Freitag, 17. April 2020

Damit Altersheime nicht zu Corona-Sterbeheimen werden

Zwischen 6.000 und 7.000 Bewohner italienischer Altersheim sind seit dem 1. Februar gestorben, 89 allein in Südtirol. Covid-19-Symptome wurden bei 40 Prozent festgestellt. Auch die Situation in Südtirol sei untragbar, so der ASGB und die Süd-Tiroler Freiheit. Man müsse jetzt endlich handeln.

Die Todesfälle entsprechen  7 Prozent aller Senioren, die in italienischen Altersheimen leben – circa 80.000 Menschen.
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Die Todesfälle entsprechen 7 Prozent aller Senioren, die in italienischen Altersheimen leben – circa 80.000 Menschen. - Foto: © shutterstock
Die vielen Todesfälle entsprechen 7 Prozent aller Senioren, die in italienischen Altersheimen leben – cas sind circa 80.000 Menschen. In den norditalienischen Heimen wurden circa tausend Senioren positiv auf Coronavirus getestet. Auch in Südtirol ist die Situation kritisch. Die Gesundheitsbehörden beklagten den Mangel von Schutzmaterial in den Heimen, zudem seien zu wenig Abstriche durchgeführt worden.

ASGB: „Es reicht“

Es sei nicht mehr tolerierbar, mit ansehen zu müssen, wie das Krisenmanagement in vielen Altersheimen völlig versagt, so der ASGB-Chef in einer Stellungnahme.Alle Bewohner und Mitarbeiter in Altenheimen testen: Dies sei der zentrale Schwerpunkt der künftigen Teststrategie in Österreich. Tony Tschenett, Vorsitzender des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB), fordert, die Strategie in Südtirol an Österreich anzupassen.

Die Süd-Tiroler Freiheit schließt sich dieser Kritik an den unhaltbaren Zuständen auch in den Südtiroler Altenheimen des ASGB vollinhaltlich an. In vielen Südtiroler Altenheimen sei die Situation völlig außer Kontrolle geraten. Verzweifelte Pfleger berichten, dass ihnen die Senioren unter den Fingern wegsterben, so der Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll in einer Aussendung. Was es jetzt brauche, sind sofortige Maßnahmen, damit die Altenheime nicht zu Corona-Sterbeheimen werden.

Wegen fehlender Schutzausrüstung stecken sich auch immer mehr Pfleger selbst an und tragen das Virus zu den eigenen Familienangehörigen heim. Es brauche daher dringend funktionierende Schutzausrüstung und flächendeckende Corona-Tests in allen Süd-Tiroler Altenheimen.

In Österreich werde bereits seit letzter Woche eine großangelegte Testung aller Heimbewohner und Pflegekräfte durchgeführt, um eine Massenansteckung zu verhindern. Südtirol sei dazu derzeit nicht in der Lage. Solange es keine Medikamente und Impfungen gegen das Corona-Virus gibt, seienTests jedoch die einzig wirksame Waffe, um kranke Menschen rechtzeitig zu isolieren.

Österreich offiziell um Hilfe bitten

Italien sei nicht mehr in der Lage Süd-Tirol mit ausreichend Schutzausrüstung und Tests zu versorgen, aber auch Südtirol selbst tue sich schwer, am internationalen Markt die Schutzutensilien und Chemikalien für die Tests zu besorgen, so Knoll weiter. Jeder Tag, der dadurch jetzt verloren geht, kostet Menschenleben. Die Süd-Tiroler Freiheit schlägt daher vor, die Regierung Österreichs offiziell um organisatorische Hilfe zu bitten. Es gehe darum, dass Südtirol in die Versorgung der Bundesländer mit Schutzausrüstung und Tests aufgenommen wird. Südtirol sollte Österreich die Kosten dafür voll erstatten.


Polizeikontrollen und Anzeigen

Angesichts der hohen Zahl hat die Polizei diese Woche mit ausgedehnten Kontrollen in den Senioreneinrichtungen begonnen. 600 Altersheime wurden bisher von den Carabinieri kontrolliert, bei 17 Prozent davon wurden Mängel festgestellt, vor allem bei der Lieferung von Schutzmaterial an das Personal. 15 Heime wurden geschlossen und die Bewohner in andere Einrichtungen gebracht. Bei den Kontrollen wurden 61 Personen angezeigt, gegen 157 weitere wurden Strafen verhängt.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Mailands größtes Seniorenheim „Pio Albergo Trivulzio“. Hier sind seit März 143 Senioren gestorben. Schon Anfang März hatten sich die Gewerkschaften bei der Leitung der Einrichtung beschwert, weil dem Personal kein Schutzmaterial geliefert wurde. Angehörige der Toten und Mitarbeiter des Heims hatten Anzeige erstattet, weil Sicherheitsvorkehrungen ignoriert worden sein dürften. Gegen den Direktor der Einrichtung wurden Ermittlungen eingeleitet.

apa/stol