Freitag, 15. April 2022

50 Tage Krieg: Russisches Flaggschiff sinkt – Explosionen in Kiew

Russland hat eingestanden, dass sein Flaggschiff der Schwarzmeerflotte gesunken ist. Nur wenig später sollen in Kiew laute Explosionen zu hören gewesen sein. Ein Überblick zum Geschehen in der Ukraine in der Nacht und ein Ausblick auf den Tag.

Der Krieg in der Ukraine dauert seit mittlerweile 50 Tagen an. - Foto: © ANSA / SERGEI SUPINSKY

Die Kämpfe in der Ukraine dauern seit mittlerweile 50 Tagen an. Nachdem am gestrigen Donnerstag das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, der Raketenkreuzer „Moskwa“ gesunken ist, ließ ein russischer Gegenschlag wohl nicht lange auf sich warten.

Am frühen Freitagmorgen waren in Kiew lokalen Medienberichten zufolge laute Explosionen zu hören. In mehreren Regionen wurde Luftalarm ausgelöst. Berichte über mögliche Schäden oder Opfer gab es zunächst nicht.

Russisches Kriegsschiff gesunken – Propagandasieg für Kiew

Der angeschlagene russische Raketenkreuzer „Moskwa“ sei am Donnerstag während eines Sturms untergegangen, als er an sein Ziel geschleppt werden sollte, berichtete die Staatsagentur Tass unter Berufung auf das russische Verteidigungsministerium ( STOL hat berichtet). Ein Abschleppen sei notwendig geworden, da das Schiff seine Stabilität aufgrund von Schäden am Rumpf verloren habe, der während eines „Brandes durch die Detonation von Munition“ beschädigt worden sei. Angaben zur Brandursache gab es nicht.

Von ukrainischer Seite hatte es zuvor geheißen, das Schiff sei von einer oder 2 Anti-Schiffs-Raketen getroffen worden. Bereits in der Nacht zu Donnerstag hatte Moskau mitgeteilt, die Besatzung der „Moskwa“ sei vollständig evakuiert worden. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, sagte dem TV-Sender CNN, es sei „wahrscheinlich“, dass es bei dem Vorfall Tote und Verletzte gegeben habe. An Bord seien bis zu 500 Soldaten gewesen.

Der Raketenkreuzer „Moskwa“ ist gesunken. Ein Propagandasieg für die Ukrainer. - Foto: © ANSA / SERGEI ILNITSKY


„Ich weiß nicht, wie viele sie runtergebracht haben. Wir haben Hinweise gesehen, dass es Rettungsboote gab und dass einige Matrosen das Schiff verlassen konnten“, sagte Kirby, ein pensionierter Konteradmiral der US-Marine. „Aber falls es von einer Rakete getroffen wurde – selbst falls es nur eine interne Explosion war, die Munition verbrannt hat, so wie es die Russen sagen – wird man wahrscheinlich an Bord Tote und Verletzte haben.“

Experten zufolge hat der Vorfall mehr als nur symbolische Bedeutung. Der Raketenkreuzer sei Dreh- und Angelpunkt der Luftverteidigung der Schwarzmeerflotte gewesen. Dass das Schiff sank – sei es nun durch einen Unfall oder eine Rakete – werde die Moral der ukrainischen Streitkräfte heben und sei zudem ein Propagandasieg für Kiew.

CIA: Russische Atomwaffendrohung nicht auf leichte Schulter nehmen

CIA-Chef Bill Burns warnte davor, eine Bedrohung durch den möglichen Einsatz taktischer Atombomben durch Russland nicht ernst zu nehmen. „Angesichts der möglichen Verzweiflung von Präsident (Wladimir) Putin und der russischen Führung, angesichts der bislang erfahrenen militärischen Rückschläge, kann keiner von uns die Bedrohung durch einen möglichen Einsatz taktischer Atomwaffen oder Atomwaffen geringer Sprengkraft auf die leichte Schulter nehmen. Wir tun es nicht“, sagte Burns.

CIA-Chef Bill Burns warnte davor, eine Bedrohung durch den möglichen Einsatz taktischer Atombomben durch Russland nicht ernst zu nehmen. - Foto: © APA/getty / ALEX WONG


Selenskyj dankt Ukrainern für 50 Tage Widerstand


Der ukrainische Präsident Selenskyj dankte seinen Landsleuten für 50 Tage Widerstand gegen Russland. „Gott sei Dank, den Streitkräften der Ukraine und unserem Volk – wir haben den größten Teil unseres Landes verteidigt“, sagte Selenskyj in einer auf Telegram veröffentlichten Videobotschaft. „50 Tage unserer Verteidigung sind eine Leistung. Eine Leistung von Millionen von Ukrainern.“

Selenskyj dankt seinen Landsleuten für den Widerstand. - Foto: © APA/afp / ALEXANDER NEMENOV


Selenskyj sagte weiter, er erinnere sich an den ersten Tag der russischen Invasion in die Ukraine. „Um es milde auszudrücken: Niemand war überzeugt, dass wir bestehen würden.“ Viele hätten ihm empfohlen, das Land zu verlassen. „Sie haben dazu geraten, dass wir uns de facto der Tyrannei ergeben.“ Sie hätten aber die Ukrainer nicht gekannt und nicht gewusst, wie mutig diese seien und wie sehr sie Freiheit schätzten.

Rund 2550 Menschen aus umkämpften Gebieten evakuiert


Aus den umkämpften Gebieten in der Ukraine sind am Donnerstag etwa 2550 Zivilisten evakuiert worden. Das teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk in Kiew mit. Rund 2300 Menschen seien in der südukrainischen Stadt Saporischschja angekommen, darunter 290 Bewohnerinnen und Bewohner Mariupols.

Während der Evakuierungen hätten russische Einheiten „ständig“ die dafür eingerichteten Feuerpausen gebrochen, sagte Wereschtschuk. Weitere rund 220 Menschen seien aus der Region Luhansk im Osten des Landes in Sicherheit gebracht worden.

Papst Franziskus mit besonderem Kreuzweg

Papst Franziskus wird an diesem Karfreitag den traditionellen Kreuzweg am Kolosseum in Rom feiern. Um sich gegen den Krieg in der Ukraine und gegen Waffengewalt auszusprechen, entschied der Vatikan, dass bei der 13. Station Ukrainer und Russen das Kruzifix als Friedenszeichen gemeinsam tragen werden.

Aus der Ukraine kam dafür allerdings vorab bereits Kritik – dies sei ein widersprüchliches Signal, das den Angriffskrieg der Russen nicht in den richtigen Kontext stelle.

Alle Berichte zum Krieg in der Ukraine lesen Sie hier.

apa/dpa/stol

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