Montag, 04. Juli 2016

38 verhungerte Hunde: Prozess gegen Tierschützerin

Bereits 2014 waren 38 verhungerte Hunde auf einem oberösterreichischen Gnadenhof gefunden worden. Der Prozess gegen die bekannte Tierschützerin wurde erneut vertagt und der Verbleib von 200.000 Euro Spendengeld bleibt unklar.

Tiefgehender Betrug: Wenn Tierschützer die Tiere in ihrer Obhut misshandeln.
Tiefgehender Betrug: Wenn Tierschützer die Tiere in ihrer Obhut misshandeln. - Foto: © shutterstock

Im Landesgericht Ried ist am Montag der Prozess gegen eine 63-jährige Gnadenhof-Betreiberin, der Tierquälerei und schwerer gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen werden, erneut vertagt worden. Im Dezember 2014 waren auf dem Anwesen der einst renommierten Tierschützerin 38 verhungerte Hunde entdeckt worden. Nach wie vor ungeklärt ist der Verbleib von 200.000 Euro Spendengeld.

Bereits skelettierte oder mumifizierte Kadaver

Teils waren die Kadaver bereits skelettiert oder mumifiziert – davor türmte sich laut Zeugen das Futter. Das Areal sei nur mit Gummistiefeln zu betreten gewesen, berichtete der Amtstierarzt, überall sei Hundekot gewesen. Die Frau rechtfertigt sich damit, dass sie wegen einer ernsten Erkrankung nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Tiere ausreichend zu versorgen.

Dem widersprachen aber Zeugen. Sie sei nicht so krank gewesen, so der Tenor, sie habe keine Hilfe angenommen und niemanden ins Haus gelassen. Eine ehemalige Vertraute sagte sogar: „Auffallend war, dass immer die Hunde gestorben sind, über die sie geschimpft hat.“ Die Angeklagte meinte, sie habe nur aus Angst, die Hunde könnten beißen, niemanden hereingelassen. Auf die Frage der Staatsanwältin, warum sie nicht wenigstens die Kadaver in die Tierverwertungsanlage gebracht habe, wollte sie nicht antworten.

Spendengelder wurden mutmaßlich missbraucht

Nach wie vor blieb der Anklagepunkt des schweren gewerbsmäßigen Betrugs offen. Denn der Verbleib von 200.000 Euro Spendengeld ist unklar. Eine Frau hatte aus dem Ausland regelmäßig über Jahre hinweg Geld für den Gnadenhof überwiesen. Die Angeklagte meinte, damit Tierarztrechnungen beglichen sowie Instandhaltungsarbeiten für das Gebäude finanziert zu haben. Entsprechende Belege legte sie jedoch bisher nicht vor.

Die Spenderin aus der Schweiz konnte am Montag abermals nicht befragt werden. Sie ließ sich als krank und nicht flugfähig entschuldigen. Der bereits seit Ende 2015 laufende Prozess wurde daher erneut vertagt. Eine Fortsetzung im Herbst ist wahrscheinlich.

apa

stol