Freitag, 29. November 2019

500.000 Euro Belohnung nach Dresdner Juwelendiebstahl

Der Juwelendiebstahl im Dresdner Grünen Gewölbe hat für Polizei und Justiz höchste Priorität. Nun soll eine hohe Belohnung helfen, die Täter oder die kostbare Beute zu finden. Experten sind hinsichtlich der Schmuckstücke in Sorge – und hoffen noch.

Trotz intensiver Spurensuche gibt es noch keinen nennenswerten Hinweis auf die Diebe der historischen  Juwelen.
Trotz intensiver Spurensuche gibt es noch keinen nennenswerten Hinweis auf die Diebe der historischen Juwelen. - Foto: © APA/afp / SEBASTIAN KAHNERT

Nach dem Juwelendiebstahl von Dresden hat die Polizei eine halbe Million Euro Belohnung ausgesetzt und die Ermittlungen forciert. Die Sonderkommission „Epaulette“ wurde am Donnerstag um 20 Beamte aufgestockt. Die Abteilung Organisierte Kriminalität der Dresdner Staatsanwaltschaft übernahm den Fall. Die Belohnung wurde für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung der Tat, zur Ermittlung oder der Ergreifung der Täter sowie zum Auffinden der Beute führen. „Wir werden nichts unversucht lassen, diesen Fall zu lösen“, erklärten der Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar und der Oberstaatsanwalt Klaus Rövekamp.

Die Beiden sprachen von „einem wichtigen Schritt“, um Sachsens Bürgern und den Besuchern des Grünen Gewölbes die gestohlenen Stücke des Staatsschatzes zurückzubringen und die Täter zu fassen. Die kriminaltechnischen Untersuchungen im historischen Teil des Museums stünden vor dem Abschluss. „Es ist geplant, die Räume im Laufe des Freitagvormittags freizugeben“, sagte ein Polizeisprecher. Danach sind den Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) zufolge Reparaturen nötig. Wann die Schatzkammer wieder für Besucher öffnet, ist noch unklar.

342 Tipps aus der Bevölkerung, aber keiner entscheidend

In dem spektakulären Kriminalfall fehlt nach wie vor eine heiße Spur. Die Soko geht inzwischen 342 Tipps aus der Bevölkerung nach, darunter in 49 Fällen von Bildern und Videos. „Der entscheidende Hinweis liegt nicht auf dem Tisch.“ Angesichts von 4 geflüchteten Tätern vermuten die Ermittler eine Bande im Hintergrund, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Sie sind weiter flüchtig. 2 von ihnen hatten am Montagmorgen 11 komplette sowie etwa ein Dutzend Teile kostbarer Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten aus dem Juwelenzimmer des Historischen Grünen Gewölbes gestohlen.


Die mit einer Axt stark beschädigte Vitrine, in der sich Brillant- und Diamantgarnituren sowie der Brillantschmuck der Königinnen befanden, wurde inzwischen von Mitarbeitern des Museums ausgeräumt. Die verbliebenen Exponate wurden geborgen. Nun müssen die Schäden beseitigt werden, was mindestens bis Dienstagabend dauern wird, wie ein Sprecher der Sammlungen mitteilte. Über die Wiedereröffnung werde erst in der kommenden Woche entschieden.

Diamanten könnten herausgebrochen und einzeln verkauft werden

Die Chance, dass die gestohlenen Schmuckstücke unversehrt auf dem Kunstmarkt auftauchen und das Museum sie so zurückbekommt, sind nach Einschätzung des Kunstmarktdetektivs Willi Korte eher gering. „Meine große Befürchtung ist, dass die Steine herausgebrochen und individuell verkauft werden“, sagte Korte der Deutschen Presse-Agentur. „Diamanten haben schon immer als Zahlungsmittel gegolten.“ Sie würden in der Halb-Unterwelt Südamerikas, Osteuropas oder Asiens weitergereicht.

Anders als die Museumsleute hält Korte die Dresdner Beute aber für verkäuflich. „Selbst wenn sie nur einen Bruchteil ihres realen Marktwerts erbringen von 10 bis 20 Prozent, rentiert sich das gemessen am Aufwand immer noch“, sagte er. „Von der Investition her hielt sich das in Grenzen.“ Der Einbruch sei trotz einer gewissen Brutalität das Werk von Profis. Es habe in den vergangenen Jahren vermehrt Fälle gegeben mit Bezügen zu Banden aus Osteuropa, die teils gewerbsmäßig solche Einbrüche organisieren.

Diebe hatten es relativ leicht

Für die Diebe im Grünen Gewölbe war es zu leicht, sagte Korte mit Verweis auf Gitter, die durchgesägt werden können, Fenster, die sich öffnen lassen, Videoaufzeichnungen ohne Beleuchtung und Wachpersonal, das trotz Bewaffnung nicht sofort eingreift. Er befürchtet, dass es Pläne für den Absatz der Beute gab. „Juwelen lassen sich gut zu Geld machen, auch Einkaräter haben ihren Marktpreis.“

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dpa