Für das Südtiroler Gesundheitssystem gelte wie für alle anderen auch: Die Corona-Pandemie hat es unvorbereitet erwischt. Doch habe sich rasch gezeigt, dass es Regionen, in denen die Zusammenarbeit der Allgemeinmedizin mit Krankenhäusern schwach entwickelt war, besonders hart getroffen habe. Länder mit einer guten Vernetzung „schnitten im internationalen Vergleich besser ab: Sie konnten die Patientenströme effizienter lenken“, erklärt Prof. Wiedermann. <BR /><BR />In jedem Fall sei die Rolle der Hausärzte eine essenzielle gewesen, auch „um eine flächendeckende, verlässliche und zielgruppenorientierte Information der Bevölkerung zu gewährleisten“, betont Dr. Giuliano Piccoliori, Hausarzt in St. Christina in Gröden und wissenschaftlicher Leiter des Instituts, und ist sich sicher, dass Südtirols Hausärzte u. a. einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Impfkampagnen geleistet haben. <BR /><BR /><b>„Künftig Fakten verständlich vermitteln“</b><BR /><BR />Allerdings ergibt die Analyse auch Schattenseiten: „Widersprüchliche Informationen und mangelnde Transparenz“ von Seiten der Behörden während der Pandemie hätten viel Vertrauen zerstört, so Dr. Adolf Engl. Und auch die Hausärzte „waren gewiss nicht ausreichend darauf vorbereitet, mit skeptischen Patienten über Impfstoffe zu sprechen. Es fehlte uns nicht nur an spezifischen Informationen, sondern vor allem an der Fähigkeit, solche Vorbehalte überzeugend zu entkräften“, weiß auch Dr. Piccoliori.<BR /><BR />Gerade in der Kommunikation erblickt Prof. Wiedermann einen wichtigen Ansatzpunkt für ähnliche Herausforderungen in der Zukunft: „Wir müssen künftig in der Lage sein, medizinische Fakten so zu vermitteln, dass sie für die Menschen verständlich und glaubwürdig sind.“ Gerade angesichts „gefährlicher Fake News“, die sich schneller verbreiteten als je zuvor, sei es wichtig, „durch eine gezielte, transparente und den Zielgruppen angepasste Kommunikation“ Falschmeldungen „mit Entschiedenheit entgegentreten“, betont er. Als Beispiel nennt er die WHO-Initiative „Get the Facts“, die weltweit durch klare Botschaften das Vertrauen in Impfungen habe stärken können. <BR /><BR /><BR /><b>„Impfung war Wendepunkt“</b><BR /><BR /><BR />Und die Corona-Aufarbeitung des Institutes zeigt auch: Mit der Impfung kam der Wendepunkt der Pandemie. „Die Schutzimpfungen waren entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern und das Gesundheitssystem vor einer Überlastung zu bewahren“, klärt Prof. Wiedermann auf. „Allein in Italien konnten rund 150.000 Leben durch die Impfungen gerettet werden“, ergänzt er und verweist auf internationale Studien: Sie belegten, dass die Impfungen die Gefahr schwerer Corona-Erkrankungen um bis zu 80 Prozent senken.<BR /><BR /> Die Pandemie hat laut Dr. Engl auch aufgezeigt, wie sehr soziale Ungleichheiten die Gesundheit beeinflussen. „Menschen mit geringem Einkommen, beengtem Wohnraum oder ungesundem Lebensstil hatten ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe“, erläutert Dr. Engl. Auch daraus ergebe sich ein klarer Auftrag für die Zukunft: „Präventionsprogramme müssen soziale und kulturelle Unterschiede stärker berücksichtigen.“ <BR /><BR /><BR /><b>„Isolierte Entscheidungen kontraproduktiv“</b><BR /><BR /><BR />Das Institut hat sich aber auch die heikle Frage nach dem „Südtiroler Sonderweg“ gestellt. „Die in Bozen getroffenen Entscheidungen – der Südtiroler Sonderweg – wurden mit einem Anstieg der Infektionszahlen in Verbindung gebracht“, bilanziert Prof. Dr. Wiedermann. <BR />Es sei deutlich geworden, dass lokale Maßnahmen enger mit den gesamtstaatlichen Vorgaben abgestimmt werden müssten, damit die Balance zwischen dem Schutz der Gesundheit und den wirtschaftlichen Interessen gelingen könne. „Die erneuten Lockdowns haben gezeigt, dass isolierte Entscheidungen in einer globalen Gesundheitskrise kontraproduktiv sein können“, ergänzt er.<BR /><BR />Fazit: Südtirol braucht ein „vernetztes, sozial gerechtes und krisenfestes Sanitätswesen“, schließt Institutspräsident Dr. Engl.