Montag, 27. Juli 2020

786 Covid-19-Arbeitsunfälle in Südtirol

Das Arbeitsunfallversicherungsinstitut INAIL muss in Südtirol im ersten Halbjahr – Jänner bis Juni – 786 Covid-19-Arbeitsunfälle verzeichnen. Auffallend ist, dass das Coronavirus vor allem berufstätige Frauen – 605 an der Zahl – erwischt hat. Das berichten die „Dolomiten“ in ihrer Montagausgabe.

Pflegepersonal stand an der Covid-19-Front.
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Pflegepersonal stand an der Covid-19-Front. - Foto: © shutterstock
Dafür hat Sebastian Wieser, Verantwortlicher für institutionelle Dienste beim INAIL Bozen, eine einfache Erklärung: „Pflegeberufe sind größtenteils weiblich besetzt.“

Zum besseren Verständnis: In Italien gilt eine Covid-19-Infektion als Arbeitsunfall, wenn ein Bediensteter bei seiner Arbeit in direktem Kontakt mit Menschen ist.

Italienweit wurden dem INAIL im ersten Halbjahr 2020 insgesamt 49.986 Covid-19-Arbeitsunfälle gemeldet. Die 786 Fälle in Südtirol sind 1,6 Prozent aller Covid-Arbeitsunfälle italienweit. Allein zwischen Ende Mai und Ende Juni wurden 30 Covid-Arbeitsunfälle in Südtirol gemeldet.

Von den 786 gemeldeten Covid-Arbeitsunfällen betreffen 605 berufstätige Frauen und nur 181 Männer. Das heißt, 77 Prozent der Fälle betreffen Frauen und nur 23 Prozent der Arbeitsunfälle Männer. „Das hat mit den Pflegeberufen zu tun und die sind hauptsächlich weiblich“, sagt die INAIL-Führungskraft Sebastian Wieser.

Die am meisten betroffene Altersklasse sind die 50- bis 64-Jährigen mit 321 gemeldeten Arbeitsunfällen – sprich 40,8 Prozent aller Fälle, gefolgt von den 35- bis 49-Jährigen mit 294 Fällen bzw. einem prozentuellen Anteil von 37,4 Prozent. Die restlichen Arbeitsunfälle verteilen sich auf die Altersgruppen der 18- bis 34-Jährigen (160 Fälle) und der über 64-Jährigen (11 Arbeitsunfälle).

Über den Grund für die unterschiedliche Häufigkeit je Altersgruppe könne nur spekuliert werden, meint Wieser. „Aber grundsätzlich lässt sich sagen: Umso älter jemand ist, desto eher treten natürlich Komplikationen auf“, so die INAIL-Führungskraft.

Immer laut gesamtstaatlicher INAIL-Statistik wurden die meisten Covid-19-Arbeitsunfälle aus dem Gesundheits- und Sozialwesen – sprich den Krankenhäusern und Altersheimen – vermeldet, und zwar 53,1 Prozent. 39,2 Prozent betreffen die öffentliche Verwaltung, wobei laut INAIL darunter die verwalterischen „Vorposten“ der direkten Arbeit am Patienten und Menschen , also u.a. Sanitätsbetriebe und Heimverwaltungen, zu verstehen sind.

„Aber nicht nur. Denn es hat auch Fälle in der Gerichtsbarkeit gegeben. Und man muss wissen, dass Bedienstete, die auf dem Weg zur Arbeit waren und sich auf dem Weg dorthin angesteckt haben, auch zu den Covid-Arbeitsunfällen zählen. Denn prinzipiell gilt, dass ein Arbeitnehmer, der in Kontakt mit Personen ist – im Krankenhaus, im Altersheim, als Mitglied der Rettungskette oder als Kassierin im Supermarkt –, nicht nachweisen muss, wo er sich angesteckt hat“, sagt Sebastian Wieser.

Apropos Berufsgruppe: Die am häufigsten Betroffenen waren Bedienstete im Gesundheitsbereich („tecnici della salute“) mit 36,8 Prozent aller Arbeitsunfälle. Darunter sind laut INAIL über 73 Prozent Krankenpfleger. An 2. Stelle ist die Berufsgruppe der qualifizierten Mitarbeiter in den Gesundheits- und Sozialdiensten mit 20 Prozent der Fälle zu finden – 99,3 Prozent davon sind Altenpfleger und Pflegehelfer. Dahinter liegt die Berufsgruppe der qualifizierten Betreuer mit einem Gesamtanteil von 15,7 Prozent – mehr als die Hälfte davon sind Sozialassistenten. Erst an 4. Stelle kommen die Covid-Arbeitsunfälle der Ärzte mit einem Anteil von 6,7 Prozent.

Und wie hoch sind die Covid-19-Ausgaben für das INAIL in Südtirol? „Die lassen sich jetzt noch nicht beziffern. Das wird erst später erhoben. Und im Unterschied zu den ,normalen„ Arbeitsunfällen wurde in diesem Fall für den Bediensteten keine Versicherungsprämie bezahlt. Wir sind jedenfalls sehr glücklich, dass wir kein Todesopfer zu beklagen haben. Denn in solchen Fällen fallen Hinterbliebenen- bzw. Unfallrente ab einer halben Million Euro und höher aus“, sagt Wieser.

lu