Freitag, 20. September 2019

2018: Jedes 2. Kind außerehelich geboren

Südtirol zählte am letzten Dezembertag 2018 exakt 531.178 Einwohner. Ein erster Blick auf die Entwicklung der Wohnbevölkerung durch das Landesstatistikinstitut Astat ergibt folgendes Bild: Mehr Einwohner, weniger Geburten, eine konstant bleibende Sterberate sowie seit den frühen 90er Jahren eine positive Wanderungsbilanz.

2018 wurde fast jedes 2. Kind außerehelich geboren.
Badge Local
2018 wurde fast jedes 2. Kind außerehelich geboren. - Foto: © shutterstock

Der Wachstumstrend, so erklären die Experten der Astat, sei allerdings nicht homogen: „Während der Bevölkerungszuwachs in fast allen Bezirksgemeinschaften sowohl durch Geburten als auch durch Zuwanderung bestimmt wird, weist die Landeshauptstadt ein Geburtendefizit auf.“

Bozen verzeichnet demnach seit jeher landesweit die geringsten Geburtenraten und die höchsten Sterberaten, was in erster Linie auf die fortschreitende Alterung der Stadtbevölkerung zurückzuführen sei und auch von der Gebärfreudigkeit junger Zuwanderer nicht aufgewogen werde, heißt es in der Studie.

Der Vinschgau war 2018 die einzige Bezirksgemeinschaft, in dem weniger Menschen zuwandern als abwandern. Auch die Bezirksgemeinschaften Salten-Schlern und Wipptal verzeichneten einen unterdurchschnittlichen Wanderungssaldo.

Die regste Geburtsentwicklung gab es im Vorjahr im Eisacktal mit 11,6 Lebendgeborenen je 1000 Einwohner. Die Geburtenraten der anderen Bezirksgemeinschaften, mit Ausnahme von Bozen (8,8 je 1000 Einwohner) und Überetsch-Unterland (9,8 je 1000 Einwohner), liegen um dem Landesdurchschnitt von 10,0 Promille. 

Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau im gebärfähigen Alter hat sich in den vergangenen 10 Jahren etwas erholt und lag im Jahr 2018 bei 1,71 Kindern.

Auffallend ist der beachtliche Anstieg des Anteils der außerehelich geborenen Kinder in den letzten Jahren: Hatten im Jahr 1968 lediglich 5,9 Prozent der Kinder Eltern, die zum Zeitpunkt der Geburt nicht verheiratet waren, ist ihre Quote im Jahr 2018 auf 47 Prozent angestiegen und hat sich somit verachtfacht.

Gesellschaft altert zunehmend

Auch was die Langlebigkeit angeht, liegt Südtirol über dem gesamtstaatlichen Durchschnitt. Jedoch steigt infolge der hohen Lebenserwartung, die derzeit mit 81,4 Jahren bei den Männern und 86,2 Jahren bei den Frauen beziffert werden kann, auch der Anteil der älteren Menschen und bedingt eine zunehmende Alterung der Gesellschaft.

Das Durchschnittsalter der gesamten Wohnbevölkerung beträgt derzeit 42,8 Jahre und ist damit 4 Jahre höher als noch vor 20 Jahren. Auf 124,2 ältere Menschen (65 Jahre und mehr) kommen 100 Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren.

Das Verhalten in Bezug auf Familiengründung, Eheschließung, Trennung und Scheidung hat in entscheidendem Maße den gesellschaftlichen Wandel mitgeprägt. Trotz des leichten Aufwärtstrends der Eheschließungen führt der Verlauf eine fortschreitende Heiratsunwilligkeit vor Augen: Während sich in den 60er-Jahren noch 7 bis 8 Paare je 1000 Einwohner trauen ließen, ist dieser Wert jetzt auf nahezu die Hälfte gesunken.

2018 wurden 18 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften standesamtlich eingetragen und am Ende des Jahres scheinen in Südtirols Melderegistern insgesamt 392 nichteheliche Lebensgemeinschaften auf.

Zugleich gehen immer mehr Ehen in die Brüche: Die Scheidungsrate ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen und liegt im Jahr 2017 bei 13,3 Scheidungen je 10.000 Einwohner. Besonders die Jahre 2015 und 2016 verzeichnen einen verstärkten Zuwachs, wohl auch aufgrund der neuen vereinfachten Regelung des Scheidungsverfahrens. 7 von 10 Ehen endeten durch den Tod eines der Partner.

Immer mehr klein strukturierte Familien

Der gesellschaftliche Wandel der vergangenen Jahrzehnte schlug sich auch in den Haushaltsstrukturen nieder: Es änderten sich vor allem die Haushaltsgröße sowie die Verteilung der verschiedenen Haushaltstypen.

Der Trend hin zu immer kleiner strukturierten Familienformen ist klar erkennbar. Als Folge des veränderten Heiratsverhaltens, der gestiegenen Trennungs- bzw. Scheidungshäufigkeit sowie der geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Mortalität legen Einpersonenhaushalte und Teilfamilien zahlenmäßig stark zu, während Großfamilien langsam schwinden. Die durchschnittliche Haushaltsgröße, die in den vergangenen Jahrzehnten stark geschrumpft ist, ging von 3,6 im Jahr 1971 auf nunmehr 2,3 Mitglieder zurück.

Wie in allen westlichen Industrieländern haben sich auch in Südtirol immer mehr ausländische Staatsbürger niedergelassen, sodass sich ihr Bestand in den letzten 20 Jahren mehr als vervierfacht hat. Am 31. Dezember 2018 schienen offiziell 50.746 Menschen aus aller Welt in den Melderegistern der Südtiroler Gemeinden auf, was einem Anteil von 9,5 Prozent an der gesamten Wohnbevölkerung entspricht.

Die ausländische Wohnbevölkerung lebt vorzugsweise in den Städten, weist eine deutlich jüngere Altersstruktur auf und damit auch höhere Geburten- und viel geringere Sterberaten als die inländische Bevölkerung.

Menschen aus 138 verschiedenen Ländern leben derzeit in Südtirol. Dadurch wird die kulturelle Vielfalt der Südtiroler Gesellschaft immer facettenreicher. Rund 16.370, ein Drittel aller in Südtirol ansässigen Ausländer, kommen aus einem der 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Rund 30 Prozent entfallen auf die anderen europäischen Länder, die nicht zur EU gehören, während 19,3 Prozent aus Asien und 14,1 Prozent aus Afrika stammen.

stol

stol