Mittwoch, 20. Mai 2020

3000 Grödner treten ab 26. Mai zu Covid-Tests an

Gröden war einer der ersten Corona-Infektionsherde in Südtirol. Wie viele Menschen dort tatsächlich in Kontakt mit dem Virus waren und wie viele bereits Antikörper gebildet haben? Dies soll nun eine groß angelegte Studie, die an 3000 Grödnern auf freiwilliger Basis durchgeführt wird, zeigen. Am 26. Mai geht's los. STOL hat über den Ablauf und die Vorgehensweise mit Dr. Michael Mian, Hämatologe und Studienleiter, gesprochen.

3000 Personen werden nun in Gröden getestet.
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3000 Personen werden nun in Gröden getestet. - Foto: © shutterstock
Es handelt sich um ein Projekt, welches seinesgleichen sucht: Eine dermaßen breite hochqualitative Doppeltestung (vom 26. Mai bis zum 8. Juni werden an ausgewählten Personen jeweils ein PCR-Abstrich-Test und ein serologischer Test durchgeführt) in einer lokal abgegrenzten Gegend gibt es selten. Studienleiter Michael Mian, Hämatologe am Krankenhaus Bozen und mit der Leitung beauftragt.

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Mian ist überzeugt: „Durch diese Tests, die in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck durchgeführt werden, setzen wir nicht nur das WHO-Motto „testen, testen, testen“ um, sondern können auch feststellen, wie viele Personen mit dem Virus in Kontakt gekommen sind und Antikörper entwickelt haben. Dafür wurden vom Landesstatistikinstitut ASTAT rund 3.000 Personen ausgewählt, die als repräsentativ gelten. Diese werden schriftlich eingeladen - natürlich ist die Teilnahme freiwillig und wir legen Wert auf die informierte Einwilligung. Die – kostenlosen - Tests finden im Zivilschutzzentrum vom St. Christina statt.“


Testung ein Meilenstein


Auch für Landesrat Thomas Widmann ist die breit angelegte Testung von rund einem Drittel aller Grödnerinnen und Grödner ein Meilenstein: „Seit Beginn der Corona-Pandemie hat das Gesundheitswesen die Testkapazitäten sukzessive erhöht. Nun ist es von zentraler Bedeutung, die Testkapazitäten weiter hochzufahren, um ein ständiges Monitoring zu gewährleisten. Insbesondere sollen Risikogruppen und exponierte Personen verstärkt und wiederholt getestet werden. Unsere Testkapazitäten erlauben es uns aber auch, Studien durchzuführen – solche Studien liefern uns wichtige epidemiologische Daten in Bezug auf die Ausbreitung des Coronavirus in Südtirol. Erste Ergebnisse konnten wir bereits durch die umfangreichen Tests bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Freiwilligen des Weißen und Roten Kreuzes gewinnen.“

„Wie wir alle wissen, gab es zu Beginn der Krise in Gröden den ersten Infektionsherd. Unser Ziel ist es, heute einen umfassenden Überblick über die Situation dort zu bekommen. Das soll aber nur ein erster Schritt sein, denn diese Studie ist der Start für den Aufbau einer umfangreichen Daten- und Blutbank in Südtirol. Ich möchte mich bei allen bedanken, welche daran beteiligt sind: Neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sanitätsbetriebes und den Projektpartnern Eurac, Institut für Allgemeinmedizin und ASTAT sind das insbesondere die 3 Bürgermeister von Gröden, das Weiße Kreuz, die Freiwillige Feuerwehr und nicht zuletzt die 3.000 Grödnerinnen und Grödner, welche sich an der Studie beteiligen.“

Tests bieten hohe diagnostische Qualität

Die Tests, so Christina Troi, Primarin des Labors am Krankenhaus Brixen, bieten eine hohe diagnostische Qualität. So sagt ein PCR-Abstrich aus, ob derzeit noch eine Infektion im Gang ist oder nicht, allerdings erfahren wir nicht, ob bei einem Aufzeigen einer Nicht-Infektion bereits Kontakt mit dem Virus stattgefunden hat. Ein alleiniger serologischer Test hingegen, so Troi, habe den Vorteil, dass er zwar Auskunft darüber gebe, ob Antikörper vorhanden seien, jedoch nicht, ob noch eine aktuelle Infektion da sei. „Durch die Kombination beider Tests gewinnen wir einen hohen diagnostischen Wert: Wir können nicht nur mit Sicherheit sagen, ob die Testperson noch infiziert ist, sondern auch, ob sie die Erkrankung bereits durchgemacht hat.“ In diese Kerbe schlägt auch Dagmar Regele, Primarin des Departements für Prävention: „Durch diese flächendeckenden Tests überprüfen wir nicht mehr Einzelne, sondern testen auch asymptomatische Personen – fast eine ganze Talschaft. Dieser Paradigmenwechsel in der Testaktivität ermöglicht uns, ein genaues Bild darüber zu erhalten, wie viele Menschen an einem Ort wirklich infiziert sind bzw. die Erkrankung bereits durchgemacht haben. Die gewonnenen Informationen lassen allgemeine Schlüsse zu. Die Ergebnisse können die getesteten Personen online unter sabes.it oder direkt erfahren.“

Für Generaldirektor Florian Zerzer sind diese Erkenntnisse enorm wichtig: „Dies zeichnet unser Handeln in der Phase 2 aus: Wir erhöhen unsere Testkapazitäten, wo es notwendig ist. Dabei wird der Sanitätsbetrieb von sich aus aktiv und arbeitet eng mit den Lokalkörperschaften zusammen. Gemeinsam wird es uns gelingen, das Virus zurückzudrängen.“

An der Studie mitbeteiligt sind neben dem Virologischen Labor der Universität Innsbruck das Institut für Biomedizin der Eurac (eine Blut- bzw. Materialprobe wird jeweils in der Biobank der Eurac verwahrt, um für zukünftige epidemiologisch-genetische Studien zu Covid19 verwendet zu werden), das Institut für Allgemeinmedizin Südtirol und das Landesstatistikinstitut ASTAT.





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