Donnerstag, 03. September 2015

50 Tage miteinander: Tisens stellt seine neuen Mitbürger vor

"Ihr seid liebe, nette Leute", sagt Kelly Samota und bedankt sich bei der Bevölkerung von Tisens/Prissian für die Aufnahme in der Flüchtlingsunterkunft "Haus Noah". Haben einst die Nein-Sager Aufmerksamkeit erregt, so waren es nun die Befürworter und Betroffenen, die an die Öffentlichkeit gingen.

Seht, so kann es gehen: Die Bewohner des Hauses Noah in Prissian präsentierten sich kontaktfreudig.
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Seht, so kann es gehen: Die Bewohner des Hauses Noah in Prissian präsentierten sich kontaktfreudig.

Am 13. Juli sind 40 junge Männer aus Nigeria, Gambia, Mali und Guinea im "Haus Noah" in Prissian eingezogen. Seither hat sich vieles geändert - und das nicht zum Schlechten. Um nicht den Widersachern das letzte Wort zu lassen und ganz Südtirol zu zeigen, wie Flüchtlingsaufnahme und Zusammenleben selbst im Bergdorf funktionieren kann, hat die Gemeinde am Donnerstag zu einer Pressekonferenz geladen. 

Und so tummelten sich Lang- und Kurzzeitbewohner des Ortes zusammen mit Helfern und Medienleuten auf dem Grundstück, verfolgten Ansprachen, labten sich an Häppchen und tauschten sich aus (siehe Bildergalerie).

Stehen voll hinter dem Projekt

Tisens Bürgermeister Christoph Matscher bekundete, dass die Gemeinde voll hinter dem Projekt „Haus Noah“ stehe. Er sei überwältigt vom Engagement und der Offenheit, mit der die Bevölkerung an die Sache herangehe. "Die Gemeinde wird alles daran setzen, um die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die Bewohner mit ihren Fähigkeiten in der Dorfgemeinschaft konkret einbringen können", so Matscher.

Vize-Bürgermeister Thomas Knoll betonte, er sehe das Neue und Andere als Chance für eine positive Entwicklung der Gemeinde. Er bedankt sich für die allgemeine positive Resonanz im Dorf.

„You are lovely and nice people“

Kelly Samota begrüßte im Namen aller Bewohner des "Hauses Noah" die Anwesenden und dankte den Menschen im Dorf: „You are lovely and nice people“. Er zeigt sich überrascht, über die Spontaneität und Offenheit der Freiwilligen Projekte zu organisieren, ohne Nachfrage ihrerseits.

Auch versichert er, dass alle Bewohner ihren aktiven Beitrag zu einem friedlichen Zusammenleben leisten werden.

Die Helfer kommen aus allen Schichten

Eine Gruppe von Freiwilligen aus der Dorfgemeinschaft, die bunt zusammengewürfelt ist und von Thomas Johannes Dalsant koordiniert wird, setzt alles daran, die Zeit der Bewohner des "Hauses Noah" so sinnvoll wie möglich zu gestalten.

Julia Dalsant, Urban Hiegelsperger und Elisabeth Langes sprachen stellvertretend über die Initiativen, die von Sport, Sprachentreffs (neben den Sprachkursen der Caritas), Spielenachmittagen mit der Jungschar, Instrumente bauen mit Max Castlunger über interkulturelles Kochen und einem Gartenprojekt bis zum Theaterprojekt für das Weihnachtsspiel, bei dem fünf Bewohner einen aktiven Part übernehmen werden, reichen.

„Es gibt ein helles Prissian, es gibt ein helles Tisens!

„Es gibt ein helles Prissian, es gibt ein helles Tisens!“ schlussfolgerte Alexander Raich, Prodekan von Tisens, und bezog sich dabei auf ein Zitat des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck: “Es gibt ein helles Deutschland“.

Franz Kripp, Direktor der Caritas, die das Haus führt, berichtete über die ersten Wochen und Tage seit der Aufnahme. Er lenkte den Fokus auf die finanziellen Aspekte der Flüchtlingshilfe und lobte die gute Kooperation zwischen den Freiwilligen und der Hausleitung.

Jeder kann helfen

Zum Schluss wurde noch betont: Jeder, der helfen will und Ideen hat, oder einfach nur vorbeischauen möchten, kann sich jederzeit bei der Freiwilligengruppe oder direkt im "Haus Noah" melden. So begegnet Prissian/Tisens seinen neuen Mitbürgern. 

stol/ker

stol