Dienstag, 24. November 2020

2 Jahre Onlineberatung der Telefonseelsorge

Über das schreiben, was belastet und sich dabei mit einem einfühlsamen Gegenüber auszutauschen hilft, mit schwierigen Situationen umzugehen. Das wurde in der Onlineberatung der Telefonseelsorge in diesen schwierigen Monaten besonders deutlich. Seit 2 Jahren werden dort über die Plattform telefonseelsorge-onlineberatung.bz.it schriftlich anonyme und vertrauliche Beratungen angeboten.

Seit 2 Jahren ist der Onlineberatungsdienst der Telefonseelsorge aktiv.
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Seit 2 Jahren ist der Onlineberatungsdienst der Telefonseelsorge aktiv. - Foto: © Caritas
„Stark tabubesetzte Themen werden schriftlich viel offener angesprochen, als am Telefon – auch von jungen Menschen und gerade in dieser belastenden Zeit, wo es in den Familien oft weniger Freiräume und Möglichkeiten gibt, ungestört zu telefonieren“, sagt Monika Steger, die Leiterin der Telefonseelsorge, welche die Caritas gemeinsam mit der Südtiroler Vinzenzgemeinschaft führt.

12 Online-Berater der Telefonseelsorge begleiten seit nunmehr 2 Jahren Menschen, die über das, was sie bedrückt, lieber schreiben als reden. Insgesamt haben sich seither 150 Menschen aller Altersstufen gemeldet, die zum Teil über längere Zeiträume begleitet wurden. „Viele haben uns rückgemeldet, wie entlastend es ist, das niederzuschreiben, was so schwer auf die Seele drückt, und zu wissen, dass jemand antwortet“, berichtet Monika Steger, die Leiterin des Dienstes, den die Caritas gemeinsam mit der Vinzenzgemeinschaft führt.

Gerade heuer, in diesen schwierigen Monaten der Corona-Krise sei das zusätzliche schriftliche Angebot wichtig geworden. „Mit den Ausgangsbeschränkungen ist es in einigen Familien schwieriger geworden, ungestört zu telefonieren. Das Online-Angebot ist in solchen Fällen eine gute Möglichkeit, dennoch im Austausch mit einfühlsamen Beratern zu bleiben“, so Steger.

Deutlich wurde einmal mehr, dass stark tabubesetzte Themen schriftlich klarer und offener angesprochen werden, als am Telefon. „Im Vergleich zur telefonischen Anlaufstelle haben sich online überdurchschnittlich viele Menschen gemeldet, die an allgemeiner Lebensüberforderung litten, teilweise auch klare Suizidabsichten äußerten oder sich Sorgen um nahestehende Menschen machten, die über Suizid nachdenken“, sagt Monika Steger.

Auch seelische Erkrankungen, psychische Störungen und Probleme in der Beziehung und Partnerschaft seien häufig zur Sprache gekommen. Einige der Schreibenden gaben auch an, Opfer von emotionalen oder auch sexuellem Missbrauch zu sein.

Vor allem junge Nutzer der Onlineberatung


Auffällig war, dass sich in den vergangenen 12 Monaten zunehmend junge Menschen an die Onlineberatung gewandt haben. „Immer mehr Menschen, auch Jugendliche, die mit den neuen Medien aufgewachsen sind, nutzen diese Kommunikationsformen lieber, als das klassische Gespräch am Telefon. Deshalb ist es sehr wichtig, dass sie in Krisensituationen auch online einen Ort finden, an dem sie Entlastung und Anteilnahme erfahren und wo ihnen absolute Vertraulichkeit und Anonymität garantiert wird“, sagt Caritas-Direktor Paolo Valente.

Die Onlineberatung ist ebenso wie die Nummer der Telefonseelsorge 0471 052 052 rund um die Uhr erreichbar. Unter der Webadresse telefonseelsorge-online.bz.it können sich Ratsuchende anonym und kostenlos nur mit der Angabe eines Benutzernamens und eines Passwortes anmelden. Eine erste Antwort durch den Berater wird innerhalb von 48 Stunden garantiert. Sollten weitere Mitteilungen folgen, so bleibt immer derselbe Berater die erreichbare Bezugsperson. Beide Dienste werden in deutscher Sprache angeboten, weil ein ähnlicher Dienst in italienischer Sprache bereits seit einigen Jahren von „Telefono Amico Italia“ gewährleistet wird.

stol

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