„Letzteres sind keine Strafen, sondern Verwaltungsgebühren“, präzisiert Landesrat Daniel Alfreider. „Ein Systemfehler“, findet die Grüne Landtagsabgeordnete Madeleine Rohrer. <BR /><BR />Kontrolliert wird in Südtirol gleich von mehreren Seiten. So erfolgen die Kontrollen im Zug durch den Zugbegleiter, der bei jeder Fahrt an Bord ist. Bei den Bussen schickt die SASA auf ihren Linien Kontrolleure, ebenso die privaten Konzessionäre der weiteren zehn privaten Lose. Zusätzlich kontrolliert aber auch die Südtiroler Transportstrukturen AG (STA) seit Oktober 2024 mit sechs eigenen Kontrolleuren auf allen Buslinien im Land. Rechnet man alle Strafen zusammen, die durch diese Kontrolleure in den Jahren 2024 und 2025 ausgestellt wurden, kommt man auf die genannten rund 27.600 Strafen. <BR /><BR />Besonders erfolgreich scheint man beim Aufspüren der Schwarzfahrer bei der STA zu sein, brachten es die sechs Kontrolleure doch allein im vergangenen Jahr auf 4.604 ausgestellte Strafen (Einnahmen dadurch: 220.210 Euro). Bei der SASA sind es im Durchschnitt der beiden vergangenen Jahre jeweils knapp 5.000 Strafen (jeweils rund 66.000 Euro Einnahmen), im Bahnbereich kamen 2024 6170 Strafen und 2025 5.640 Strafen zusammen (160.150 bzw. 182.901 Euro). 675 Strafen und 27.218 Euro in zwei Jahren tragen die zehn privaten Bus-Lose bei. <BR /><BR />Diese Zahlen gehen aus einer Anfrage der Grünen Landtagsabgeordneten Madeleine Rohrer an Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider hervor. Er betont: „Das Ausstellen und Eintreiben von Strafen für Schwarzfahren ist eine Frage der Gerechtigkeit. Wenn zu zahlen ist, dann muss das für alle gelten. Sonst wären die Braven die Dummen.“ Zudem habe man im Südtiroler ÖPNV die billigsten Tarife weit und breit, ganz besonders, wenn es um die Abos gehe. <BR /><BR />„Diese Summen sind jedem zuzumuten“, betont er. Und aus diesem Grund ist er fest entschlossen, „hart durchzugreifen“, weswegen eben seit geraumer Zeit auch die zusätzlichen Kontrolleure der STA auf Schwarze-Schafe-Suche gehen. Mit der Kontrolle ist er mittlerweile zufrieden, „beim Eintreiben hapert es noch“. In den Zahlen verstecken sich aber auch die „Nicht-Entwerter“ und „Kartl-Vergesser“, denn: „Wenn ein Fahrgast ein gültiges Abo mit Pauschaltarif hat, dieses nicht mithat, oder nicht entwertet hat, dann bekommt er keine Strafe, sondern muss 15 Euro Verwaltungsgebühr bezahlen“, erklärt Alfreider.<BR /><BR />Bei den privaten Bus-Losen machte dies laut den Antworten aus dem Ressort für 2024/2025 immerhin knapp 600 „Strafen“ aus, im Bahnbereich für diese Jahre knapp 1.800. Für die Linien der SASA liegen keine getrennten Daten vor.<BR /><BR />Rohrer rechnet vor: „88 Prozent der ,Gestraften„ auf den Buslinien der privaten Konzessionäre hatten also eigentlich ein Abo-Ticket gehabt.“ Auch in den Zügen entfielen mehr als 15 Prozent aller Strafen auf dieses Problem. „Das sind keine Schwarzfahrer. Sie zu bestrafen, ist ein Systemfehler – und ein schlechtes Zeugnis für die Benutzerfreundlichkeit der Südtiroler Öffis. Legen wir denen, die Bus und Zug benutzen, doch nicht zusätzlich Prügel in den Weg. Denn wir müssen in der Mobilität endlich den Spurwechsel hinbekommen.“