Montag, 02. November 2020

24 Intensivpatienten in Südtirol: „Noch geht's, das Limit ist aber bald erreicht“

Die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten stieg in Südtirol in den vergangenen 24 Stunden um 7 Patienten auf 23. Am Nachmittag musste ein weiterer Patient in die Intensivstation in der neuen Klinik am Bozner Krankenhaus aufgenommen werden. STOL hat mit Dr. Andreas Clara, Oberarzt in der Covid-19-Intensivstation an der neuen Klinik in Bozen, über die aktuell angespannte Situation gesprochen.

Die Ärzte und Pfleger in Bozen kümmern sich derzeit um 15 Covid-Intensivpatienten. Die Aufnahme stammt von Montagnachmittag.
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Die Ärzte und Pfleger in Bozen kümmern sich derzeit um 15 Covid-Intensivpatienten. Die Aufnahme stammt von Montagnachmittag. - Foto: © stol
Während 9 Intensivpatienten in den peripheren Krankenhäusern von Brixen und Schlanders liegen, werden derzeit 15 Covid-19-Patienten in der Bozner Intensivstation behandelt – so Dr. Clara – und einige, die auf der Normalstation liegen, seien ebenfalls auf der Kippe in Richtung Intensivstation.

Die Covid-19-Intensivpatienten in Bozen seien – Stand Mittwochnachmittag – zwischen 42 und 71 Jahre alt, nicht alle haben Vorerkrankungen, und wenn dann leichtere, wie etwa Bluthochdruck, unter dem ja Personen ab 50 fast schon standardmäßig leiden.

15 Patienten in Bozen: Das bedeutet, dass die Situation langsam, aber sicher, kritisch wird, es sind vorerst nur noch 3 Plätze für Intensivpatienten vorbereitet.



Eine weitere Erweiterung ist schon in Ausarbeitung, man könne noch einen 4. Raum aktivieren bzw. bis auf insgesamt 24 Betten für Covid-19-Intensivpatienten aufstocken, Ein Problempunkt ist allerdings die Ressource Personal. Durch Umstellung der Krankenhäuser auf Notbetrieb, stehe nun allerdings wieder mehr für Intensivmedizin geschultes Personal zur Verfügung.

Wie mittlerweile jeder weiß, ist die Versorgung der Covid-19-Intensivpatienten sehr aufwendig und dauert oft über Wochen. In der modernen Intensivmedizin kümmert sich normalerweise ein Arzt um je 6 Patienten, ein Pfleger versorgt je 2 bis maximal 3 Patienten. So ist es zur Zeit auch in der Bozner Covid-Intensiv.




„Wir tun unser Möglichstes“ – so Dr. Clara – „wir haben sehr viel zu tun, aber noch sind wir nicht am Limit. Wenn diese Entwicklung allerdings so weiter geht, sind wir schon bald am Ende unserer Kapazitäten. Umso wichtiger, dass die Bevölkerung diesen Kreislauf versteht, sich an die Regeln hält und die restriktiven Maßnahmen, die die Politik erlassen hat, akzeptiert. Nur gemeinsam können wir die Welle stoppen bzw. einen Kollaps in den Krakenhäusern verhindern“

Die Leute, die sich heute infizieren, sind nämlich erst mit Verzögerung auf medizinische Hilfe angewiesen. Sprich, bei 500 Neuinfektionen heute, bekommen die Krankenhäuser die harten Fälle erst in etwa 2 Wochen zu spüren.

Bereits Mitte September, als STOL zu Besuch in der Covid-Intensivstation war, hat Dr. Clara vor einer raschen Zuspitzung der Situation gewarnt und die Bevölkerung zur Einhaltung der Regeln aufgerufen.

vs