Dienstag, 17. Mai 2016

15 Tote wegen Umweltverschmutzung: Mega-Prozess in Süditalien

In der süditalienischen Stadt Taranto müssen sich seit Dienstag 44 Personen und drei Gesellschaften des Stahlkonzerns Ilva wegen fahrlässiger Tötung und schwerer Umweltverschmutzung vor Gericht verantworten.

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Unter den Angeklagten ist Nichi Vendola, Präsident der Region Apulien und Chef der linken Oppositionspartei SEL.

Der Prozessbeginn war ursprünglich auf den 20. Oktober 2015 festgelegt worden, wegen technischer Probleme war er jedoch vertagt worden. Ilva steht seit 2012 wegen schädlicher Emissionen aus dem Stahlwerk in Taranto im Visier der Ermittler.

15 Mitarbeiter wegen Asbest gestorben

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmen vor, Giftstoffe in der größten Fabrik im Süden des Landes emittiert zu haben, die zu überdurchschnittlich vielen Krebserkrankungen führten. 15 Mitarbeiter der Fabrik sollen zwischen 2004 und 2010 an den Auswirkungen von Asbest sowie weiterer krebserregender Stoffe gestorben sein.

Der inzwischen verstorbene Firmengründer Emilio Riva, sein Sohn Nicola und sechs Manager waren im Juli 2012 verhaftet worden. Die Eigentümer des Stahlkonzerns Riva als Betreiber des Stahlwerks, die Unternehmer Claudio und Nicola Riva, zählen nun zu den Angeklagten.

Ilva war 2013 unter Sonderverwaltung gestellt worden, nachdem die Behörden von der Eignerfamilie Riva 8,1 Milliarden Euro beschlagnahmt hatten. Im Jänner hatte die Regierung die Kontrolle über den Konzern übernommen, um rund 16.000 Arbeitsplätze zu retten. Ilva soll verkauft werden. Als Interessent wird unter anderem Branchenprimus Arcelor Mittal gehandelt.

Die Riva-Gruppe zählt zu den zehn größten Stahlkonzernen der Welt. Das 1905 gegründete Unternehmen besitzt in Italien und im Ausland 36 Produktionsstätten und beschäftigt 21.711 Personen.

apa

stol