Im Frühsommer bringen viele Rehgeißen ihre Jungen zur Welt und legen sie in den ersten Wochen im hohen Gras ab – zum Schutz vor Fressfeinden. Die Jungtiere werden nur zum Säugen aufgesucht. Das Kitz hat in dieser Zeit keinen Fluchtinstinkt und drückt sich bei Gefahr ganz tief ins hohe Gras, um unentdeckt zu bleiben. Was zum Schutz gegen den Fuchs funktionieren mag, kann beim Heranrollen einer Mähmaschine tödlich enden.<BR /><BR />Aufgrund des sehr regnerischen Wetters im Frühsommer hat sich der Zeitpunkt der Ernte verschoben. Dies hat sich auch auf die Kitze ausgewirkt. Erfreulicherweise wurden im Vergleich zu den vergangenen Jahren insgesamt deutlich weniger vermähte Kitze gemeldet. Das liegt hauptsächlich daran, dass viele Rehkitze zur Heuernte bereits groß genug waren, um selbstständig aus der Wiese und somit aus der Gefahrenzone laufen zu können.<h3> Drohnen mit Wärmebildkamera</h3>Zur Rettung des Jungwildes kommen mehrere Methoden zum Einsatz. Neben der Verwendung von Scheuchen setzen immer mehr Jagdreviere auf den Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkamera. Alternativ zur Kitzrettung mit Drohne laufen die Kitzretter während der Mahd vor der Mähmaschine her und suchen die Wiese nach Rehkitzen ab. Das ist jedoch sehr zeitaufwendig und erfordert viel Personal.<BR /><BR />Drohnen mit Wärmebildkamera sind teuer, ein Gerät kostet laut Jagdverband mindestens 8000 Euro. Außerdem muss für die Betätigung einer Drohne ein eigener Kurs zum Erwerb des Drohnenführerscheines absolviert werden. Die Jagdreviere müssen die Geräte selbst finanzieren, da hierfür leider keine Fördermittel aufgebracht werden, schreibt der Jagdverband.<BR /><BR />„Die Kitzrettung war heuer außergewöhnlich anspruchsvoll“, resümiert der Direktor des Jagdverbandes, Benedikt Terzer. „Aufgrund des unbeständigen Wetters wurde in den wenigen Schönwetterperioden besonders intensiv Heu geerntet, sodass die Freiwilligen mancherorts an ihre Grenzen gestoßen sind.“ <h3>Mit der Drohne auf Kitzsuche</h3>Der Jagdaufseher Johannes Telfser rettet im Jagdrevier Schnals jedes Jahr Dutzende Kitze mit der Drohne, heuer waren es etwa 30.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1071558_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie sind Sie bei der Kitzrettung vorgegangen?</b><BR />Johannes Telfser: Bevor gemäht wird, fliege ich die Wiese mit der Drohne des Jagdreviers Schnals ab und schaue, wo Rehkitze drinnen sind. Dann kontaktiere ich die Bauern. Einen Tag bevor gemäht wird, gibt mir der Bauer Bescheid. Dann organisiere ich für den Tag der Mahd einen Helfer. In der Früh fliege ich die Wiesen mit der Drohne alle ab. Ich lotse den Helfer zum Kitz, damit er es fängt. Das Kitz wird dann außerhalb der Wiese gebracht – unter eine Holzkiste. Sobald der Bauer gemäht hat, ruft er mich an, dann lasse ich das Kitz wieder laufen. Uns entgeht fast kein Kitz. Manchmal befinden sich in der Wiese auch Hasen – die werden dann auch mitgerettet. Eine 200 mal 200 Meter große Wiese fliegt man in ein bis 2 Minuten ab. Das Wichtigste ist aber die Organisation: Denn bei schönem Wetter mähen viele Bauern gleichzeitig. Man muss es sich so einteilen, dass man alle Wiesen rechtzeitig der Reihe nach erledigt. Viele Kitze werden mit Ohrmarken markiert. Damit hat man noch nach Jahren die Bestätigung, dass sie gerettet wurden und man kann auch beobachten, wo sie sich überall hinbewegen. Die markierten Kitze tauchen alle wieder auf – vom Muttertier abgestoßen werden nur wenige.<BR /><BR /><b>Welche Rettungsmethode wird angewandt, wenn die Kitze bereits größer sind?</b><BR />Telfser: Wir stellen am Abend vor der Mahd Kitzretter in der Wiese auf: Diese Geräte geben Piepstöne ab und blinken die ganze Nacht. Dies nimmt die Rehgeiß als Gefahr wahr, deshalb entfernt sie das Kitz aus der Wiese. Vor der Mahd mache ich dann noch mit der Drohne einen Kontrollflug.