Übers Krankenhausticket werden in Südtirol jährlich über 20 Millionen Euro bei den Patienten eingehoben, Tendenz steigend: 2023 waren es 23,45 Millionen Euro, 2022 hingegen 21,4 Millionen Euro und 2021 19,8 Millionen Euro, teilt der Sanitätsbetrieb auf Anfrage mit.<BR /><BR />Die Vorabkasse hat für das Spital klare Vorteile: Wenn nur die vorgemerkte Leistung 1 zu 1 bezahlt werden muss, dann erspart sich die Buchhaltung die Ausstellung der Rechnung und das Inkasso wird gesteigert, erklärt der Direktor des Gesundheitsbezirkes Bruneck, Dr. Gerhard Grießmair. Aber: Kommen noch Folge- und Zusatzleistungen dazu, dann muss sich der Bürger zweimal zur Kasse begeben, gibt Dr. Grießmair zu bedenken.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67068120_quote" /><BR /><BR />In den Krankenhäusern von Bozen und Meran wird bereits ein Großteil der Leistungen über Vorabinkasso eingehoben. In Brixen hat die Einführung der Vorauskasse bereits für einige Kritik und Unverständnis gesorgt. „Das Vorabinkasso bei Erstvisiten wurde in den letzten beiden Jahren graduell in verschiedenen Fachbereichen eingeführt“, berichtet Brixens Bezirksdirektorin Dr. Elisabeth Montel. „Seit kurzem ist das Vorabinkasso auch bei Folgevisiten und Leistungen wie EKG, Holter und Doppler-Gefäßchirurgie vorgesehen.“ Es gebe Anzeichen, die auf eine sinkende Zahlungsmoral bei den Bürgern hindeuten – allerdings lasse sich dies nicht direkt durch Zahlen belegen. <BR /><BR />Laut Dr. Montel gibt es auch „logistische Gründe“ dafür, dass Bürger bei der Bezahlung des Tickets säumig sind: Der Ticketschalter sei nur an Werktagen geöffnet und nicht rund um die Uhr. „Hier könnte uns ein Totem-Gerät für die Selbstbezahlung des Tickets Abhilfe verschaffen. Außerdem kann es passieren, dass während der Arztvisite kurzfristig entschieden wird, auch noch eine zusätzliche Leistung zu erbringen, wofür erst im Nachhinein das Ticket verrechnet werden kann“, erklärt Dr. Montel. Geld spiele bei der Säumigkeit auch eine Rolle – doch für ausgewählte Patientenkategorien gebe es aufgrund von Einkommensgründen und Krankheitsgründen verschiedene Arten von Ticketbefreiungen.<h3> Vorauskasse in Bruneck bald auch fürs Röntgen </h3>Im Krankenhaus Bruneck wird bereits jetzt für die Orthopädie im Voraus bei den Patienten kassiert, im Krankenhaus Innichen hingegen für Labor-Leistungen und fürs Röntgen, berichtet Bezirksdirektor Dr. Grießmair. Betriebsziel sei es, das Vorabinkasso zu forcieren und auszubauen. In Bruneck sei es geplant, ab 1. Dezember (oder spätestens am 1. Februar) auch für Röntgen- und Laboruntersuchungen die Bezahlung der Leistung im Voraus zu verlangen. <BR /><BR />Bei Labor und Röntgen seien Verschreibung und Leistung fast hundertprozentig identisch, erklärt Dr. Grießmair. Voraussetzung für die Einführung der Vorabkasse, sei dass man rechtzeitig die entsprechenden Kassen- und Sicherheitssysteme erhalte. Das sei alles noch vorzubereiten, Ankäufe müssen erst getätigt werden. Auch in Innichen wird eine Ausweitung des Vorabinkasso vorbereitet, kündigt der Bezirksdirektor an.<h3>Zahl der ausständigen Ticket-Beträge steigt</h3>Die Zahl der Ticketbeträge, die nicht eingehoben werden können, ist zwar nicht sehr hoch, steigt aber seit 2021 stetig an. So wurden im vergangenen Jahr 316.000 Euro an Ticket-Zahlungen nicht geleistet, 2022 waren es noch 263.000 Euro gewesen und 2021 233.000 Euro.<BR /><BR />Wenn ein Bürger das Krankenhausticket <i>nicht </i>bezahlt, dann wird er vom Sanitätsbetrieb angemahnt. Falls trotzdem keine Zahlung erfolgt, wird ein so genannter Inverzugssetzungsakt ausgestellt. Sollte die verlangte Summe immer noch nicht beglichen werden, so wird die offene Rechnung den Einzugsdiensten zum Inkasso weitergeleitet. Diese treiben dann die Forderung im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten ein, was bis zur teilweisen Pfändung des Gehaltes oder anderer Einkommen führen kann, teilt der Sanitätsbetrieb mit. In wenigen Ausnahmefällen kann es trotzdem vorkommen, dass die Rechnung uneintreibbar bleibt, wenn die Person zum Beispiel unauffindbar sei.