Zwei Züchter aus dem Fersental hatten ihre Schafe im Jahr 2021 einem Wanderhirten anvertraut, der mit ihnen durchs Trentino zog. Ins Rollen kam die Ermittlung, nachdem immer wieder einige Tiere verschwunden waren.<BR /><BR /> Als die Herde eine Zeitlang in Spini di Gardolo Halt machte, stellten die Züchter Überwachungskameras auf, und diese filmten dann den dreisten Diebstahl von 50 Schafen, von denen viele trächtig waren. Die Carabinieri von Civezzano konnten mit Hilfe der Aufnahmen vier dringend tatverdächtige Personen ausforschen und ihnen eine Falle stellen, die auch prompt zuschnappte. <BR /><BR />Die Männer – ein damaliger Mitarbeiter in einem der geschädigten landwirtschaftlichen Betriebe sowie drei Männer aus der Emilia Romagna – wurden wegen Diebstahl angeklagt und schlossen am Trienter Landesgericht Vergleiche ab. <BR /><BR />Doch inzwischen hatte Staatsanwältin Antonella Nazzaro schon ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen sie angestrengt: Die Schafe waren von den Dieben innerhalb von knapp 30 Minuten auf ein Fahrzeug verladen und dort auf beengtem Raum zusammengepfercht worden. Zwei Lämmer wurden zertrampelt. In der Folge untersuchte Tierarzt Michele Dallapiccola die erwachsenen Schafe und musste feststellen, dass ein Teil der trächtigen Tiere aufgrund des erlittenen Schocks Fehlgeburten erlitten hatten. Mehr noch: Im darauf folgenden Jahr war ein Rückgang der Trächtigkeiten zu beklagen gewesen, 100 Lämmer weniger als in normalen Jahren kamen in den betroffenen Zuchtbetrieben zur Welt. <BR /><BR />Richter Luigi Lunardon verurteilte die Angeklagten jetzt auch wegen Tierquälerei – zusammen mit den Haftstrafen wegen Diebstahl ergaben sich für die vier Männer Strafmaße zwischen zehn Monaten und 18 Monaten. Der Richter verdonnerte die Angeklagten auch zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro sowie zur Leistung von 51.000 Euro Schadenersatz an die geschädigten Züchter. <BR /><BR />Für zwei Angeklagte wurde die Aussetzung der Strafe zur Bewährung von der Schadenersatzleistung abhängig gemacht, für einen dritten wurde die vorherige Bewährung widerrufen, der vierte Mann sitzt bereits wegen anderer Vergehen hinter Gittern.<BR /><BR />Diebstähle von Tieren aus Herden, die auf Wanderschaft sind und damit schwerlich rund um die Uhr durch Kameras überwacht werden können, kommen offenbar immer wieder vor. Den Ermittlungen zufolge gehen die Täter dabei strategisch vor: Zuerst machen sie eine geeignete Herde ausfindig, dann suchen sie einen Käufer. Sobald sie die Garantie haben, dass sie ihre „Ware“ schnell und gewinnbringend veräußern können, besorgen sie gefälschte Chips für die Ohrmarken, damit die Herkunft der Tiere bei möglichen Kontrollen astrein erscheint. Und erst dann schlagen die Täter zu.