Freitag, 25. Juni 2021

25 Prozent der Neuinfektionen in Österreich durch Delta-Variante

Die erstmals in Indien nachgewiesene sogenannte Delta-Variante des Coronavirus breitet sich auch in Österreich schnell aus. Der Virologe Andreas Bergthaler geht davon aus, dass basierend auf den Zahlen der AGES von der Vorwoche diese Mutation mittlerweile einen Anteil von 25 Prozent an den Neuinfektionen hat. In wenigen Wochen könnte die Delta-Variante zu 90 Prozent das Fallgeschehen dominieren.

Corona-Test-Proben: Besonders angesichts der Ausbreitung von Mutanten ist die Sequenzierung wichtig.
Corona-Test-Proben: Besonders angesichts der Ausbreitung von Mutanten ist die Sequenzierung wichtig. - Foto: © APA/HERBERT NEUBAUER / HERBERT NEUBAUER
Bergthaler verwies darauf, dass es nunmehr aber deutlich weniger Fälle gibt. So lag das Fallgeschehen durch die Ausbreitung der Alpha-Variante Anfang Jänner deutlich höher. „Wir haben zurzeit in absoluten Zahlen ein zumindest zehnmal niedrigeres Infektionsgeschehen als damals im Jänner. Dies erleichtert das Contact Tracing und sollte uns zusammen mit dem saisonalen Effekt auch die Chance geben, die absoluten Infektionszahlen besser zu kontrollieren“, sagte der Experte der APA. Wesentlich sei nunmehr, ob mit dem relativen Anstieg der Delta-Variante auch die absoluten Infektionszahlen stark ansteigen und in welchem Ausmaß unsere medizinischen Kapazitäten dadurch belastet werden.

Anfang Juni, in der Kalenderwoche 23, war die ansteckendere Delta-Variante noch für geschätzte 3 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich, die Woche darauf waren es bereits 13 Prozent und in der Vorwoche eben ein Viertel. „Auch wenn diese Zahlen einer größeren Schwankungsbreite unterliegen, ist der Trend vergleichbar mit anderen europäischen Ländern wie beispielsweise Deutschland mit geschätzten 15 Prozent oder Schweden mit 23 Prozent“, erläuterte Bergthaler. Auch in Südtirol hat es bereits einige Fälle gegeben.

Wichtig, Infektionsketten zu unterbrechen

Dominant ist diese neue Variante bereits in Russland oder in England.
Nunmehr habe man allerdings eine „deutlich bessere Ausgangslage als im Jänner“. Neben der Immunisierung der Bevölkerung sei besonders wichtig, die Infektionsketten zu unterbrechen. Für die Geschwindigkeit bei der Verbreitung spielen auch Öffnungsschritte oder das individuelle Verhalten eine Rolle. In England wurde die Delta-Variante mehr als 1.000 Mal unabhängig voneinander durch Reisen ins Land gebracht, das dürfte dort die Dynamik zusätzlich beschleunigt haben.

Derzeit gibt es in Österreich jedenfalls sehr wenige Fälle, im Schnitt kamen zuletzt in der vergangenen Woche täglich 106 Neuinfektionen hinzu. „Diese müssen möglichst rasch und effizient aufgeklärt werden“, sagte Bergthaler. „Die Pandemie ist aber auf keinen Fall vorbei. Man sieht bei anderen Ländern, wie schnell es gehen kann – auch im Sommer. Die Frage ist, ob bei uns die absoluten Fallzahlen auch steigen“, erläuterte der Experte. „Wie sich das weitere Wachstum in Österreich tatsächlich darstellen wird, ist meines Erachtens nicht mit absoluter Sicherheit vorherzusehen“, sagte der Virologe.

Sequenzierung der PCR-Tests

Laut dem Gesundheitsministerium werden in Österreich mehr als 50 Prozent der positiven PCR-Proben einer Teil- oder Ganzgenomsequenzierung (im Rahmen der selektiven oder der Sentinel-Surveillance) zugeführt. Bergthaler sprach sich im APA-Gespräch definitiv gegen die Schließung von Testzentren aus. Es ist wichtig, „dass wir vorbereitet sind, wenn die Zahlen stark ansteigen oder beispielsweise besondere neue Varianten zirkulieren. Testen ist dabei ein zentraler Baustein, um Infektionen frühzeitig zu erkennen und mittels Contact Tracing und Quarantäne die Infektionsketten effektiv zu unterbrechen. Ziel von alledem sollte sein, große weitere Pandemiewellen zu verhindern bei gleichzeitig möglichst gelinden Maßnahmen“, forderte Bergthaler.

Nur Impfung schützt

Sowohl der Virologe als auch das Gesundheitsministerium empfahlen eindrücklich die vollständige Impfung. „Je mehr Personen vollimmunisiert sind, umso unwahrscheinlicher wird es aufgrund der vorliegenden wissenschaftlichen Daten, dass Delta oder auch zukünftige Varianten unser Gesundheitssystem und auch alle anderen Gesellschaftsbereiche vor gröbere Probleme stellen“, sagte Bergthaler. Denn Delta werde nicht die „letzte Variante bleiben“.

apa/stol