Dienstag, 17. November 2020

2 Wochen mit Covid-19 im Krankenhaus: „Hochachtung vor dem Personal“

Seit 2 Tagen ist Uwe Ringleb wieder daheim, ausgestattet mit einem ärztlichen Schreiben, einer Reihe von Medikamenten und vor allem dem guten Willen, wieder ganz gesund zu werden. Der 70-Jährige lag gut 2 Wochen lang mit einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus in Bozen.

Auf der Infektionsabteilung im Bozner Krankenhaus.
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Auf der Infektionsabteilung im Bozner Krankenhaus. - Foto: © ast
Angefangen habe alles Mitte Oktober, als er nach einem Auftritt als Komparse bei einer Filmproduktion glaubte, sich eine Erkältung zugezogen zu haben. „Ich bin vom Typ her eher robust, Fieber bekomme ich eigentlich sehr selten“, erzählt Ringleb, Kultur- und Naturführer, Mitarbeiter des Museums der Festung Franzensfeste und freier Mitarbeiter der „Dolomiten“. Diesmal erwischte es ihn dann aber doch, die Körpertemperatur stieg zwischenzeitlich bis 39 Grad Celsius an.

Kortison und Sauerstoff als Therapie

Nachdem sich sein Zustand – trotz eines ersten negativen PCR-Tests und eines fiebersenkenden Mittels – nicht gebessert hatte, kam Ringleb auf Anweisung seines Hausarztes in das Brixner Krankenhaus, wo er positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Von Brixen aus wurde er nach ersten Untersuchungen (unter anderem Lungen-CT und Ultraschall) direkt in die Infektions- bzw- Covid-Abteilung des Krankenhauses in Bozen überstellt. 7 Tage lang wurde er mit Sauerstoff und Kortison behandelt, das Zimmer teile er sich mit einem Mann, der ebenfalls an Covid-19 erkrankt war.



Das Personal arbeitet dort den ganzen Tag über in Schutzausrüstung. „Meine Hochachtung vor den Pflegern und Ärzten“, sagt Ringleb, der sich die gesamte Zeit gut betreut wusste. Laufend wurden Untersuchungen durchgeführt, die medizinische Versorgung war aufwendig.

Nach einer Woche wurde der Wahl-Vahrner auf die Innere Medizin verlegt, in der wiederum ein eigener Covid-Bereich eingerichtet worden war.

Als Tourenbegleiter ist Ringleb viel im Freien unterwegs und bezeichnet sich als körperlich fit. „Das hat mir mit Sicherheit geholfen, dass das Ganze nicht schlimmer endete“, sagte er. Er sei immer vorsichtig gewesen in Sachen Virus, und noch heute ärgert er sich über die Leichtfertigkeit allzu vieler Menschen.



Die Diskussion um die Masken kann er, auch nach seiner Zeit im Krankenhaus, nicht verstehen: „Hier muss das Personal unter anstrengenden Bedingungen arbeiten. Was meiner Meinung nach leider völlig abhanden gekommen ist, das ist die gegenseitige Solidarität der Menschen. Wenn ich als Wanderführer eine Tour plane und mit einer 30-prozentigen Wahrscheinlichkeit von Regen rechnen muss, nehme ich einen Regenschutz mit. Ähnlich ist das mit Covid-19. Warum ist das so schwer zu verstehen?“

Gesundheitlich geht es bergauf, seit Dienstag ist Ringleb wieder in seiner Wohnung. Allerdings muss er weiter in häuslicher Isolation bleiben, denn sein letzter Abstrich wies noch immer ein positives Testergebnis auf.

Uwe Ringleb lebt allein, ein Freund besorgt ihm die notwendigen Medikamente, mit seiner Freundin unterhält er sich vom Fenster aus. Medizinisch begleitet wird er über das Telefon von seinem Hausarzt. Ringleb sagt: „Ich komme zurecht, und wie so viele Leute versuche ich, durch diese Zeit zu kommen.“

Ringleb hat noch eine Bitte an alle: „Meckern bringt nichts, wir alle erleben aktuell eine Ausnahmesituation, und alle Beteiligten sollten ihr Bestes geben.“

d

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