Jährlich kommen in Südtirol rund 20 Neuinfektionen hinzu, heuer waren es 15 Neuinfizierte. Diese Zahl ist seit Jahren konstant, wobei der Anteil der sogenannten Risikogruppen an den Neuinfektionen sinkt und die Zahl der Heterosexuellen steigt.Dabei sind Männer in Südtirol – wie in allen europäischen Ländern – häufiger betroffen als Frauen.Weltweit sind aber die Hälfte der rund 34 Millionen HIV-Infizierten Frauen und Mädchen.Fünf Menschen sind 2012 an Aids erkrankt. Dank der neuen starken Therapien hat die Progression zum voll ausgeprägten Krankheitsbild ab 1996 abgenommen, damit hat sich die Anzahl auf rund zehn Krankheitsfälle pro Jahr eingependelt. Das Durchschnittsalter der Infizierten liegt in Südtirol bei 40 Jahren.Caritas: Betroffene brauchen sozialen RückhaltDie Betroffenen brauchen sozialen Rückhalt, sagen die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Pio Fontana anlässlich des Welt-Aids-Tages am heutigen 1. Dezember.„Gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen kämpfen wir in unseren Diensten gegen die Einsamkeit an, unter der die Betroffenen leiden. Sie verstecken sich, um sich vor Diskriminierung und Vorurteilen zu schützen. Die Freiwilligen stehen ihnen in ihrem schwierigen Alltag bei. Damit helfen sie mit, die Mauern des Schweigens zu durchbrechen, von denen Menschen mit HIV und Aids umgeben sind“, so die beiden Caritas-Direktoren.„Diese Menschen brauchen Hilfe und unsere Solidarität nicht nur im medizinischen Bereich. Sie sind besonders verletzlich und schutzbedürftig, gerade weil sie die Krankheit oft geheim halten, um sich und ihre Familien zu schützen“, so Schweigkofler und Fontana.Immer noch fehle in der Gesellschaft ein ausreichendes Wissen über die Infektionswege des Virus und über den Schutz vor einer Ansteckung. „Das macht die Beziehung der Betroffenen zu Arbeitskollegen und zu Familienangehörigen noch schwieriger und lässt Menschen mit HIV und Aids vereinsamen“, so die beiden Caritas-Direktoren.Aufklärung und anonyme TestsAuf die Wichtigkeit von Aufklärung und Vorbeugung weist Landtagsvizepräsidentin Julia Unterberger hin. „Nur Aufklärung in den Schulen und die Erziehung zur sexuellen Selbstbestimmung, ist dazu geeignet vor Ansteckung zu schützen und somit die Verbreitung von Aids einzudämmen“, so Unterberger.Das Thema zu enttabuisieren, dazu ruft die Landtagsabgeordnete Veronika Stirner auf. Gleichzeitig kritisiert sie, dass in den Krankenhäusern aufgrund staatlicher Maßnahmen keine anonymen Aidstests angeboten werden. Da man die Steuerkarte vorweisen müsse, halte dies viele Personen von einem Test ab.„Ich werde der Landesregierung in den nächsten Wochen einen Beschluss unterbreiten, mit dem wir dafür Sorge tragen, dass der HIV-Test wirklich anonym durchgeführt werden kann, das heißt ohne Angabe der Steuernummer und natürlich auch ohne Verschreibung auf dem Rezeptblock in den öffentlichen Krankenhäusern, wie das auch schon in anderen Regionen gehandhabt wird", hatte Gesundheitslandesrat Richard Theiner nach seinem Besuch der Vereinigung "Pro Positiv - Südtiroler Aids-Hilfe" am Mittwoch erklärt.Heuer 238 20-Minuten-Tests durchgeführtSeit Mitte Juni wird dreimal wöchentlich nachmittags im Sitz der Südtiroler Aids-Hilfe in der Baristraße in Bozen ein neuer HIV-Schnelltest angeboten wird. In nur 20 Minuten hat man Gewissheit.Bei bisher 238 Tests an 46 Tagen (Stand Ende Oktober) durchgeführten Tests wurde kein positives Ergebnis verzeichnet. Das Durchschnittsalter jener, die sich dem Schnelltest unterzogen haben, liegt laut den 238 ausgefüllten Fragebögen bei 37 Jahren, die meisten waren zwischen 26 und 35 Jahre alt. 214 (89,1 Prozent) gaben an, heterosexuell zu sein, 17 (7 Prozent) erklärten sich als homosexuell und 4 (1,6 Prozent) als bisexuell. 3 (1,2 Prozent) gaben an, drogenabhängig zu sein.Gratis-Kondome und kostenlose Tests in SüdtirolDie Mitarbeiter von „Young+Direct“ werden am 1. Dezember in verschiedenen Discotheken Gratis-Kondome und Infomaterial verteilen (siehe eigener Bericht).Ein hoher Prozentsatz der Südtiroler, bei denen Aids ausbricht, haben vorher noch nie einen HIV-Test gemacht haben. Zum Welt-AIDS-Tag erinnert der Südtiroler Sanitätsbetrieb deshalb daran, dass bei verschiedenen Einrichtungen im ganzen Land ein kostenloser HIV-Test durchgeführt werden kann.BOZENKrankenhaus BozenLorenz-Böhler-Straße Abteilung Infektionskrankheiten Tel 0471 90 85 43 / 908 669Montag bis Freitag von 7.30 bis 10 UhrDermatologische Ambulanz - STD (Sexuell übertragbare Krankheiten)W-Gebäude, Lorenz-Böhler-Straße, 5Tel. 0471/909939Montag bis Freitag von 8 bis 10 Uhr BRIXENSER.D. - Dienst für AbhängigkeitserkrankungenRomstraße 5Tel. 0472/813230Montag bis Freitag (außer Dienstag) von 8 bis 10.30 UhrMERANKrankenhaus Meran, LaborRossinistr. 5Tel. 0473/263001/02Montag bis Freitag von 7 bis 10 UhrBRUNECKKrankenhaus BruneckSpitalstraße 11Hepatitis und AIDS-Ambulanz Tel. 0474/581111 Montag bis Freitag von 7.30 bis 9 Uhr SER.D. Dienst für AbhängigkeitserkrankungenAndreas-Hofer-Straße 25Tel. 0474 586 200Montag bis Freitag von 7.30 bis 9 Uhrstol/apa/dpa