Ungeachtet globaler Krisen und politischer Umbrüche hält der Verein „Südtiroler Ärzte für die Welt“ an seinem Kurs fest: Hilfe zur Selbsthilfe, unabhängig von politischen Strömungen. Das 25-jährige Bestehen der Organisation markiert einen Meilenstein, der bei der Versammlung am vergangenen Donnerstag mit Stolz gewürdigt wurde. <BR /><BR />Laut Geschäftsführerin Gabriele Janssen Pizzecco sei die Begeisterung für die humanitäre Arbeit ungebrochen und erfasse zunehmend auch die nächste Generation.<h3>Generationswechsel und neue Perspektiven</h3>Der Verein stellt die Weichen für die Zukunft. Bereits 2025 wurde der Vorstand um den Rechtsanwalt Florian Brandstätter erweitert. Zudem verstärkt Victoria Pizzecco, Tochter der Vereinsgründer Toni Pizzecco und Gabriele Janssen Pizzecco, das Management als Assistant. <BR /><BR />Beide betonen die realistische Philosophie der Organisation: „Wir werden nicht die Welt retten, aber mit jeder einzelnen Hilfe können wir die Welt eines Menschen ein Stück besser machen. Das Ausschlaggebende ist, den Menschen die Möglichkeit auf eine bessere Zukunft in ihrer eigenen Heimat zu geben, vorausgesetzt, sie haben dort Perspektiven.“ <h3> Helfen an der richtigen Stelle</h3> 2025 haben die Südtiroler Ärzte für die Welt 33 Projekte in elf Ländern auf vier Kontinenten unterstützt. 35 Mitglieder waren im Einsatz, mehr als in den vergangenen fünf Jahren. Und die Menschen in Südtirol haben 2025 wieder einmal gezeigt, wie sehr sie hinter dem Verein stehen: Inklusive der persönlichen 5 Promille Zuweisung in der Steuererklärung stammen 90 Prozent des Projektbudgets aus privaten Spenden, 10 Prozent aus öffentlichen Beiträgen. Fast 90 Prozent der Ausgaben gehen an die Hilfsprojekte.<BR /><BR />Für die Südtiroler Ärzte für die Welt heißt das seit jeher: investieren in Medizin, Bildung, Trinkwasser – und seit 2023 ins Projekt Loving Home. In drei Diözesen mit 12,5 Millionen Einwohnern in Äthiopien werden Menschen aufgeklärt über die Gefahren illegaler Migration. Gleichzeitig bieten die Südtiroler Ärzte für die Welt Menschen Perspektiven zum Bleiben. 60 junge Menschen erhielten einen Beitrag, um ein kleines Gewerbe zu beginnen. „Wir sehen, Entwicklungshilfe wirkt, wenn sie für junge Menschen eine einkommensschaffende Tätigkeit generiert“, sagt Präsident Toni Pizzecco.<h3> Interne Strukturen stärken, Zusammenarbeit optimieren</h3>Seit 25 Jahren arbeiten die Südtiroler Ärzte für die Welt nach der Devise: interne Strukturen stärken, Zusammenarbeit optimieren. In Zahlen ausgedrückt hat der Verein Schulen gebaut für 11.500 Kinder und Jugendliche. 134 Brunnen versorgen 67.000 Menschen mit Trinkwasser. Nähkurse, handwerkliche Ausbildung und Mikrokredite sichern das Überleben von vielen Frauen. Und medizinische Einrichtungen, insbesondere die Krankenhäuser Attat in Äthiopien und Dhulikhel in Nepal, zwei Herzensprojekte der Südtiroler Ärzte für die Welt, sind Anlaufstelle für vier Millionen Menschen. <BR /><BR />Immer stärker investiert der Verein in die Qualität einheimischer Arbeit. Um Ärzte an das ländliche Krankenhaus in Attat zu binden, wurde 2025 in Attat mit dem Bau von Arztunterkünften begonnen: Dort sollen sie mit ihren Familien einziehen und in Attat ihre Zukunft sehen. Die Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern wird gezielt gefördert, dazu gehören unter anderem Sommercamps mit Englischunterricht.<h3> Wer als Mensch hilft, wird belohnt</h3> Der Preis Helping Hands, den der Verein jedes Jahr verleiht, geht heuer an Christian Streitberger und Nadia Giarbini. Die zwei HNO-Ärzte betreuen im Dhulikhel Hospital Nepal das Hörscreening für Neugeborene, sie führen auch Cochlear Implantat Operationen durch. Im August starten sie wieder, zum fünften ehrenamtlichen Einsatz. Hören gehört dazu, damit Kinder die Welt „begreifen“. <BR /><BR />In westlichen Ländern werden Neugeborene deshalb auf alle Sinne getestet. In Entwicklungsländern hingegen bleiben Hörstörungen oft unerkannt. Dabei geht’s nur um die gleiche Chance: „Alles, was wir früh erkennen, können wir besser behandeln, bei Babys und Kleinkindern gilt das besonders“, sagen die Preisträger.