Freitag, 11. Dezember 2020

3 Wochen nach Corona-Screening – „Es war die Rettung für unser Land“

Die epidemiologische Coronavirus-Situation in Südtirol 3 Wochen nach dem landesweiten Coronavirus-Schnelltestprojekt „Südtirol testet“ stand am Freitag im Mittelpunkt der Landesmedienkonferenz.

Vor 3 Wochen wurde das Massen-Screening in Südtirol durchgeführt.
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Vor 3 Wochen wurde das Massen-Screening in Südtirol durchgeführt. - Foto: © DLife/LO
Vor 3 Wochen hat das Projekt „Südtirol testet“ stattgefunden. Mehr als 362.000 Menschen hatten sich am Ende der 3 Massentest-Tage sowie 72 Stunden davor und danach auch bei den teilnehmenden Ärzten und Apotheken beim Antigen-Schnelltest auf das Coronavirus untersuchen lassen. (STOL hat berichtet)

Wie sich die epidemiologische Situation seit diesem landesweiten Corona-Screening entwickelt hat und wo Südtirol heute steht, darüber informierten Gesundheitslandesrat Thomas Widmann, der geschäftsführende Sanitätsdirektor Pierpaolo Bertoli, der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs Florian Zerzer, die Primaria des Labors für Mikrobiologie und Virologie des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Elisabetta Pagani, und der Biostatistiker Markus Falk.

Einhaltung der Regeln weiter fundamental

„Diese Tests und die hohe Beteiligung waren ausschlaggebend für den Erfolg und für die nachfolgenden Lockerungen“, so Widmann. Die Neuinfektionen und die 7-Tage-Inzidenz seien stark gesunken.

Durch ein neues, landesweites Frühwarnsystem soll das Infektionsgeschehen engmaschig beobachtet und kontrolliert werden. Begonnen wird mit dem „Südtirol-Monitoring“. Die Testungen gehen nun, wie berichtet, in Phase 2.

Alle Maßnahmen würden stets aufgrund der gesammelten Daten und Erfahrungen getroffen, so der Landesrat, der im Hinblick auf Weihnachten alle aufrief, vorsichtig zu bleiben, Abstand zu halten, Mund-Nasen-Schutz zu tragen und Kontakte zu verringern: „Ich bitte die Bevölkerung sich konstant diszipliniert zu verhalten, so werden wir auch Zahlen haben, die es uns ermöglichen ein weitgehend normales Leben zu führen.“

Folgeansteckungen vermieden

Auch Bertoli strahlte Optimismus aus. Die 21 Indikatoren zeigten alle eine deutliche Besserung der Corona-Situation in Südtirol. Der Druck auf die Krankenhäuser sinke. In den vergangenen 16 Tagen gingen die Patienten, die aufgrund von Corona im Krankenhaus behandelt werden mussten, um 20 Prozent zurück, in den Intensivstationen gar um 24 Prozent.

Auch die Quarantänefälle seien um 29 Prozent gesunken. Die Kombination aus Lockdown und Massentest habe also Wirkung gezeigt, so Bertoli.

Massiver Rückgang des Infektionsgeschehens

Der Massentest habe zu einem massivem Rückgang des Infektionsgeschehens geführt, so auch Biostatistiker Markus Falk. Das Ergebnis liege genau zwischen dem optimistischen und dem pessimistischen Szenario, das angenommen wurden.

„Während Anfang Oktober die Fallzahlen treppchenweise schnell nach oben gingen, haben die ersten Maßnahmen, die nach Allerheiligen gegriffen haben und dann die Massentests zu einem rapiden Abfall der Fälle geführt“, berichtete Falk.

Falk erklärte die veränderte Situation in einem anschaulichen Beispiel: Wenn man vor dem Massentest 20 zufällige Personen ausgewählt hätte, hätte man bei einem Viertel das Virus gefunden, jetzt wären es nur noch 6,9 Prozent. Das Ansteckungsrisiko konnte also deutlich reduziert werden, man habe die Situation einerseits durch die Maßnahmen als auch durch den Massentest wieder unter Kontrolle gebracht.

„Die Infektionen sind zwar ein paar Tage nach dem Massentest wieder angestiegen, das sei aber der sogenannte Yo-Yo-Effekt, der auch erwartet worden war“, erklärte Markus Falk. Der Biostatistiker geht davon aus, dass sich die Reproduktionszahl in den nächsten 5 bis 10 Tagen auf 1 einpendle. Schön wäre, wenn die Fallzahlen noch weiter abfallen und sich auf einem sehr tiefen Niveau einpendeln würden, so der Biostatistiker.

Schönstes Weihnachtsgeschenk

Zerzer zeigt sich ebenfalls sichtlich erleichtert und erfreut bei der Medienkonferenz. „Die Massentestung war die Rettung für unser Land“, so der Generaldirektor. 3515 Personen konnten isoliert werden, dadurch viele mögliche Ansteckungen und Krankenhausaufenthalte vermieden. „Das größte Weihnachtsgeschenk für uns alle!“

Zum Schluss mahnte er aber weiter zur Vorsicht. Es gelte weiter das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten. „Bitte helft alle mit, dass die Kurve weiter abflacht“.

Antigentests zuverlässig

Dass die Tests zuverlässig waren, berichtete hingegen die Primaria des Labors für Mikrobiologie und Virologie des Südtiroler Sanitätsbetriebes Elisabetta Pagani anhand von Details aus dem Labor.

vs