Donnerstag, 08. Juli 2021

4-Tage-Woche in Island voller Erfolg – Modell auch für Südtirol?

Weniger arbeiten bei gleicher Bezahlung, und dann auch noch mehr leisten? Das klingt wohl für viele Arbeitnehmer nach einem Traum und fast zu gut um wahr zu sein. Eine Studie in Island, bei der die 4-Tage-Woche über mehrere Jahre getestet wurde, hat nun aber ergeben, dass genau das möglich ist – und es sogar mehrere Vorteile bringen kann.

Die Studienergebnisse zeigten eine Steigerung des Wohlbefindens der Arbeitnehmer.
Die Studienergebnisse zeigten eine Steigerung des Wohlbefindens der Arbeitnehmer. - Foto: © shutterstock
Das Experiment im Auftrag der Regierung bestand aus 2 Feldversuchen. Der erste startete im Jahr 2015. Über 2500 Arbeitnehmer, also über ein Prozent aller Arbeitnehmer Islands, wechselten dazu von der 5- in die 4-Tage-Woche – bei vollem Lohn. Sie arbeiteten nun also nicht mehr 40, sondern 35 bis 36 Stunden in der Woche. Der zweite Feldversuch startete 2017.

Das Ergebnis der Studie war eindeutig. Die verkürzte Arbeitszeit verbesserte nicht nur die Work-Life-Balance der Teilnehmenden, sondern führte teilweise sogar zu höherer Produktivität. So blieben die Leistung und die Produktivität der Arbeitenden oft gleich und bei den meisten verbesserten sie sich sogar, heißt es im Studienbericht.





Damit die Arbeitszeit verkürzt, aber das Niveau der Produktivität gehalten werden konnte, wurden Arbeitsabläufe optimiert und verschiedene Strategien eingesetzt. So wurden weniger, kürzere aber gezieltere Meetings abgehalten oder diese komplett durch E-Mails ersetzt, wo dies möglich war. Außerdem wurden Kaffeepausen reduziert und persönliche Erledigungen immer außerhalb der Arbeitszeit durchgeführt – mit Ausnahme von beispielsweise wichtigen Arztbesuchen.

Verbessertes Wohlbefinden für die Arbeitnehmer

Das Wohlbefinden der Arbeitnehmer hat sich stark verbessert. Die Arbeitenden fühlten sich glücklicher und litten weniger unter Stress und Burnout. Außerdem konnten sie mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen. So zeigt die Studie, dass eine verkürzte Arbeitszeit bei gleicher Bezahlung viele Vorteile sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Arbeitgeber bringt.

In Folge des „überwältigenden Erfolges“ der Studie, wie der Leiter der Forschungsabteilung Thinktanks Autonomy Will Stronge gegenüber der BBC meinte, konnten mittlerweile rund 86 Prozent der Arbeitnehmer in Island ihre Arbeitszeit reduzieren. Im Jahr 2019 betrug die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Island laut aktuellsten Zahlen 39,2 Stunden. In Italien hingegen waren es 37,1 Stunden.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Ergebnisse dieser in Island durchgeführten Studie auch auf weitere Länder mit komplexerer Wirtschaftsstruktur übertragbar sind.


Den vollständigen Studienbericht gibt es hier in englischer Sprache zum Nachlesen.

stol

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