Man müsse es unbedingt schaffen, die Welle zu brechen, sagt Dr. Kaufmann. Und wir hätten dafür alle Mittel in der Hand. <BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="712046_image" /></div> <BR /><BR /><b>Die Hospitalisierungsrate steigt nicht so schnell wie die Infektionszahlen. Ein gutes Zeichen?</b><BR />Dr. Marc Kaufmann: Die Infektionszahlen steigen viel zu schnell und zu stark, um sagen zu können, wir haben es unter Kontrolle. Hohe Infektionszahlen bedeutet nach wie vor zeitverzögert eine Zunahme in den Normal- und in der Folge in den Intensivstationen. Die Infektionszahlen sind unweigerlich mit der Belegung der Intensivbetten verbunden. <BR /><BR /><b>Aber im Moment sind ja „nur“ 13 der mindestens 60 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.</b><BR />Dr. Kaufmann: Ein Blick nach Tirol, Salzburg, Kärnten oder Bayern mit ihrer ultrastabil aufgestellten medizinischen Versorgung reicht, um uns alles andere als beruhigt sein zu lassen. Wenn eine Uniklinik Innsbruck schon sagt, man befinde sich im Katastrophenmodus, kann man sich ausrechnen, wie die Situation bei uns aussieht, wenn wir es nicht schaffen, die Infektionswelle zu bremsen.<BR /><BR /><b>Biostatistiker Markus Falk erwartet sich für Mitte Dezember einen Rückgang der Infektionen. Das sollte doch beruhigen?</b><BR />Dr. Kaufmann: Aus Sicht des Biostatistikers ja. Bis dahin geht das Infektionsgeschehen aber weiter. Und ein Teil der Infizierten landet im Krankenhaus und in den Intensivstationen, belegen dort im Schnitt 3 bis 4 Wochen ein Bett.<BR /><BR /><b>Hat sich an der Aufenthaltsdauer der Intensivpatienten etwas verändert?</b><BR />Dr. Kaufmann: Im Grunde nicht. Wir haben Patienten, die 7 bis 10 Tage in der Intensivstation sind. Es gibt aber auch Patienten, die bis zu 2 Monate lang bleiben müssen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-51839532_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Gibt es inzwischen Medikamente, um den Verlauf abzuschwächen?</b><BR />Dr. Kaufmann: Wenn jemand schon schwer erkrankt ist oder gar in der Intensivstation liegt, nicht. Gute Erfahrungen haben wir mit der monoklonalen Antikörpertherapie gemacht. Die wirkt aber nur am Beginn der Infektion. Wenn jemand ins Krankenhaus kommt, ist es dafür schon zu spät. <BR /><BR /><b>Bisher haben uns ein oder 2 Intensivpatienten vor der Einstufung in gelb gerettet, jetzt sind wir es. Böse Zungen behaupten, da wurde mit den Zahlen jongliert...</b><BR />Dr. Kaufmann: Da kann ich beruhigen. Auf die rarste und teuerste Ressource, jener der Intensivbetten, greifen wir nur zurück, wenn es sie wirklich braucht. Erst kommen die Patienten in die Normalstationen, dann in die Subintensiv in den Sanitätsbezirken und erst zum Schluss in die Covid-Intensivstation. Zudem mag Rom uns zwar erst jetzt gelb eingestuft haben, aber Südtirols Politik hatte unabhängig davon schon vorher Maßnahmen erlassen, die gelb gleichkommen. <BR /><BR /><b>Zurück zur derzeitigen Situation. Sehen Sie die Chance, die Welle zu brechen?</b><BR />Dr. Kaufmann: Wir hätten alle Mittel dafür in der Hand gehabt – und haben es noch immer in der Hand. Zum einen, indem wir schnellstmöglich die Impflücken schließen und gleichzeitig so viel und so rasch als möglich boostern. In beiden Punkten haben wir noch Luft nach oben. Das Angebot dafür wurde jetzt mit großem Aufwand geschaffen. <BR /><BR /><b>Mit dem Impfen allein wird es aber nicht getan sein oder?</b><BR />Dr. Kaufmann: Nein. Natürlich gilt es auch weiter, die AHA-Regeln einzuhalten. In dieser Phase ist es besonders wichtig, die sozialen Kontakte zu reduzieren. Da ist jeder selber gefragt.<BR /><BR /><b>Wenn wir es schaffen, die Welle zu brechen, haben wir es also überstanden?</b><BR />Dr. Kaufmann: Wie man derzeit in Österreich sieht, gehen seit Beginn des Lockdown die Infektionszahlen langsam zurück. In den Krankenhäusern sind die Nachwehen von so hohen Infektionszahlen noch Wochen später zu spüren. <BR />Interview: Michael Eschgfäller<BR /><BR /><BR /><BR />