Montag, 19. Februar 2018

18-Jährige gibt US-Protest gegen Waffengewalt ein Gesicht

Etwas fühlt sich anders an nach diesem furchtbaren Schulmassaker in den USA, zumindest für den Moment. Dass sich Tränen, Trauer und Wut so rasch auch in konkrete Aktionen umformen und artikulieren, hat mit dem Ausmaß der Tat zu tun, mit der Macht sozialer Netzwerke und mit Menschen wie Emma Gonzalez.

Emma Gonzales berührt Tausende mit ihren Worten. - Foto: Screenshot
Emma Gonzales berührt Tausende mit ihren Worten. - Foto: Screenshot

Gonzalez, 18 Jahre alt, ist Schülerin der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland im US-Staat Florida. Sie überlebte den Überfall des Ex-Schülers Nikolas Cruz am Valentinstag, 14 weitere Schüler und drei Erwachsene nicht. Mit einer aufgebrachten, klug gebauten Rede ist Gonzalez nun zum Gesicht des Protests geworden. Leidenschaftlich, wütend und organisiert.

Gonzalez demaskierte die mächtige Waffenlobby NRA ebenso wie deren Profiteure in der Politik. „An jeden Politiker, der Spenden von der NRA annimmt: Schande über euch!“, rief sie vor Hunderten. „Sie sagen, dass striktere Waffengesetze nichts an Waffengewalt ändern würden – wir sagen BS!“, rief sie, BS ist die Abkürzung für Bullshit.

„Genug ist genug!“

„Sie sagen, dass ein guter Mensch mit einer Waffe einen bösen Menschen mit einer Waffe stoppen kann – wir sagen BS! Sie sagen, dass strengere Waffengesetze nicht zu weniger Waffengewalt führen: Wir nennen das BS! Sie sagen, dass Waffen einfach Werkzeuge sind wie Messer und so gefährlich wie Autos: Wir sagen BS!“
„Genug ist genug!“, rief Gonzalez und wischte sich die Tränen aus den Augen.

Das Schweigen der NRA und der angesprochenen Politiker, es ist sehr laut. Präsident Donald Trump ist ein großer Fan der NRA und wird von ihr mit Millionen Dollar bedacht. Zu Vertrauten soll Trump nach der Bluttat gesagt haben: „Wir müssen etwas tun.“ Ob aber tote Kinder dieses Mal wirklich etwas ändern in Amerika, wird man sehen.

Für den Anfang hat das Weiße Haus zwei Runden anberaumt. Am Mittwoch hat Trump eine „listening session“, er will Schülern und Lehrern von Highschools zuhören. Am Donnerstag trifft er Vertreter aus Kommunen, es geht um Schulsicherheit. Nach Parkland sagte er, wie dringend diese Sicherheit ausgebaut werden müsse. Sein Budgetentwurf, kurz vor den Schüssen vorgelegt, streicht Millionen genau in diesem Bereich.

apa/dpa

stol