Das heutige Sammelobjekt aus dem Habsburger-Österreich war aber auch hierzulande seit 1741 für 117 Jahre Währung und andernorts Ersatzwährung – vor allem in Afrika.<BR /><BR />Der berühmteste unter den Talern war bis zum 31. Oktober 1858 gesetzliches Zahlungsmittel im österreichischen Kaiserreich – und somit auch in Südtirol, Tirol und im Trentino, der heutigen Euregio. Der Maria-Theresien-Taler war aber beinahe weitere 100 Jahre Zahlungsmittel in Afrika, Arabien, sogar bis nach Indien. Im Kaiserreich Abessinien, das ja eine sehr enge gemeinsame Geschichte mit Italien hat, war er für über hundert Jahre offizielle Landeswährung. <BR /><BR />Großbritannien nahm Rücksicht auf die Beliebtheit des Talers aus dem Habsburger-Reich und begann ihn für seine Kolonien 1935 selbst, u.a. für Ostafrika, herzustellen. Um die Logistik zu vereinfachen wurde die Produktion nach Bombay in Indien ausgelagert, wo noch Anfang der 1940er Jahre fast 20 Millionen Maria-Theresien-Taler produziert wurden. Als letztes Land demonetisierte Äthiopien, das einstige Abessinien, 1947 den Taler. Auf Basaren und als Brautschmuck ist er im arabischen und nordafrikanischen Raum aber auch heute noch präsent.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="937090_image" /></div> <BR /><BR /> Aus Afrika sind laut Österreichischer Nationalbank Umrechnungskurse zu den dort als Geld genutzten Kaurischnecken überliefert. So belief sich um 1850 der Wert eines Maria-Theresien-Talers im Sudan auf 6000 bis 7000 Kauris, was dem Preis eines Ochsen entsprach. In Äthiopien bekam man 1921 für 5 Taler ein Wildschwein. Das damalige Zahlungsmittel galt aufgrund seines Aussehens und der Präsenz der Kaiserin als anerkanntes Zahlungsmittel, dem die Menschen vertrauten.<h3> Auch in Italien gültiges Zahlungsmittel</h3>Auch in Europa war der Maria-Theresien-Taler als Zahlungsmittel weit verbreitet. U.a. in Italien und Preußen. Seine große Popularität sorgte dafür, dass es etwas ganz Normales war, in Mailand, Venedig oder Rom, aber auch in Paris, Brüssel oder Zürich, mit dem Taler aus dem Habsburger-Reich zu zahlen.<BR /><BR />1477 verlegte Erzherzog Sigmund von Tirol die landesfürstliche Münzstätte von Meran nach Hall in Tirol. Der Grund war die Nähe der Schwazer Silberminen. Deren Silber wurde auch für den Maria-Theresien-Taler verwendet. In Hall in Tirol wurde ein Jahr nach der Übersiedlung der Münzstätte aus dem Burggrafenamt, dem Kerngebiet der historischen Grafschaft Tirol, der Maria-Theresien-Taler über 17 Millionen Mal geprägt und in die ganze Welt verschickt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="937093_image" /></div> <BR /><BR />Übrigens hat die Münze Meran ebenfalls rekordverdächtiges zu bieten, nämlich als Erfinder des Gegenstücks zum Taler. Ein Taler entsprach 120 Kreuzern. Der Kreuzer war also sozusagen das Kleingeld-Pendant zum Taler. Der erste Kreuzer wurde 1271 als sogenannter „Etscher Kreuzer“ in Meran geprägt. Ihren Namen erhielt die kleine Silbermünze (später Kupfer) aufgrund des Doppelkreuzes auf der Vorderseite. <BR /><BR />Der Kreuzer breitete sich im 15. und 16. Jahrhundert im gesamten Süden des deutschen Sprachraums aus. Im Habsburger-Österreich, zu dem damals auch Südtirol gehörte, war die Erfindung aus Meran bis 1857, in Deutschland bis 1876 in Gebrauch.<BR /><BR />Aufgrund des Titels von Kaiserin Maria Theresia ist auch Tirol auf der Münze zu finden: Der lateinische Spruch auf der Rückseite bedeutet „Erzherzogin von Österreich, Herzogin von Burgund und Gräfin von Tirol“. Plus das Prägejahr. <BR /><BR />Apropos Prägedatum. Vom Maria-Theresien-Taler wurden von 1741 bis heute weit mehr als 400 Millionen Stück geprägt. In Ehren an die 1780 verstorbene Maria Theresia wurde das Prägedatum immobilisiert, d.h. alle Münzen ab diesem Zeitpunkt tragen die Jahreszahl 1780. So auch die Sammlerstücke, die noch heute von der Münze Österreich jährlich in großen Stückzahlen in Wien geprägt werden.<h3> Die Spitznamen der Silbermünze</h3>Die begehrte Münze hatte auch jede Menge Spitznamen. Von den Engländern bekam sie aufgrund des Porträts der Kaiserin den Spitznamen „fat lady“ (dicke Frau). Auch die arabischen Bezeichnungen gehen auf das Münzbild zurück: Während sich der Name „Abu Noukte“ (Vater der Perlen) auf das Diadem der Herrscherin bezog, spielte der Name „Abu Kush“ (Vater des Vogels) auf den Doppeladler an. Ebenfalls überliefert ist der Name „Rial namsawi“ (Österreichischer Taler). <BR /><BR />Im Lauf der Zeit produzierten 29 Münzstätten weltweit diese Münze. Damit ist der Maria-Theresien-Taler die erfolgreichste und langlebigste Handelsmünze der Geldgeschichte und wird als Sammlerstück sicher noch lange weiterproduziert werden.<BR />