Freitag, 01. Juli 2016

131.000 Südtiroler sind chronisch krank

Am Freitag wurde der Landesgesundheitsbericht vorgestellt. Dabei standen die demographische Entwicklung und die chronischen Krankheiten im Mittelpunkt.

Gesundheitslandesrätin Martha Stocker (links) und Koordinatorin Carla Melani (rechts) stellten am Freitag den Landesgesundheitsbericht vor.
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Gesundheitslandesrätin Martha Stocker (links) und Koordinatorin Carla Melani (rechts) stellten am Freitag den Landesgesundheitsbericht vor. - Foto: © LPA

Die Epidemiologische Stelle des Landes nimmt laufend den Gesundheitszustand der Südtiroler Bevölkerung unter die Lupe. Die wichtigsten Daten über die Gesundheit, die Lebensweise und die gesundheitlichen Bedürfnisse der Südtiroler werden jährlich im Landesgesundheitsbericht zusammengefasst.

Südtirols Gesundheit in Zahlen

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Pro Jahr werden laut dem Landesgesundheitsbericht 2015 in Südtirol 3 Millionen Medikamentenrezepte, 203.000 Zugänge zur Notaufnahme, 470.000 akute und 61.000 postakute Aufenthaltstage sowie 8,2 Millionen fachärztliche Leistungen verzeichnet.

Die Leistungsempfänger sind zu einem Drittel chronisch Kranke (32 Prozent der Bevölkerung), darunter unter anderem Diabetiker (4 Prozent) sowie Patienten mit Bluthochdruck (15 Prozent), mit Atemwegserkrankungen (4 Prozent) oder mit einem Tumor (5 Prozent).

Die Gesundheitsversorgung der Südtiroler schlägt in Summe mit einer öffentlichen Pro-Kopf-Ausgabe von 2.300 Euro pro Jahr zu Buche.

"Chronisch Kranke rücken verstärkt in Mittelpunkt"

"Es sind die chronisch kranken Patienten, die im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung verstärkt in den Mittelpunkt rücken", erklärte Gesundheitslandesrätin Stocker im Zusammenhang mit dem diesjährigen Schwerpunkt der Vorstellung des Landesgesundheitsberichtes.

"Die hohe Lebenserwartung in Südtirol begründet sich sicher auch in den Investitionen für den Sport, in Sensibilisierungsmaßnahmen für Bewegung und in der Gesundheitsförderung", so die Landesrätin zur durchschnittlichen Lebenserwartung der Südtiroler (80,9 Jahre) sowie der Südtirolerinnen (85,6 Jahre).

30 Prozent Senioren bis zum Jahr 2045

 Der Altersindex liegt hingegen bei 120, dies bedeutet dass auf 100 Kinder unter 14 Jahre insgesamt 120 Senioren über 65 kommen. In den nächsten Jahren ist ein weiterer Anstieg der Anzahl älterer Menschen zu verzeichnen: Waren in den 1930er Jahren noch 6 von 100 Menschen älter als 65 Jahre, sind es aktuell insgesamt 19.

Bis zum Jahr 2045 werden 30 Prozent der Südtiroler Bevölkerung Senioren sein. Diese Entwicklung wirkt sich unweigerlich auf das Gesundheitssystem aus.

Chronisch kranke Patienten im Betreuungsprofil

Die knapp 131.000 chronisch Kranken in Südtirol sind dabei im Durchschnitt 60,1 Jahre alt, benötigten 31 Medikamentenpackungen, 22 fachärztliche Leistungen und 34 Hilfsmittel im Jahr. Die Ausgaben für diese Patienten, die in ihrer Betreuung und Behandlung auf keine Krankenhausaufenthalte angewiesen sind, belaufen sich auf jährlich 864 Euro pro Kopf. 

Die 31.000 schwer chronisch kranken Patienten sind hingegen durchschnittlich 65,6 Jahre alt, liegen jährlich 19 Tage im Krankenhaus, benötigen 54 Packungen Medikamente, 47 fachärztliche Leistungen und 68 Hilfsmittel. Die von diesen Patienten jährlich beanspruchten Ressourcen belaufen sich auf 9.520 Euro pro Kopf.

Die 2.773 chronisch Kranken im letzten Lebensabschnitt sind durchschnittlich 79,8 Jahre alt, werden 26 Tage im Krankenhaus behandelt, brauchen 41 Packungen Medikamente, 43 fachärztliche Leistungen und 125 Hilfsmittel. Die Pro-Kopf-Ausgaben liegen bei 14.705 Euro im Jahr.

Neue Form der Betreuung für chronisch Kranke finden

"Es ist wichtig zu verstehen, wo man einschreiten kann, um das Gesundheitssystem unter Kontrolle zu halten", zog die Koordinatorin des Landesgesundheitsberichtes Carla Melani abschließend einige Schlussfolgerungen aus den vorgestellten statistischen Daten.

Um die durch die demographische Entwicklung bedingten Kostensteigerungen unter Kontrolle zu halten, gelte es neue Formen der Betreuung von chronisch Kranken zu finden, die – immer unter Berücksichtigung einer qualitativ hochwertigen und sicheren Betreuung – die hohe Anzahl von Krankenhausaufenthalten reduziert.

"Zur richtigen Zeit am richtigen Ort versorgen"

Ein Augenmerk liegt laut Melani zudem auf die Initiativen in der Prävention von Risikofaktoren und in Selbstmanagementkursen für chronisch kranke Patienten.

"Es geht zusammenfassend darum, den Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtige Versorgung zu ermöglichen", nahm Landesrätin Stocker Stellung. "Wir müssen dabei jetzt die Voraussetzungen schaffen, um die hohen Versorgungsstandards zu erhalten, in einigen Bereichen neue Alternativen finden und in anderen Bereichen noch zulegen", so die Landesrätin.

Der vollständige Landesgesundheitsbericht 2015 der Epidemiologischen Beobachtungsstelle des Landes kann hier eingesehen und heruntergeladen werden.

lpa/stol

stol