Freitag, 01. Dezember 2017

2-Klassen-Medizin in Südtirol?

Gesundheitsversorgung in Südtirol ist eine Frage der Brieftasche. Wer zahlt, ist besser dran. Zumindest der Großteil der „Dolomiten“-Magazin-Leser hat daran keinen Zweifel.

Über 1000 Abonnenten des „Dolomiten“-Magazins wurden zum Gesundheitssystem in Südtirol befragt.
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Über 1000 Abonnenten des „Dolomiten“-Magazins wurden zum Gesundheitssystem in Südtirol befragt. - Foto: © shutterstock

„Wir haben schon eine 2-Klassen-Medizin“, antworteten 78 Prozent der 1023 Abonnenten, die im vergangenen Oktober zum Eindruck von Südtirols Gesundheitswesen befragt worden sind.

Es sei vorausgeschickt: Bei dieser Umfrage handelt es sich nicht um eine repräsentative Umfrage im klassischen Sinn, die den genauen Kriterien Alter, Geschlecht, Bildungsgrad oder Sprachgruppe entspricht.

Auf die Frage „Politiker betonen immer wieder, dass sie keine 2-Klassen-Medizin wollen, bei der jene schneller und besser behandelt werden, die mehr bezahlen. Wie ist Ihr Eindruck vom Gesundheitssystem in Südtirol?“, meinen 22 Prozent, dass das Gesundheitssystem allen gleich gute Leistungen bietet. Die restliche übergroße Mehrheit hingegen – satte 78 Prozent – meinen: „Wir haben schon eine 2-Klassen-Medizin“.

Nach Geschlecht betrachtet, stellen die meist gesundheitsbewussteren Frauen dem Gesundheitssystem ein schlechteres Zeugnis aus als die Männer. Nur 19 Prozent der Frauen meinen, das Gesundheitssystem biete allen gleich gute Leistungen. Für 81 Prozent hingegen sei die 2-Klassen-Medizin schon Tatsache. Bei den Männern ist es immerhin ein knappes Viertel – 24 Prozent –, das meint, dass das Gesundheitssystem allen – egal ob dicke oder dünne Brieftasche – die gleichen Leistungen bietet.

Und was sagen Politik, Sanitätsbetrieb und Gewerkschaften zu dieser bitteren Einschätzung? „Die Frage, die sich mir stellt, ist, was die Leute unter Gesundheitssystem verstehen. Ich gehe davon aus, dass sie die verschiedenen Angebote im privaten Bereich einschließen, auf die Menschen zurückgreifen können. Sonst könnte ich mir diese Prozentsätze nicht erklären. Denn im öffentlichen Bereich gibt es relativ wenig an privater Medizin“, sagt Gesundheitslandesrätin Martha Stocker.

lu

stol