Freitag, 23. März 2018

125 Jahre Mitteleuropäische Zeit

Das Drehen an der Uhr ist zur Routine geworden. Und bleibt dennoch umstritten. In der Nacht zum Sonntag (25. März) werden die Uhren wieder auf Sommerzeit von 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr vorgestellt. Diesmal ist die Zeitumstellung mit einem Jubiläum verbunden: Die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) wird 125 Jahre alt.

Am Sonntag werden die Uhren wieder auf Sommerzeit gestellt.
Am Sonntag werden die Uhren wieder auf Sommerzeit gestellt. - Foto: © shutterstock

„Früher hatte jeder Ort seine eigene Zeit“, sagt Johannes Graf vom Deutschen Uhrenmuseum in Baden-Württemberg. Ein Problem sei dies lange nicht gewesen. Doch mit dem Siegeszug der Eisenbahn Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich das.

„Das vergleichsweise schnelle Verkehrsmittel Eisenbahn passte nicht zu der Vielzahl der örtlichen Zeiten“, sagt Graf. So wurden für Züge Einheitszeiten festgelegt, die entlang der Bahnlinien galten und sich meist an der jeweiligen Zeit in den Hauptstädten orientierten. An den Orten, durch die Züge fuhren, zeigten die Uhren meist jedoch eine andere Zeit.

Das sorgte für Verwirrung – mit verheerenden Folgen: Am 12. August 1853 zeigte die Taschenuhr eines Lokführers die falsche Zeit an, der Mann steuerte die Dampflokomotive mit den Waggons auf ein Gleis. Deshalb stießen in Virginia Falls (USA) zwei Züge zusammen, 13 Menschen starben. Das Unglück löste eine Debatte aus. Die Antwort waren Einheitszeiten, die sich an den nationalen Grenzen orientierten. „Doch besonders im kleinräumigen Europa war dieser erste Schritt zur Vereinheitlichung der Zeiten unbefriedigend“, sagt Graf. An Grenzbahnhöfen sorgten sie für Chaos. Am Bodensee etwa mit seinen damals fünf Anrainerstaaten galten so in einem einzigen Bahnhof fünf unterschiedliche Zeiten.

Orientierung versprach ein System aus 24 weltweiten Zeitzonen, das den Staaten 1884 auf einer Konferenz in Washington empfohlen wurde. 

Wissenschaftler fanden eine einzige Weltzeit besser

Wissenschaftler wiederum sagten: Erdbeben und Wetter sowie Bahn- und Postverkehr machten nicht an den Grenzen von Zeitzonen Halt. Besser sei eine einzige Weltzeit. Doch diese kam nicht. Stattdessen etablierte sich die für Mitteleuropa geltende MEZ, die viele europäische Länder einführten. Später kam es zur Unterscheidung zwischen Winter- und Sommerzeit und damit zur Notwendigkeit, regelmäßig die Uhren umzustellen.

Zeitzonen seien sinnvoll, sagt Graf: „Sie unterscheiden sich voneinander jeweils um eine ganze Stunde. Die Aufteilung der Erde in 24 solcher Stundenzonen bewirkt, dass die Sonne ungefähr um 12 Uhr mittags im Zenit steht – und das weltweit.“ Somit lebe jeder in einer ihm vertrauten Zeit, die sich an dem Stand der Sonne orientiere.

Global unterschiedlich seien nur die Stunden. Da Minuten und Sekunden weltweit im Gleichtakt liefen, könnten Zeiten durch einfaches Hinzufügen oder Abziehen einer bestimmten Zahl von Stunden die Weltzeit UTC errechnet werden, die etwa im Flugverkehr genutzt wird. Dies helfe Wissenschaft und Technik in einer globalisierten Welt.

Italien stellt seit 1916 2 Mal im Jahr um

In Italien wurden die Uhren erstmals 1916 am 25. Mai um eine Stunde vorgestellt, was bis 1920 im Gebrauch blieb. Zwischen 1940 und 1948 wurden kriegsbedingt mehrmals unterschiedliche Uhrzeitumstellungen vorgenommen. 

Ab dem Jahr 1965 wurde die Möglichkeit einer sommerzeitlichen Uhrzeitumstellung für Energiekrisenzeiten gesetzlich vorgesehen, wovon im Jahr 1966 erstmals Gebrauch gemacht wurde. Damals wurden die Uhren um Mitternacht umgestellt.

dpa

stol