In der detaillierten Weinkarte lässt sich ablesen, wo dringender Handlungsbedarf erforderlich ist und welche Maßnahmen im Weinbau gesetzt werden sollten. <BR /><BR />Nicht nur Weinbauern und Weinliebhaber wissen: Ein edler Tropfen ist das Endprodukt einer Vielzahl an Arbeitsschritten im Weinberg und in den Kellereien, wobei die Natur mit dem Mikroklima, den Lagen und den Böden die Grundvoraussetzungen stellt. <BR /><BR />Und gerade ein Teil dieser Grundvoraussetzungen, die im Weinbau seit Jahrzehnten gelten, geraten infolge des Klimawandels zusehends ins Wanken. Die Produktion erlesener Weine bedingt ideale Witterungsbedingungen während des Vegetationszyklus, allerdings gilt es vermehrt Faktoren wie Temperaturgefälle, Trockenperioden, Niederschlagsmengen zur Erntezeit und Hitze zu berücksichtigen.<h3> Enges Regelwerk schränkt Winzer ein</h3>Gerade mit dieser Klimaresilienz der europäischen Weinregionen hat sich nun ein Forscherteam beschäftigt, dabei Daten von 1085 Weinbaugebieten zu Rebsorten, Anbau und Klima zusammengetragen und in einer entsprechenden Webapplikation miteinander verbunden. Die Simulationen zeigen auf, welche Gebiete besonders vulnerabel sind, weil sie entweder in ein strenges rechtliches Korsett gepresst sind oder nicht über notwendige Ressourcen verfügen. <BR /><BR />„Wenn das Regelwerk nur wenige Rebsorten für ein ausgewiesenes Gebiet vorsehen, dann haben dort die Winzer nur wenig Spielraum, wenn sie die geschützte Ursprungsbezeichnung beibehalten wollen“, sagt Simon Tscholl, Biologe im Eurac-Institut für Alpine Umwelt und Mitautor der Studie.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1058298_image" /></div> <BR />Somit droht das System der geografischen Angaben, lange Zeit ein Segen für Europas Weinwirtschaft, zum Nachteil für gewisse Gebiete zu werden. Die Veränderungen treffen die Gebiete auf sehr unterschiedliche Art und Weise, aus diesem Grund wurde die detaillierte virtuelle Klima-Weinkarte („Winemap Climate“) entwickelt. <BR /><BR />Dabei wurden 3 Parameter in Relation gesetzt: Klimawandel, Empfindlichkeit einer Region sowie deren Anpassungsfähigkeit. Darüber hinaus wurden in der Studie weitere Aspekte wie soziale Faktoren (etwa Bevölkerungsentwicklung) oder finanzielle Komponenten (etwa Verschuldungsrate) berücksichtigt. Die detaillierte Studie wurde am 24. Juli in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.<h3> Fast ein Drittel aller Weingebiete gefährdet</h3>So zeigt sich, dass 5 Prozent aller untersuchten Weinbaugebiete einem sehr hohen Risiko und weitere 25 Prozent einem hohen Risiko ausgesetzt sind, darunter Regionen in Frankreich, Spanien oder Italien mit großer Weinbautradition. Simon Tscholl erläutert, dass Südtirol gut aufgestellt sei und zu den Regionen mit der höchsten Anpassungsfähigkeit zählt. „In Südtirol fällt die große Diversität auf, mehr als 20 Sorten werden hier derzeit angebaut und entsprechend viele unterschiedliche Weine produziert. Dazu kommen die komplexe Topografie mit Höhenlagen und unterschiedlich ausgerichteten Hängen sowie die notwendigen Ressourcen, um auf den Klimawandel reagieren zu können“, sagt Tscholl. Allerdings werde man auch hier die Auswirkungen des Klimawandels verstärkt spüren. <BR /><BR />Als Fazit legt die Studie nahe, dass das strenge EU-System der geografischen Angaben auf die geänderten Bedingungen reagieren solle – in Bezug auf eine größere Flexibilität bei Sortenwahl und Anbautechniken sowie in der Bereitstellung notwendiger Ressourcen.<BR /><BR />Die detaillierte Weinkarte mit allen europäischen Regionen ist im Internet abrufbar: <b>winemap.eurac.edu</b>