Kasse gebeten werden", so Pöder weiter. So sieht sein Gesetzesvorschlag vor, den Betreibern von Spielautomaten sämtliche vorgesehenen IRAP-Erleichterungen zu streichen. 

"In seiner Gesamtheit betrachtet, zielt der Antrag darauf ab, dass in naher Zukunft zu den 38 vollständig automatenfreien Gemeinden in Südtirol noch viele weitere gesellen, damit der Fleiß der Südtiroler nicht den Automaten zum Fraß vorgeworfen wird,“ schließt Pöder die Aussendung.

Sein Antrag wurde allerdings versenkt und Pöders Kampf gegen die Spielsucht geht weiter.

stol

stol