Freitag, 15. Oktober 2021

3 Jahre nach dem Brückeneinsturz in Genua: Vorverhandlung begonnen

Über 3 Jahre nach dem Brückeneinsturz in Genua hat am Freitag die juristische Aufarbeitung vor Gericht begonnen. 59 Personen sind im Zusammenhang mit der tödlichen Katastrophe vom 14. August 2018 angeklagt, bei dem 43 Menschen ums Leben kamen.

59 Angeklagte, 300 Zivilkläger, Hunderte Anwälte: Die Vorverhandlung hat begonnen.
59 Angeklagte, 300 Zivilkläger, Hunderte Anwälte: Die Vorverhandlung hat begonnen. - Foto: © ANSA / LUCA ZENNARO
Die Staatsanwaltschaft Genua hat Anklagen wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung der Verkehrssicherheit und anderer Fahrlässigkeitsdelikte erhoben. Anhörungen sind bis Dezember geplant. Die Region Ligurien, zu der die Stadt Genua gehört, sowie Angehörige der Opfer wollen als Nebenkläger am Prozess teilnehmen. Anwesend war am Freitag vor Gericht auch Egle Possetti, Sprecherin der Familienangehörigen der Opfer. Beim Unglück in Genua starben ihre Schwester und deren beiden Kinder.

Schwere Anschuldigungen wurden gegen den Autobahnbetreiber ASPI und das Ingenieurbüro Spea gerichtet, die meisten gegen leitende Angestellte und Manager der beiden Unternehmen und deren Mutterkonzern Atlantia. Den Ermittlern zufolge sollen die Verdächtigen von den Sicherheitsmängeln der Brücke gewusst, aber nichts dagegen unternommen haben.

Atlantia wird von der Unternehmerfamilie Benetton kontrolliert. Die an der Mailänder Börse notierte Gesellschaft ist ein weltweit tätiger Konzern mit mehr als 11 Milliarden Euro Umsatz.

Einer der 3 Pylone des Polcevera-Viadukts, bekannt auch als Morandi-Brücke, war am 14. August 2018 während eines Unwetters eingestürzt. Er riss dabei ein Teilstück der Fahrbahn mit in die Tiefe. Die innerstädtische Autobahnbrücke war Teil der Autobahn A 10 von Norditalien zur französischen Grenze. Anfang August 2020 wurde ein Neubau mit dem Namen „San Giorgio-Brücke“ eingeweiht.

Seither haben circa 12 Millionen Fahrzeuge die Brücke befahren, die vom Genueser Stararchitekten Renzo Piano entworfen wurde, berichtete der Bürgermeister von Genua, Marco Bucci. Finanziert wurde das 202 Millionen Euro teure Projekt vom Autobahnbetreiber, dessen ungenügende Wartung Hauptgrund für den Einsturz war.

apa/stol