Montag, 22. Juni 2020

25 Jahre Bezirksfeuerwehrinspektor – Max Pollinger zieht Bilanz

Fast ein Vierteljahrhundert lang war der Nalser Max Pollinger Bezirksinspektor des Feuerwehrbezirks Meran.

Max Pollinger als Bezirksinspektor im Herbst 2000 im „Joggestol“ in Grissian: Eine Mure wälzte sich in Richtung  Schernag und Nals.
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Max Pollinger als Bezirksinspektor im Herbst 2000 im „Joggestol“ in Grissian: Eine Mure wälzte sich in Richtung Schernag und Nals. - Foto: © Toni Mair
Altersbedingt stellte sich der 64-jährige Pollinger beim vergangenen Bezirkstag nicht mehr der Wiederwahl.

Im Interview mit dem Tagblatt „Dolomiten“ zieht er Bilanz, erinnert an die größten Einsätze und geht weiters auf die beeindruckende Entwicklung des Feuerwehrwesens ein.

„Dolomiten“: Herr Pollinger, fällt es nach fast 25 Jahren als Bezirksfeuerwehrinspektor schwer, von dem Amt loszulassen?
Max Pollinger: Nein, denn ich habe mich schon vor einem Jahr darauf eingestellt, dass ich aus Altersgründen nicht mehr kandidieren und einem jüngeren Kameraden das Amt übergeben werde. Ich war gerne Bezirksinspektor, sonst wäre ich es nicht so lange gewesen. Ein großer Dank geht an meine Familie: Ohne ihren großen Rückhalt und das Verständnis wäre es mir nicht möglich gewesen, Inspektor zu sein.

„D“: Welche Aufgaben hat eigentlich ein Bezirksinspektor?
Pollinger: Der Bezirksinspektor kümmert sich in erster Linie um den technischen Bereich innerhalb eines Feuerwehrbezirks: Dabei geht es um Ausbildung und Übungen sowie um Ausrüstung, Einsatzfahrzeuge und natürlich um die Alarmierung. Er rückt aber auch zu Großschadensereignissen aus und unterstützt die Wehren bei der Einsatzleitung.

„D“: An welche Errungenschaften erinnern Sie sich spontan?
Pollinger: Da kommt einiges zusammen: unter anderem die regelmäßige Anpassung der Einsatzuniformen an die neuesten Erkenntnisse, das Erstellen der Alarmpläne, die Einführung der Notrufnummern 115 und 112 sowie die Anschaffung von Gasspürgeräten und speziellem Werkzeug für Türöffnungen, um möglichst wenig Schäden zu machen. Als ich das Amt des Bezirksinspektors übernommen habe, wurden die Wehren noch von der Zentrale 2 in Meran alarmiert, heute gibt es nur mehr die Landesnotrufzentrale.

Darüber hinaus wurde das Stützpunkteprogramm ausgebaut, weil nicht jede Feuerwehr jedes Gerät und Fahrzeug haben kann: Vor fast 25 Jahren gab es im Bezirk nur 2 Drehleitern; heute stehen 3 Leitern und ein Hubsteiger zur Verfügung. Weiters wurden zum Beispiel ein neues Gefährliche-Stoffe-Fahrzeug angeschafft, die Meraner Bootsgruppe gegründet, schwere Rüstfahrzeuge ersetzt und natürlich in allen 53 Wehren regelmäßig Fahrzeuge ausgetauscht, die in die Jahre gekommen waren. Eine Errungenschaft war in meinen Augen die Einführung der landesweiten Fahrzeugrichtlinien. Zudem konnten in Zusammenarbeit mit dem Weißen Kreuz und dem Dienst für Rettungs- und Notfallmedizin des Sanitätsbetriebs First-Responder-Gruppen gegründet werden. Diese Ersthelfer sind wichtige Glieder in der Rettungskette.



„D“: Was war Ihnen als Bezirksinspektor ein großes Anliegen?
Pollinger: Mir war es immer sehr wichtig, jede Feuerwehr gleich zu behandeln. Weiters wollte ich möglichst oft bei den Wehren sein, um mit allen Kameraden einen Kontakt auf Augenhöhe zu pflegen. Deshalb war ich auch im Schnitt 100-mal pro Jahr als Bezirksfeuerwehrinspektor unterwegs, bei Einsätzen, Übungen, Versammlungen, Sitzungen und Feierlichkeiten, die auch zum Feuerwehrdienst dazugehören.

„D“: Wie war die Zusammenarbeit mit den 53 Wehren im Bezirk?
Pollinger: Sehr gut! Auch zu den anderen Blaulichtorganisationen, den Gemeinden, den Landesämtern, den Behörden und zum Landesfeuerwehrverband hatte ich immer einen guten Draht. Ich danke allen Bezirksfunktionären, mit denen ich in den fast 25 Jahren zusammenarbeiten durfte, allen voran den früheren Bezirkspräsidenten Hubert Eisendle, Wolfram Gapp und Jakob Pichler sowie Amtsinhaber Erhard Zuech. Die Entscheidungen waren oft nicht leicht: Und es allen recht zu machen, war nicht möglich.

„D“: Bei welchen besonderen Einsätzen waren Sie dabei?
Pollinger: Spontan erinnere ich mich an den Gefährliche-Stoffe-Einsatz im April 1998 im damaligen Chemiewerk Memc in Sinich und an zahlreiche Großbrände. Der größte, schwierigste und längste Brandeinsatz war jener im vergangenen März in der Metzgerei Pfitscher in Burgstall. Spürbar zugenommen haben in all den Jahren die Unwettereinsätze: Bei den Unwettern im Herbst 2000 war fast der gesamte Bezirk betroffen. Damals stand ich 3 Wochen lang im Einsatz. Zudem gab es viele Suchaktionen, die über Tage liefen. Der Eigenschutz war mir immer wichtig.

„D“: Was wünschen Sie dem Feuerwehrbezirk Meran?
Pollinger: Ich hoffe, dass alle 53 Wehren weiterhin ihren Dienst erfolgreich verrichten und von Unfällen verschont bleiben. Meinem Nachfolger Alex Paternolli wünsche ich viel Kraft und Freude als neuer Bezirksinspektor.
Interview: Florian Mair

fm