Nun wird untersucht, ob falsche Prioritäten in der Notrufkette und die späte Alarmierung eines geeigneten Rettungshubschraubers das Schicksal der drei jungen Menschen besiegelt haben.<BR /><BR />Doch von vorn: In der Notrufzentrale fiel die Entscheidung, zwei Feuerwehrteams zum Unglücksort zu entsenden. Zu diesem Zeitpunkt waren Patrizia Cormos, Bianca Doros und Cristian Casian Molnar auf einer kleinen Insel im Natisone-Fluss gefangen. Das Wasser stieg jedoch schnell an und begann, die Insel zu überfluten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1104138_image" /></div> <div class="img-embed"><embed id="1104141_image" /></div> <h3> „Schickt jemanden, der uns hier rausholt, sonst sterben wir alle“</h3>Kurz nach dem ersten Notruf rief Patrizia Cormos erneut an. „Schickt jemanden, der uns hier rausholt, sonst sterben wir alle“, flehte die 20-Jährige verzweifelt. Sie wählte die Notrufnummer in den folgenden Minuten noch zweimal, doch ihr letzter Anruf blieb unbeantwortet.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1104144_image" /></div> <BR /><BR />Nach den Ermittlungen wurde der Alarm als dringende technische Hilfeleistung an die Feuerwehr weitergeleitet, und zeitgleich ein Hubschrauber angefordert, der vom Flughafen Marco Polo in Venedig startete. Die Feuerwehr war innerhalb weniger Minuten vor Ort.<BR /><h3> Hubschrauber aus Venedig</h3>Im Nachhinein stellt sich jedoch die Frage, ob es effektiver gewesen wäre, den Vorfall als medizinischen Notfall zu bewerten und den Notarzthubschrauber Doppio India von der Landesflugrettung Sores FVG zu alarmieren. Dieser war nur zwölf Flugminuten entfernt und hätte schneller eingreifen können als der Feuerwehrhubschrauber Drago, der aus Venedig anreisen musste.<BR /><BR /><BR />Am Unglücksort spielten sich dramatische Szenen ab. Während alle auf den Hubschrauber warteten, versuchten die Feuerwehrleute, den drei Eingeschlossenen Seile zuzuwerfen, doch keiner konnte eines davon ergreifen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1104147_image" /></div> <BR /><BR />Als die Rettungsversuche scheiterten, hielten sich die drei jungen Menschen in einer letzten Umarmung fest, um gegen die reißende Strömung anzukämpfen. Doch um 13:58 Uhr gab die Insel nach, und die drei wurden voneinander und schließlich von der Strömung mitgerissen. Ein Feuerwehrmann sprang noch mutig ins Wasser, konnte jedoch niemanden retten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1104150_image" /></div> <BR /><BR />Der Hubschrauber Doppio India hob erst um 13:48 Uhr ab, doch zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät. Als er um 14:20 Uhr den Natisone erreichte, waren die drei jungen Menschen bereits vom Fluss fortgetragen worden.<h3>Wurden alle Vorschriften eingehalten?</h3>„Wir hoffen, dass die Justiz klärt, warum der Hubschrauber der Landesflugrettung Sores mit Seilwinde und erfahrenen Bergrettern nicht sofort alarmiert wurde“, sagte Gaetano Laghi, Anwalt der Familien Doros und Molnar, gegenüber dem Corriere della Sera. „Wurden alle Vorschriften eingehalten? Diese Frage ist entscheidend für den Fall“, fügte er hinzu.<BR /><BR />Die Ermittlungen richten sich nicht gegen die Feuerwehrleute, die alles taten, um die Jugendlichen zu retten, sondern untersuchen die Entscheidungsprozesse in der Notrufzentrale. Im Fokus steht die Frage, warum ein weiter entfernter Hubschrauber angefordert wurde und nicht der näher gelegene Notarzthubschrauber.