Eigentlich schien die Sache klar: Eine breite Koalition aus PD PSI Trient, Campobase, Insieme per Trento, Alleanza Verdi Sinistra, Intesa per Ianeselli, Prima Trento mit PATT, die gemischte Gruppe, die Gruppe Onda, La Civica, Si Trento und Noi Trent wollte die Ehrenbürgerschaft von Benito Mussolini endgültig aus den Büchern der Stadt Trient tilgen. Doch bei der geheimen Abstimmung am Dienstagabend folgte die Ernüchterung.<h3> 12 Räte verweigern die Stimme</h3>Um dem Duce die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, wäre im Trientner Gemeinderat eine qualifizierte Mehrheit von 32 Stimmen notwendig gewesen. Von den 40 anwesenden Gemeinderäten beteiligten sich allerdings nur 30 an der Wahl. Zwar stimmten 28 für die Revokation (bei 2 Enthaltungen), das reichte somit aber nicht aus. Zehn Ratsmitglieder gaben keine Stimme ab.<BR /><BR />Die Unterzeichner des Antrags zeigten sich in einer ersten Stellungnahme „tief enttäuscht und verbittert“. Sie warfen den Verweigerern vor, den Schutz der geheimen Abstimmung missbraucht zu haben, um einer klaren Positionierung zum Faschismus auszuweichen.<BR /><BR />„Wir fragen uns, ob dieses Verhalten als Unfähigkeit gelesen werden muss, sich von einer gewissen Erzählweise des Faschismus zu distanzieren“, so die enttäuschten Initiatoren.<h3>Journalisten unter Polizeibegleitung aus dem Saal</h3>Für Kopfschütteln sorgte auch das Prozedere im Palazzo Thun. Da das Reglement bei Fragen zur „Unwürdigkeit“ von Ehrenbürgern eine geheime Sitzung vorsieht, musste das Publikum den Saal verlassen. Dass die Pressevertreter dabei von einem Beamten der Lokalpolizei bis zum Ausgang begleitet wurden, empfanden viele als unnötige Schärfe.<BR /><BR />Laut der Tageszeitung „l'Adige“ verteidigte Ratspräsidentin Silvia Zanetti das Vorgehen: „Das Reglement sieht das so vor, es gibt hier keinen Ermessensspielraum.“ Die Regelung diene dem Schutz der Reputation der betroffenen Personen. Kritiker merken jedoch an, dass es bei einer historischen Figur wie Mussolini paradox sei, von „Reputationsschutz“ zu sprechen – seine Unwürdigkeit sei schließlich längst historisch belegt.