von Lorenzo Baratter<BR /><BR />Am 8. Oktober 1860 war der Gardasee noch Grenzgewässer: Das brescianische Westufer gehörte bereits zum Königreich Sardinien, die trentinisch-veronesische Uferseite stand unter österreichischer Herrschaft. Die „Sesia“, ein Kanonenboot mit Schraubenantrieb, erhielt nach dem Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieg sogar einen zivilen Auftrag: Alle zwei Wochen verband das Schiff Limone und Salò entlang des lombardischen Ufers.<BR /><BR />Kurz nach Mittag am 8. Oktober lief sie in Limone aus. Rund 60 Menschen waren an Bord – Besatzung und Passagiere, Adelige und einfache Leute, Ausflügler, Frauen und Kinder. Keine zwei Meilen später, auf Höhe von Bine, zerriss eine Kesselexplosion das Schiff: Das Deck hob sich, das Heck wurde aufgerissen. Die „Sesia“ richtete sich steil auf und sank in wenigen Minuten.<BR /><BR />Ein Matrose kappte das Tau des Beiboots; daran retteten sich einige. Von Malcesine kam ein österreichisches Boot zur Hilfe. Dennoch war die Bilanz grausam: 42 Tote (33 Passagiere, 9 Seeleute).<BR /><BR />Heute erinnert ein Obelisk am Ufer – gut sichtbar an der Gardesana Occidentale – an das Unglück. Was bleibt, ist auch der Zweifel: Unfall, Fahrlässigkeit – oder Sabotage im Klima der damaligen Spannungen? <BR /><BR />Sicher ist: 2012 fanden die „Volontari del Garda“ das Wrack, fast unversehrt in rund 330 Metern Tiefe, zwei Meilen südlich von Limone, nur wenige Hundert Meter vor der Küste. Der See bewahrt sein verborgenstes Schiffsgrab – seine „Titanic“.