<BR /><BR />Geboren im November 1937, wird Manfredi Chiericato bald 88 Jahre alt. Seine Geschichte ist eng verwoben mit jener seines Vaters Onofrio. Dieser stammte aus Megliadino San Vitale südwestlich von Padua, kam in den 1930er-Jahren aber nach Südtirol. Er war Schustermeister beim italienischen Militär. Als „capocalzolaio“ war er Chef eines Teams von acht bis zehn Schustern, die für das Schuhwerk der Wehrpflichtigen zuständig waren. 1936 kam Onofrio Chiericato zunächst nach Brixen, nach dem Kriegsende wechselte er nach Latsch, ehe er sich 1948 mit seiner Familie in Bruneck niederließ. Dort gab es in den beiden Kasernen viel zu tun – und er vererbte auch seinem Sohn Manfredi die Leidenschaft für das besondere Handwerk.<BR />Doch dieser blieb nicht lange beim Schuhmachen. Eine Allergie auf Schusterleim zwang ihn, neue Wege zu gehen. „Ich habe mich mehr und mehr auf den Handel mit Schuhen verlegt“, erinnert er sich. Mit 18 machte er den Führerschein – und bald darauf war er schon mit dem eigenen Marktauto unterwegs.<h3> Auf den großen Märkten im Land zuhause </h3>Die Anfänge seien nicht leicht gewesen, aber er habe nicht locker gelassen. Und so war der Brunecker schon bald auf den großen Märkten im Lande anzutreffen – am Brenner, in Sterzing, in Meran und natürlich auch da und dort im Pustertal und im Gadertal. Und dann war da noch der Stegener Markt, wo er bereits mit 16 oder 17 Jahren, so genau weiß er das nicht mehr, erstmals mit seinem Vater einen Stand hatte. „Damals war der Markt noch klein, aber er ist Jahr für Jahr gewachsen – so wie mein Stand auch“, sagt er mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.<BR /><BR />Heute zählt der Stand von Chiericato Schuhe zu den größten am Platz. Und obwohl sich das Einkaufsverhalten verändert hat und vieles heute online bestellt wird, bleibt der Stegener Markt für den 87-Jährigen der Höhepunkt des Jahres. „Ich treffe dort viele bekannte Gesichter, viele meiner Kunden kommen jedes Jahr. Manche sind im Lauf der Zeit zu Freunden geworden.“<BR />Manfredi Chiericato gehört auch zu den Pionieren des Brunecker Wochenmarktes, wo er jeden Mittwoch anzutreffen ist. Auf Reisen zu den anderen Märkten geht inzwischen sein Sohn Oscar, der den Betrieb übernommen hat. „Er macht das sehr gut“, sagt Vater Chiericato stolz. „Ich sehe das, was ich aufgebaut habe, bei ihm in guten Händen.“ Und auch die nächste Generation steht schon bereit: Enkel Mattia, Mitglied des Kronplatz Ski Teams, hilft am Marktstand mit, wann immer Schule und Sport es erlauben.<h3> Als „Mister Stegener Markt“ ausgezeichnet</h3>In Bruneck fühlt sich die Familie Chiericato fest verwurzelt. Besonders schätzt Vater Manfredi die sprachliche Vielfalt: „Wir sprechen in der Familie Italienisch, die Kinder gingen in die deutsche Schule, und Englisch kommt noch dazu. Drei Sprachen – das ist ein großer Vorteil, im Handel und im Leben.“<BR />Für seine jahrzehntelange Treue und seine Verdienste wurde Manfredi Chiericato im Vorjahr vom Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol (hds) als „Mister Stegener Markt“ ausgezeichnet – eine Ehrung, die er mit Freude entgegennahm. Bereits 2022 wurde er zusammen mit Paula Jobstreibizer für die besonderen Verdienste um den Brunecker Wochenmarkt geehrt. Die beiden haben vor nahezu 50  Jahren den „Mittamorscht“ mitbegründet.<BR /><BR />„Solange es meine Gesundheit erlaubt, bin ich auf den Märkten dabei“, sagt er. Und wer ihn kennt, weiß: Wenn es im Herbst wieder Zeit für den Stegner Markt wird, dann steht Manfredi Chiericato sicher an seinem Platz – pünktlich wie eine Schweizer Uhr, freundlich, herzlich, und mit einem festen Händedruck, der von einem langen, gelebten Marktleben erzählt.