Freitag, 10. Januar 2020

14 mal die Fläche Südtirols in Australien verbrannt

Wut und Unverständnis treiben die Menschen auf die Straße: Angesichts der dramatischen Lage in den Brandgebieten Australiens regt sich in Teilen der Bevölkerung lauter Widerstand. Aus Protest gegen die Politik von Premierminister Scott Morrison kamen am Freitag landesweit mehrere Tausend Menschen zu Protesten zusammen.

Es sei in Australien noch nie wärmer und trockener gewesen
Es sei in Australien noch nie wärmer und trockener gewesen - Foto: © APA/afp / SAEED KHAN

Die Demos richteten sich dagegen, wie die Regierung mit den Feuern umgeht. Außerdem forderten die Demonstranten ein schnelles Handeln in Sachen Klimawandel. In Sydney und Melbourne brachten die Proteste zeitweise den Verkehr zum Stehen. Ein Teilnehmer äußerte dem Sender ABC gegenüber seine Wut auf die Regierung, die ihn erstmals dazu gebracht habe, sich einem solchen Protest anzuschließen: „Ich bin absolut angewidert von 20 Jahren politischer Lähmung. Tatsächlich tue ich das jetzt hier für meine Tochter.“

Derweil rissen die schlechten Nachrichten aus den betroffenen Regionen nicht ab: Im Grenzgebiet der Bundesstaaten Victoria und New South Wales trafen nach Behördenangaben 2 Brände aufeinander und bildeten ein „Mega-Feuer“ - betroffen war demnach ein halbe Million Hektar. Dieser Wert nähert sich der Gesamtfläche Südtirols, welche 740.000 Hektar beträgt.

DiCaprio und weitere Prominente spenden Millionen

In New South Wales lösten zudem Blitze nach Angaben der Feuerwehr 2 neue Flammenwalzen aus. 240.000 Menschen erhielten im Südosten Australiens wegen der Brände einen Notfall-Alarm per Handy. Nach bis zu 40 Grad Hitze wurde teils starker Wind erwartet, was die Lage verschärfen könnte. Auch in anderen Gegenden ist die Lage schlimm. Auf Bildern von der besonders verwüsteten Känguru-Insel im Süden des Kontinents ist zu sehen, wie Tierärzte und Freiwillige verletzte Koalas behandeln. Feuerwehrleute lagen erschöpft am Boden.

Unterdessen wurden immer weitere Großspenden bekannt - besonders von Prominenten. Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton versprach eine halbe Million Dollar. Die Umweltstiftung von Leonardo DiCaprio will 3 Millionen Dollar geben. Und die britische Schauspielerin Phoebe Waller-Bridge („Fleabag“) möchte ihr Golden-Globe-Outfit versteigern, um Geld für den Kampf gegen die Brände zu sammeln.

Auch praktische Hilfe erreicht den Kontinent: Auf Videos im Internet ist zu sehen, wie in den vergangen Tagen Feuerwehrleute aus den USA und Kanada an Flughäfen ankommen. Von den anwesenden Reisenden wurden sie mit Applaus begrüßt.

Nie wärmer und trockener als 2019

Auch die Demonstranten auf der Straße forderten neben einem schnellen Handeln in Sachen Klimawandel konkrete Hilfe bei der Bekämpfung der Brände - etwa durch eine Entlohnung aller Freiwilligen Feuerwehrleute und Entschädigungszahlungen für die Brand-Betroffenen. Viele forderten auf Plakaten und Transparenten auch den Rücktritt von Premier Morrison.

Der betrachtet den Klimawandel nur als eine von vielen Ursachen für die verheerenden Buschbrände in seinem Land. Die Regierung müsse in dieser Frage auch wirtschaftliche Abwägungen berücksichtigen. Die Vorstellung, klimapolitische Maßnahmen hätten direkten Einfluss auf die Feuer, sei „lächerlich“, sagte Morrison am Freitag dem Radio-Sender 2GB Sydney.

Das Amt für Wetterkunde hatte am Donnerstag erklärt, dass es auf dem Kontinent nie wärmer und trockener gewesen sei als im vergangenen Jahr. Dabei reicht der Vergleichszeitraum bis 1910 zurück. Der Zusammenhang zwischen den Bränden, den geringen Niederschlägen und den hohen Temperaturen sei deutlich.

14 mal so groß wie Südtirol

Der konservative Politiker ist ein Förderer der Kohle-Industrie. Bergbau spielt in Australien eine wichtige Rolle, besonders für den Export. Morrison steht auch wegen seines Krisenmanagements in der Kritik. Vergangene Woche wurde er bei einem Besuch im Brandgebiet als „Idiot“ beschimpft.

Für ein wenig positive Abwechslung sorgte die australische Marine: Die Küstenstadt Mallacoota im Süden Australiens ist nur noch über das Wasser zu erreichen - die verheerenden Buschbrände in der Region haben die Straßen unpassierbar gemacht. Dank militärischer Hilfe ist aber zumindest die Bierversorgung in dem Ort vorerst gesichert: Das Marine-Schiff HMAS Choules brachte eine Lieferung von 3000 Litern in die Stadt, wie die australische Nachrichtenagentur AAP meldete.

Seit Beginn der großen Buschfeuer im Oktober verbrannten in ganz Australien mehr als 10 Millionen Hektar Land. Dies entspricht fast 14 mal der Fläche Südtirols. Tausende Häuser sind zerstört. Bilder der NASA zeigen, wie der Rauch 17 Kilometer in die Atmosphäre steigt.

apa