Donnerstag, 30. Juli 2020

15 Jahre Haft für Mord an Ehefrau

Von 16 auf 15 Jahre gesenkt hat das Berufungsschwurgericht die Haftstrafe für Robert Kerer (58). Dies berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ in seiner aktuellen Ausgabe. Ihm wurde zur Last gelegt, im Frühjahr 2018 in Stufels/Brixen seine Frau Monika Gruber (57) getötet zu haben.

In der Wohnung des Paares in Brixen hat sich die schreckliche Bluttat ereignet.
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In der Wohnung des Paares in Brixen hat sich die schreckliche Bluttat ereignet.
Zu dem Mord war es in der Nacht auf den 21. April 2018 in der ehelichen Wohnung gekommen. Gruber wurde durch mehrere Messerstiche getötet. Als ihr Mann Robert Kerer von den Carabinieri festgenommen wurde, hatte er einen Zettel bei sich, auf dem stand: „Ich bin ein Mörder.“ Im Vorfeld hatte er versucht, sich das Leben zu nehmen.

Wie er später seinen Verteidigern Alessandro Tonon und Hubert Oberarzbacher schilderte, habe er einfach keine Zukunft mehr gesehen: Seiner Frau sei es gesundheitlich sehr schlecht gegangen, der Gedanke, dass sie ohne ihn keine Aussicht haben würde, zu überleben, habe ihn nicht mehr los gelassen.

Hinzu seien massive finanzielle Probleme gekommen, die Wohnung wäre ihnen auch bald aufgekündigt worden. Der psychiatrische Parteiengutachter Luciano Magotti kam zum Schluss, dass Kerer zur Tatzeit nicht zurechnungsfähig war – der Amtssachverständige Eraldo Mancioppi befand ihn hingegen für einsichts- und willensfähig.

Urteil könnte im Herbst rechtskräftig werden


Im Oktober 2019 verurteilte Richter Emilio Schönsberg Kerer im verkürzten Verfahren zu 16 Jahren Haft. Dass Kerer jetzt ein Jahr weniger abbüßen muss, geht auf eine Einigung über die Berufungsgründe („concordato“) im Sinne von Art. 559bis (StPO) zurück. Es handelt sich um eine Art „Vergleich“, der mit der Orlando-Justizreform eingeführt wurde: Die Verteidigung verzichtet auf einzelne oder mehrere Berufungsgründe, wodurch die Einigung mit der Generalanwaltschaft auf ein angemessenes Strafmaß erzielt werden kann.

Aufrecht behielt die Verteidigung nur den Einwand, wonach der Erstrichter nicht entsprechend begründet habe, weshalb er für Kerer bei der Berechnung des Strafmaßes von der Höchststrafe (24 Jahre) ausgegangen war – von der dann durch das verkürzte Verfahren ein Drittel abgezogen wurde. Dem trug das Bozner Berufungsschwurgericht (Vorsitz Richterin Silvia Monaco) insofern Rechnung, als es jetzt bei 22 Jahren und 6 Monaten startete. Abzüglich des gesetzlich vorgesehen Drittels ergab dies 15 Jahre Haft.

Robert Kerer war bei dem Prozess nicht persönlich anwesend. Er bleibt weiterhin im Bozner Gefängnis. Die Urteilsbegründung soll in 60 Tagen vorliegen. Dass das Urteil angefochten wird, ist eher unwahrscheinlich, damit wäre es im Herbst rechtskräftig.

rc