Freitag, 04. September 2020

5 ermordete Kinder – Bestürzung weit über Solingen hinaus

Eine junge Mutter soll 5 ihrer Kinder getötet und dann versucht haben, sich selbst das Leben zu nehmen. Die deutsche Bundesfamilienministerin zeigt sich „wütend und fassungslos“ – und warnt, vorschnell zu urteilen.

In Solingen herrscht Trauer und Mitgefühl.
In Solingen herrscht Trauer und Mitgefühl. - Foto: © APA (dpa) / Marcel Kusch
Der Fall der fünf getöteten Kinder aus Solingen hat weithin Bestürzung ausgelöst. Er mache „traurig, wütend und fassungslos zugleich“, hieß es am Freitag in einer Reaktion von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). Die Tat übersteige „unsere Vorstellungskraft von dem, was Menschen imstande sind zu tun“. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte in Düsseldorf, der Fall lasse „einen im Tagesgeschäft innehalten“ und an die „wichtigen Dinge im Leben“ denken. „Unsere Behörden werden jetzt alles tun, um diesen Vorgang aufzuklären.“

Die fünf Kinder – den Ermittlern zufolge drei Mädchen im Alter von 18 Monaten, zwei und drei Jahren sowie zwei Jungen im Alter von sechs und acht Jahren – waren am Donnerstag tot in einer Wohnung in Solingen entdeckt worden. Die 27-jährige Mutter steht im Verdacht, sie getötet zu haben. Anschließend soll sie sich im nahe gelegenen Düsseldorf vor einen Zug geworfen haben. Sie überlebte schwer verletzt.




Am späten Freitagnachmittag (16.45 Uhr) wollten Polizei und Staatsanwaltschaft über den Fall informieren. Familienministerin Giffey erklärte: „Jetzt gilt es, die Ermittlungen der Polizei abzuwarten und zu prüfen, ob es Hinweise auf Probleme innerhalb der Familie gegeben hat. Hier sollten wir nicht vorschnell urteilen. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen hat für mich als Familienministerin höchste Priorität. Es ist daher wichtig zu erfahren, was hinter dieser schrecklichen Tat steht.“ Ihre Gedanken seien bei Familie und Freunden der Kinder und auch bei den Einsatzkräften, „die schreckliche Bilder verkraften müssen“.

In der Nacht auf Freitag waren die Leichen der Kinder abtransportiert worden – danach kehrte vor dem Wohnhaus im Solinger Stadtteil Hasseldelle Stille ein. Bedrückte Menschen zündeten weitere Kerzen vor dem Eingang des Mehrfamilienhauses an. Dazu wurden Blumen und Teddybären als Zeichen der Trauer abgelegt.




Die toten Kinder waren nach Ermittlerangaben gegen 14 Uhr am Donnerstag gefunden worden. Die 27-Jährige habe sich etwa eine Viertelstunde vorher am Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen. Sie werde schwer verletzt im Krankenhaus behandelt, teilten die Ermittler am Donnerstagabend mit.

Die Großmutter der Kinder hatte demnach die Polizei per Notruf nach einem Kontakt zu ihrer Tochter alarmiert. Weitere Informationen, auch zum Gesundheitszustand der Mutter, gab die Polizei am Freitag bis zum Mittag nicht bekannt. Woran die Kinder starben, soll „im Rahmen der Ermittlungen und einer Obduktion geklärt“ werden, hieß es in der Mitteilung vom Donnerstagabend. Eine Mordkommission ermittelt.

Zum Vater konnte die Polizei Kontakt aufnehmen, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag sagte, nähere Details dazu gab es zunächst nicht.
Ein weiteres Kind, ein elf Jahre alter Junge, hatte seine Mutter, die Deutsche ist, zunächst zum Hauptbahnhof in Düsseldorf begleitet. Dann fuhr das Kind alleine weiter zur Großmutter nach Mönchengladbach. „Er befindet sich im sicheren Familienumfeld“, erklärten die Ermittler
Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) war nach einem Besuch am Tatort sichtlich schockiert. „Heute ist ein Tag, an dem wir in Solingen sehr traurig sind, weil eine Tat geschehen ist, die uns tief ins Herz getroffen hat“, sagte Kurzbach am Donnerstag. Die Polizei war mit mehr als 40 Kräften vor Ort.




Der Fall deutet nach Ansicht des Kriminalexperten Axel Petermann auf Hilf- und Perspektivlosigkeit der Mutter hin. Mögliche Warnzeichen für die Tat seien zudem womöglich wegen der Coronavirus-Pandemie nicht rechtzeitig erkannt worden, sagte Petermann der Deutschen Presse-Agentur. So sei beispielsweise denkbar, dass durch das Ausfallen von Schulunterricht und Kindergartenbetreuung Mechanismen nicht greifen konnten, die sonst Hilfe oder Unterstützung ermöglicht hätten.





dpa

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