Sonntag, 08. März 2020

6 Tote durch Lawinenabgänge am Dachstein und Glockner

Bei einem Lawinenabgang auf der oberösterreichischen Seite des Dachsteins sind am Sonntag 5 Schneeschuhwanderer getötet worden. Nach Angaben der Polizei dürfte es sich dabei um tschechische Staatsbürger handeln. Sie konnten nur noch tot geborgen werden. Ein Kärntner Polizist starb zudem bei einem Lawinenabgang während eines Alpinkurses im Großglocknergebiet.

Eine Gruppe von Schneeschuhwanderern aus Tschechien wurde von der Lawine erfasst.
Eine Gruppe von Schneeschuhwanderern aus Tschechien wurde von der Lawine erfasst. - Foto: © MATTHIAS LAUBER
Das Unglück am Dachstein ereignete sich im Bereich des Randkluftanstiegs in der Nähe der Seethalerhütte auf 2700 bis 2800 Meter Seehöhe.

„Es hat mehrere Zeugen gegeben, die die Einsatzkräfte alarmiert haben“, sagte Christoph Preimesberger, Landesleiter der oberösterreichischen Bergrettung und Leiter der Bergrettung Hallstatt, zur APA.

Die Lawine sei etwa 150 bis 200 Meter breit und rund 400 lang gewesen, schätzte Preimesberger. In dem Gebiet hatte es in den vergangenen Tagen Wind und starken Schneefall gegeben. Das habe zu dem Abgang geführt, meinte der Bergretter.

In den vergangenen Jahren sei der Hallstätter Gletscher stark abgeschmolzen, der Bereich, wo sich die Lawine gelöst habe, sei dadurch wesentlich steiler als früher. Die Gruppe sei von den Ausläufern der Lawine erfasst worden. Zur Identifizierung wurden die Opfer nach Hallstatt gebracht, hieß es bei der Polizei.

Die Bergrettungen von Hallstatt und Obertraun, die Alpinpolizei und 6 Hubschrauber sind zu dem Großeinsatz am Dachstein ausgerückt. „Wir gehen nicht von weiteren Verschütteten aus, suchen aber das Gelände sicherheitshalber ab“, erklärte Preimesberger. An dem sonnigen Tag seien viele Menschen am Dachstein unterwegs.

Kärtner starb noch an der Unfallstelle

Beim zweiten Lawinenunglück kam ein 33-jähriger Polizist im Großglocknergebiet während eines Kurses der Alpinausbildung ums Leben. Ein kleines Schneebrett erfasste ihn gegen 11.30 Uhr bei der Abfahrt von der Adlersruhe in Richtung Pasterze. Der Kärntner wurde zwar nur teilweise verschüttet, erlitt aber so schwere Verletzungen, dass er noch an der Unfallstelle starb.

Niemand anderes aus der zwanzigköpfigen Ausbildungsgruppe wurde von dem relativ kleinen Schneebrett mit 15 Zentimeter Abrisskante verschüttet oder verletzt, sagte Polizeisprecher Rainer Dionisio auf APA-Nachfrage. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt bestellte einen Sachverständigen zur Klärung der Unfallursache. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) sagte in einer Reaktion, der Tod eines jungen Mitarbeiters, vor allem unter derart tragischen Umständen, sei ein schwerer Schlag für Familie und Kollegen.

Glimpflich lief am Sonntag ein Lawinenabgang im Gebiet des Wilden Kaisers in Ellmau (Bez. Kufstein) für einen 28-jährigen Österreicher und einen 35-jährigen Deutschen ab. Der Deutsche wurde verschüttet, konnte sich aber selbst befreien. Sein Kollege war wegen laufend nachfolgenden Lawinen gezwungen, sich nicht von der Stelle zu rühren.

Etwa 100 Meter unterhalb des Gipfels des „Tuxeck“ im Wilden Kaiser stieg der Deutsche laut Polizei mit Steigeisen und Pickel voraus und versuchte das teilweise vereiste und verschneite Stahlseil freizulegen, das dort auf den Gipfel führt. Der Österreicher wartete zu dem Zeitpunkt etwas weiter seitlich und unterhalb eines Felsvorsprunges.

Plötzlich löste sich um 9.30 Uhr oberhalb des Deutschen eine Lawine, riss diesen rund 300 Meter, über teils felsdurchsetztes Gelände, mit und verschüttete ihn zur Gänze. Er konnte sich aber selbst befreien und wie sein Kollege einen Notruf absetzen. Der Deutsche und der Österreicher wurden vom Team des Notarzthubschraubers mit dem Tau geborgen. Der Deutsche wurde leicht verletzt und von der Rettung ins Bezirkskrankenhaus Kufstein eingeliefert. Der Österreicher blieb unverletzt.

apa

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