Donnerstag, 12. Dezember 2019

13 Jahre Haft für ehemalige Miss Vienna-Kandidatin

Eine ehemalige Miss Vienna-Kandidatin ist am Donnerstag am Landesgericht wegen versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Verhandlung fand am Wiener Landesgericht statt.
Die Verhandlung fand am Wiener Landesgericht statt. - Foto: © APA/Archiv / GEORG HOCHMUTH

Sie hatte am 15. Juli 2019 in der Attemsgasse in Wien-Donaustadt eine Frau niedergestochen, die mit dem Mann zwei Kinder hat, der auch der Vater ihres zwei Jahre alten Sohnes ist. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Angeklagte läutete gegen 21 Uhr an der Wohnung der 30-Jährigen. Als diese aufmachte, „hat sie gleich die Tür aufgeschlagen und ich hab' ein Messer gesehen. Ich dachte, ich bin in einem Traum“, schilderte die Angegriffene nun einem Schwurgericht (Vorsitz: Andreas Böhm). Die Täterin habe ohne viele Worte zu verlieren auf sie eingestochen: „Ich habe gewusst, wenn ich nicht loskomme, sterbe ich. Ich wäre verblutet.“

Die 30-Jährige stürzte zu Boden, aber es gelang ihr sich wieder aufzurappeln. Bei der Flucht aus ihrer Wohnung fügte ihr die 25-Jährige noch weitere Wunden zu – sieben der insgesamt zehn Stiche bzw. Schnitte gingen in den Rücken.

Obwohl die Klinge die Brusthöhle öffnete, dabei die linke Lunge beschädigt wurde und sich eine Einblutung sowie eine Luftsichel in der linken Brusthöhle bildeten, schaffte es die lebensgefährlich Verletzte, auf den Gang vor ihrer Wohnung zu kriechen. Dort rief sie laut um Hilfe und ließ sich die Stufen hinabrollen, um der Angreiferin zu entkommen, die sie bis dahin nie gesehen hatte.

Nachbarn hörten Schreie

Nachbarn hörten die Schreie, alarmierten Polizei und Rettung und sorgten dafür, dass die 30-Jährige überlebte. „Hätte es nicht eine rasche ärztliche Behandlung gegeben, wäre mit dem Tod infolge Verblutens zu rechnen gewesen“, stellte Gerichtsmediziner Christian Reiter fest.

Die Angreiferin flüchtete vom Tatort, stellte sich aber wenig später in Begleitung ihres Vaters auf einer Polizeiinspektion. Mit Verteidiger Alexander Philipp zur Seite versuchte sie nun, die Geschworenen davon zu überzeugen, dass sie die Frau nicht töten wollte. Sie habe mit der anderen Frau nur das Gespräch gesucht. Die Waffen – neben dem Gemüsemesser hatte die 25-Jährige auch ein Käsemesser dabei – habe sie mitgehabt, um die 30-Jährige einzuschüchtern. Diese habe sie „wie einen Kasperl“ behandelt und an den Haaren gezogen, behauptete die Angeklagte: „Es war alles chaotisch. Ich weiß nur, dass ich ein paar Mal zugestochen habe.“

Nicht um Mann gestritten

Die ehemalige Miss Vienna-Kandidatin stellte in Abrede, dass es bei dem Streit um den Mann ging, der 2016 sie und zeitnahe die um fünf Jahre ältere Frau geschwängert hatte. „Ich wollte nur, dass mein Sohn bei ihm Urlaub machen kann“, erklärte die 25-Jährige. Die 30-Jährige habe sich jedoch dagegen ausgesprochen.

Der offenbar heiß begehrte Mann hatte ab 2012 eine On-Off-Beziehung mit der 30-Jährigen geführt. Daraus gingen zwei Töchter hervor. 2016 lernte die Angeklagte dann den Portugiesen in einer Disco kennen, es entwickelte sich eine lose Beziehung, der gemeinsame Sohn Jack Daniel – der Name soll dem Vater eingefallen sein – kam 2017 zur Welt. Der Bub hat seinen Vater allerdings bisher nicht kennengelernt – dieser lebt mittlerweile wieder in Portugal.

Über Facebook vernetzt

Dass der Mann weder von ihr noch etwas von seinem Sohn wissen wollte, dürfte der Angeklagten zugesetzt haben. Als sie erfuhr, dass die andere mit ihren Kindern in Wien zurückgelassene Frau – die beiden Frauen hatten sich über Facebook vernetzt, aber persönlich nie getroffen – den Mann dazu gebracht hatte, dass er seine Töchter im Sommer in Portugal als Feriengäste empfing, habe sie das auch für ihren Sohn erwirken wollen, behauptete die Angeklagte.

Sie habe die 30-Jährige auf dieses Vorhaben angesprochen, doch diese habe den Buben nicht mit nach Portugal schicken wollen. „Dabei hat mein Sohn eine schwere Zeit hinter sich gehabt“, sagte die 25-Jährige. Sie habe mit der 30-Jährigen „reden“ wollen, „dass wir uns vielleicht überzeugen, dass es besser wäre, wenn mein Sohn mitkommt“. Als die Frau das ablehnte, sei sie „ziemlich enttäuscht gewesen“, meinte die Angeklagte.

apa

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