Das „Vertragsgebiet“ für die Umsiedlung umfasste also nicht nur ganz Südtirol, sondern auch Ampezzo-Buchenstein und das Kanaltal in Belluno sowie das Fassatal, das Fersental und Lusern - also alle Gemeinden, wo es eine deutsche oder eine ladinische Minderheit gab."Dies bedeutete, entweder die Heimat mit ungewissem Ziel und unbekannter Zukunft zu verlassen – also zu „gehen“ -, oder als „Dableiber“ zwar in der Heimat zu verbleiben, aber die eigene Kultur aufgeben zu müssen und weiterhin der Unterdrückung und Italienisierungspolitik des faschistischen Regimes ausgeliefert zu sein", schreibt der Südtiroler Schützenbund in einer Presseaussendung, und stellt zugleich das Projekt "Schicksal 39" vor."Die tiefen inneren Kämpfe, die zur endgültigen Entscheidung geführt und die nicht zuletzt in viele Familien Zwietracht und Streit gebracht haben, wirken zum Teil noch bis in die heutigen Tage nach", so die Schützen.Schützen mit Plakataktion - Heutige Generation zum Nachdenken bewegenDer Schützenbezirk Pustertal und der Südtiroler Schützenbund möchten daher im Herbst 2014 mit einer Plakataktion unter dem Motto „Schicksal 39“ auf die folgenschwere Entscheidung hinweisen, vor der unsere Eltern und Großeltern standen. Dazu werden im ganzen Land Plakate mit beeindruckenden Fotos aus dieser Zeit ausgehängt.Ziel dieser Plakataktion ist es, die heutigen Generationen zum Nachdenken über diese unselige Zeit anzuregen. Deshalb tragen die Plakate keine vollständigen Informationen oder Bewertungen.Vielmehr sollen Satzfragmente den Betrachter zum „Weiterdenken“ einladen und ihn dazu anregen, sich in die Lage der Menschen hineinzuversetzen, die durch die Willkür zweier Diktatoren gezwungen waren, innerhalb von nur 10 Wochen über ihre Zukunft und jene ihrer Familie zu entscheiden.Auf der Internetseite www.schicksal39.com können weitere Informationen und Angaben wie Zitate, Fotos und Literatur zur Option abgerufen werden. Somit kann und soll sich jeder Interessierte selbst ein Bild von der damaligen Zeit machen und seine eigenen Schlüsse ziehen.Plakate an Bushaltestellen und BahnhöfenDie Plakate sollen an Bushaltestellen und Bahnhöfen ausgehängt werden, "die damals Ausgangs- und Endpunkt für viele Menschen waren: Die „Geher“ verließen die Heimat mit einem ungewissen Ziel, während sich die „Dableiber“ von ihren Angehörigen und Freunden - oft für immer - verabschieden mussten", so die Schützen."Heute sind die Bahnhöfe „Mobilitätszentren“ und vor allem für junge Menschen Ausgangspunkte zur Schule, zur Arbeit, zu fernen Urlaubsorten - also ein Symbol für Freiheit und Beweglichkeit. Was heute selbstverständlich und notwendig ist, war damals aber oft das Symbol für eine endgültige und unwiderrufliche Entscheidung", erklären die Schützen. Der Schützenbezirk Pustertal und der Südtiroler Schützenbund bedanken sich abschließend bei Landesrat Dr. Florian Mussner und seinen Mitarbeitern, die diese Plakataktion entscheidend unterstützt haben.