Freitag, 15. September 2017

16-Jährige von Freund getötet: Eltern beschuldigen sich gegenseitig

Es ist eine stark verzerrte Romeo-und-Julia-Geschichte: Zwei Familien, einander verhasst, in Specchia, Apulien. Die Sprösslinge führen eine ungewünschte Beziehung. Doch dann verschwindet Noemi spurlos - bis der Freund ihren Mord gesteht.

Eine Autopsie soll die Todesursache von Noemi Durini klären. - Foto: Facebook
Eine Autopsie soll die Todesursache von Noemi Durini klären. - Foto: Facebook

Nach 11 Tagen der Suche nach der 16-jährigen Noemi aus Specchia gestand der 17-jährige Freund am Mittwoch, sie getötet zu haben und führte die Ordnungshüter zu ihrem Leichnam (STOL hat berichtet).

Es war das tragische Ende einer Beziehung, die immer tiefere Abgründe aufweist: Noemi und ihr mutmaßlicher Mörder waren seit über einem Jahr zusammen, obwohl die Familien beider Seiten explizit dagegen waren. Er soll sie geschlagen, sie ihn verfolgt haben.

Am 3. September verschwand Noemi plötzlich spurlos: Überwachungskameras filmten, wie sie in den frühen Morgenstunden in ein Auto stieg, an dessen Steuer der Freund saß. Erst 11 Tage später gesteht der Jugendliche das Unfassbare: Er will Noemi getötet haben, führt die Ermittler anschließend zum Leichnam.

Vermutete Todesursache nicht bestätigt - Autopsie angeordnet

Eine Computertomographie des Leichnams am Freitag widerlegte den Verdacht, dem zufolge Noemi an einem Schlag mit einem Stein auf den Kopf gestorben war. Weder Körper noch Schädel wiesen laut CT Knochenbrüche auf.

Noemis Leichnam war unter mehreren Felsblöcken gefunden worden und wies schwere Verletzungen im Gesicht auf, vermutlich von Schlägen mit einem Stein. Außerdem wurden posthume Wunden durch wilde Tiere am Körper entdeckt. Dies und der starke Verwesungszustand des Leichnams hatten es bisher nicht möglich gemacht, die Aussage des Jugendlichen zu prüfen.

In einem Verhör hatte der 17-jährige Freund laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa nämlich erklärt, Noemi mit einem Messer erstochen zu haben. Das Messer soll die 16-Jährige selbst mitgebracht haben: Sie soll von ihm gefordert haben, damit seine Familie zu ermorden, um endlich eine gemeinsame Zukunft zu haben. 

Die tatsächliche Todesursache soll nun mit einer Autopsie geklärt werden.

Familien beschuldigen sich gegenseitig

Indessen streiten die Familien weiter: Noemis Vater beschuldigt den Vater des Verdächtigen, eine wichtige Rolle im Tod seiner Tochter gehabt zu haben. Der Junge selbst beschütze lediglich seinen Vater, dieser wiederum bestreitet, etwas mit dem Mord zu tun gehabt zu haben.

Beide Familien hatten in der Vergangenheit am Jugendgericht den jeweils anderen Sprössling angezeigt: Die Eltern des Jugendlichen hatten Noemi bereits vor einigen Monaten der Verfolgung ihres Sohnes bezichtigt, die Mutter der 16-Jährigen beschuldigte deren Freund vor wenigen Wochen, ihre Tochter geschlagen zu haben.

Tatsächlich war Noemis letzter Eintrag auf Facebook ein Aufruf gegen Gewalt gegen Frauen.

Neben den Vorwürfen der Gewalt hatte Noemis Familie zudem den Verdacht geäußert, die Familie des 17-Jährigen sei schädlich für dessen Entwicklung und würde seine Aggressionen verstärken. Die Vorwürfe verliefen jedoch im Sand und hatten letztlich nur eines zur Folge: Einen tiefen Hass zwischen den beiden Familien - und einen Mord.

stol/liz

stol