Montag, 27. Juli 2020

15.000 Erntehelfer ab August zum Corona-Abstrich

Südtirols Obst- und Weinwirtschaft steht vor einem Riesenproblem. Rom hat für Rumänen und Bulgaren 14 Tage Quarantäne verfügt, wenn sie einreisen. Die Hälfte der Erntehelfer in Südtirol sind Rumänen. Das berichten die „Dolomiten“ am Montag.

Die Hälfte der Südtiroler Erntehelfer kommen aus Rumänien.
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Die Hälfte der Südtiroler Erntehelfer kommen aus Rumänien. - Foto: © eg - Erika Gamper
Und obschon der Sanitätsbetrieb ab August die bis zu 15.000 Erntehelfer per Abstrich auf eine akute Covid-19-Infektion testen will, ist Landesrat Arnold Schuler skeptisch, ob damit die 14-tägige Quarantäne, für die der Bauer verantwortlich ist, umgangen werden kann.

„Ich habe Sorge, dass unsere bisherige hofinterne Quarantäne-Regel von Roms Quarantäne-Verordnung ausgehebelt werden könnte, aber das müssen wir jetzt alles prüfen“, sagt Agrarlandesrat Schuler.

Mit dem Blick auf die Infektionszahlen in Rumänien, „die gewaltig nach oben gehen“, und dem Infektionsherd in Niederbayern mit 174 infizierten Erntehelfern, zeigt sich Schuler besorgt. Denn als Tourismuslandesrat hat er natürlich auch die landesweiten Infektionszahlen im Blick. Ob Infektionen von außen importiert werden, spiele da keine Rolle für die Bewertung der Südtiroler Infektionszahlen von außen.

„Diese römische Quarantäne-Regelung ist für uns ein enormes Problem, weil die Leute 14 Tage nicht arbeiten können. Wir riskieren auch, dass viele erst gar nicht kommen, wenn sie 14 Tage in die Luft schauen müssen. Ich hoffe, dass wir hier noch eine Lösung finden, sonst laufen unsere Leute Sturm“, sagt Bauernbunddirektor Siegfried Rinner.

Ein Lichtblick ist insofern die nächste Mammut-Corona-Testreihe – nach dem Tourismus – unter den bis zu 15.000 Erntehelfern, die noch vor Roms Quarantäne-Regelung initiiert worden ist. Eben weil Südtirols Erntehelfer größtenteils aus Osteuropa kommen, sollen sie nicht mit Schnelltests auf Antikörper, sondern mittels Abstrichen sofort auf eine akute Covid-19-Infektion getestet werden. „Wir müssen Infizierte schleunigst herausfiltern“, sagt Sanitätsdirektor Dr. Pierpaolo Bertoli. Mit den PCR-Tests soll am 3. August bzw. spätestens am 10. August begonnen werden.

Getestet werden alle auswärtigen Erntehelfer. „Über den Südtiroler Bauernbund sollen die Arbeitgeber – sprich die Bauern – ihre Erntehelfer darauf hinweisen, dass sie sich einem Test unterziehen sollten“, sagt Dr. Bertoli. Wie alle Tests sind auch die Erntehelfer-Tests freiwillig. „Aber ein Bauer kann dem Erntehelfer die Arbeitsstelle verweigern, wenn er sich nicht testen lässt“, sagt Landesrat Schuler.

Bauernbund-Direktor Rinner hofft nun, dass mit einem negativen Testergebnis „die römische Quarantäne-Regelung umgangen werden kann. Mit dem Zusatz, dass die Erntehelfer-Gruppe homogen und kompakt auf dem jeweiligen Hof bleibt und keinen Kontakt zu anderen hat. Wir müssen schauen, dass wir Spielraum ausloten. Das wird das Hauptthema der kommenden Woche.“

Getestet werden sollen die Erntehelfer wie im Tourismus an 20 Teststellen.

lu